Pressestimmen

Abgang von Jain und Fitschen – das schreiben die Medien

Die bisherigen Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen

Die bisherigen Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen

Foto: dpa/Arne Dedert/Archiv

In den Kommentaren zum Chefwechsel wird viel Kritik am Gebaren der Deutschen Bank deutlich. Sind Jain und Fitschen nur Sündenböcke?

London/Frankfurt/Main. Das Erdbeben an den Finanzplätzen an einem eigentlich arbeitsfreien Wochenende ist noch nicht ganz verdaut, da beschäftigt die Deutsche Bank ihre Anleger, Analysten und Beobachter erneut. Einen Tag nach der Bekanntgabe des Rücktritts von Anshu Jain und Jürgen Fitschen ist der Aktienkurs regelrecht in die Höhe geschossen. Zunächst stiegen Deutsche-Bank-Aktien am Montagmorgen um beinahe acht Prozent auf 29,80 Euro. Kurz nach Börsenstart ging es wieder abwärts für die DB-Aktie, sie lag aber mittags noch klar im Plus.

An die Spitze von Deutschlands größer Bank rückt der bisherige Aufsichtsrat John Cryan. Das war Kommentarthema vieler Medien rund um den Globus. Lesen Sie hier Auszüge.

Den Teich trockenlegen, ohne die Frösche zu fragen

So schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“: „Will man einen Teich trockenlegen, sollte man besser nicht die Frösche um Rat fragen. Diese alte Weisheit scheint der Aufsichtsrat der Deutschen Bank befolgt zu haben, als er am Sonntag John Cryan zum neuen operativen Chef der Bank gewählt hat. Aufräumen muss ein Neuer, einer, der sowohl innerhalb der Bank wie auch außerhalb, bei Aktionären und in der Öffentlichkeit, glaubwürdig für frischen Wind sorgen kann. Cryan erfüllt dieses Kriterium zumindest insofern, als er nicht dem Investment-Banking-Sumpf der Deutschen Bank entstammt. Auf ihn kommt viel Arbeit zu, denn der Teich, der die ,Deutsche’ in Verruf gebracht hat, ist noch nicht – die meisten Frösche sind noch da.“

Opfer des Drucks von Aufsichtsräten und Investoren

„Mitten im Kampf der Deutschen Bank, eine Fülle von Skandalen zu bereinigen, sind ihre unter Druck stehenden Co-Vorstandschefs unerwartet von ihren Posten zurückgetreten. Nach Spekulationen an den Märkten könnte dieser plötzliche Führungswechsel bei der Bank, die zu den weltweit größten Investment-Häusern gehört, durch wachsenden Druck globaler Aufsichtsgremien und Investoren ausgelöst worden sein, die für eine neue Führung plädierten, um Vertrauen zurückzugewinnen“, schreibt die „Times“ (London).

Jain und Fitschen haben keinen unangenehmen Fall gelöst

Der dänische „Jyllands-Posten“ schreibt: „Die Deutsche Bank war in den letzten Jahren von einer Reihe von äußerst unangenehmen Fällen geplagt. Einige davon hatten die Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei ihrer Ernennung im Jahr 2012 übernommen, andere kamen seitdem hinzu, aber fast keiner von ihnen wurde gelöst. Zur gleichen Zeit ähnelte die Aktienentwicklung der Bank in den vergangenen drei Monaten der Fieberkurve eines schwer kranken Patienten.“

In Skandale verwickelt

Das „Svenska Dagbladet“ (Schweden) meint: „Anshu Jain, der für den Investment-Banking-Bereich zuständig ist, wurde zum Sündenbock für große Einschnitte gemacht und in Deutschland heftig kritisiert. Gleichzeitig wurde Jürgen Fitschen in den Skandal um die Mediengruppe Kirch 2002 verwickelt.“

Der Neue John Cryan ist mehr Kontrolleur als Geschäftsmann

Der „Corriere della Sera“ (Italien) schreibt: „Zu viele Finanzskandale, zu viele bezahlte Strafen, schwaches Vertrauen der Investoren, stockende Kurse an der Börse: Am Ende haben sie bei der Deutschen Bank entschieden, dass ein kompletter Wandel nötig ist. Und dafür bezahlen müssen die beiden Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. (...) Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Wahl des neuen Chefs auf John Cryan gefallen ist, der mehr Kontrolleur als Geschäftsmann ist.“

Was wird aus der neuen Strategie der Deutschen Bank?

„Hospodarske Noviny“ aus Tschechien kommentiert: „Zu dem Wechsel auf den höchsten Posten kommt es nur einen Monat, nachdem die Hauptversammlung eine neue Strategie gebilligt hatte. Deren Ziele sind es, den Gewinn und die Rendite des eingesetzten Kapitals zu erhöhen. Denn in den zurückliegenden Jahren sah es mau aus.“ (HA/dpa)