Hamburg

Hotels in Hamburg fast ausgebucht

Restplätze in Zweisterneherbergen für 300 Euro. Tourist Information leitet Gäste nach Kiel oder Lüneburg um

Hamburg. Wer spontan das Wochenende in Hamburg verbringen will, hat schlechte Karten: Fast alle Hotels sind ausgebucht. Die Hamburg Tourismus GmbH teilte dem Abendblatt am Freitag mit, dass kein Zimmer in der City mehr verfügbar sei. Der Dienst bei der Tourist Information im Hauptbahnhof sei derzeit kein dankbarer Job, denn die ankommenden Touristen müssten auf andere Ziele verwiesen werden. „Wir suchen dann Zimmer in Lüneburg oder Kiel für die Gäste“, sagte Sascha Albertsen, Leiter Kommunikation der Hamburg Tourismus GmbH.

In diesen Tagen kommen mehrere Faktoren zusammen, die Hamburg für Gäste so attraktiv machen. „Zwei Konzerte von Helene Fischer und der Feiertag Fronleichnam im Süden, da ist die Stadt voll“, ergänzt Albertsen. Auch das gute Wetter habe dazu geführt, dass viele Touristen einen Wochenendtrip in die Hansestadt geplant hätten.

Selbst Betriebe, die sonst hauptsächlich von Geschäftsleuten gebucht werden, sind restlos besetzt. Etwa das Hotel Atlantic oder das Hotel Le Méridien an der Außenalster. „Wir sind von Donnerstag bis Sonntag komplett voll“, sagt Andreas Kirsch. Der Hoteldirektor des Méridien mit 275 Zimmern kann sich wegen des Andrangs aber auch über hohe Gewinnspannen freuen: Die letzten Zimmer seien zu Preisen von über 300 Euro verkauft worden, ohne Frühstück. Auch im Designhotel The George ist bis einschließlich Sonntag alles ausgebucht.

Ein Blick in die Buchungsportale im Internet am Freitag zeigte, dass die starke Nachfrage die Preise in allen Hotelkategorien stark hat steigen lassen: So verlangt der Norderstedter Hof (drei Sterne) für die Nacht von Freitag auf Sonnabend immerhin 179 Euro für ein Einzelzimmer ohne Frühstück. Der Rahlstedter Hof ruft sogar 289 Euro für ein Dreibettzimmer auf, ebenfalls ein Mittelklassehaus in einiger Entfernung zur Stadtmitte.

„Für Ihren Reisezeitraum sind an diesem Ort keine Hotels für Onlinebuchungen frei gemeldet. Eine erweiterte Suche im Umkreis von 50 Kilometern ergab keine weiteren verfügbaren Hotels“, hieß es zwischenzeitlich auf der HRS-Seite, sobald als Ziel „Hamburg“ eingegeben wurde. Wenn einzelne Zimmer auf dem Internetportal kurzfristig zurückgegeben wurden, gab es für wenige Minuten Kapazitäten in der City zu Preisen wie in London oder Zürich: Das letzte Zimmer im Zweisternehaus Oase Zentrum in St. Georg kostete 349 Euro. Das Arcotel Rubin verlangte 444 Euro für ein Doppelzimmer ohne Frühstück. Dabei sind die Durchschnittspreise der Hotels in Hamburg normalerweise moderat. Im Jahresdurchschnitt erreichen die Zimmer einen Preis von 105 Euro, sagte Albertsen. Zum Vergleich: München, Frankfurt und Düsseldorf sind wegen der vielen Geschäftsleute teurere Übernachtungsziele. Und im europäischen Vergleich liegt die Hansestadt bei den Zimmerpreisen sogar nur auf Platz 12.

Allerdings bemüht sich Hamburg darum, künftig mehr hochwertige Herbergen anbieten zu können. „Wir benötigen mehr Kapazitäten in der High-Class-Kategorie“, sagte Albertsen. Bisher könnten die Gäste in der Stadt aus elf Fünfsternehotels mit 2500 Zimmern wählen. Mehr hochpreisige, internationale Hotelketten könnten den Kongressstandort voranbringen und den Ausbau neuer Flugverbindungen befördern. „Es wäre ein Gewinn für die Stadt, wenn sich für das in der ehemaligen Oberfinanzdirektion geplante Luxushotel ein Betreiber wie Mandarin Oriental oder Shangri-La interessieren würde“, sagte Albertsen.

Aber auch Boutiquehotels und andere individuelle Herbergen sind in der Stadt an der Elbe gefragt. Hamburg engagiert sich für mehr Hotels, denn sie bringen Kaufkraft in die Stadt, schließlich sind Übernachtungsgäste in Hamburg spendierfreudig: Sie geben pro Tag mehr als 200 Euro aus neben den Hotels für Eintritte oder Souvenirs.

Zwar stehen neue Hotelprojekte immer auch im Wettbewerb mit dem Ziel, mehr Wohnraum zu schaffen. Dennoch sind etliche weitere Projekte in der City und den Außenbezirken geplant. Bis zum kommenden Jahr entstehen mehr als ein Dutzend neue Hotels in Hamburg. Darunter die Luxusherberge von Klaus-Micheal Kühne an der Fontenay, das Westin in der Elbphilharmonie für anspruchsvolle Gäste, aber auch mehrere Budgethäuser und Hostels. Die Befürchtung, dass dar­unter die Preise in der Branche leiden, teilen die Verbände nicht. Bisher liegt die Auslastung in Hamburg bereits bei etwa 80 Prozent. Und noch mehr Touristen sollen mit neuen Angeboten gelockt werden: So will sich Hamburg stärker als Ziel für den Golf-, Gesundheits- und den barrierefreien Tourismus profilieren.