Frankfurt/Main

Maschinenbau spürt Russland-Krise

Exporte sinken im ersten Quartal um fast ein Drittel. EU-Sanktionen treffen die Deutschen hart

Frankfurt/Main. Der politische Streit mit der Europäischen Union (EU) und die Wirtschaftskrise in Russland hinterlassen immer tiefere Spuren im deutschen Maschinenbau. Die Russland-Exporte der Branche sanken im ersten Quartal 2015 um gut 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, teilte der Branchenverband VDMA am Montag in Frankfurt mit.

„Leider hat sich der Abwärtstrend bei den Maschinenbauexporten zu Beginn dieses Jahres noch beschleunigt“, sagte VDMA-Präsident Reinhold Festge. Denn schon 2014 schrumpften die Branchenausfuhren nach Russland um 17 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Damit ging der Industrie mit mehr als einer Million Beschäftigten im Vorjahresvergleich ein Geschäft im Volumen von 1,3 Milliarden Euro verloren. Das Minus dürfte im laufenden Jahr noch größer ausfallen. VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers fürchtet im Gesamtjahr einen Exporteinbruch von bis zu einem Drittel.

In der Rangliste der Abnehmer stürzt Russland von Platz vier auf zehn

In der Rangliste der wichtigsten Abnehmerländer fiel Russland inzwischen von Platz vier im Jahr 2013 auf Rang zehn zurück. Bei einer Umfrage des VDMA gaben 94 Prozent der Unternehmen an, von der Krise betroffen zu sein. Mehr als vier von fünf (83 Prozent) deutschen Maschinenbauern berichteten von sinkenden Auftragseingängen russischer Kunden. Festge machte die EU-Sanktionen mitverantwortlich für die Entwicklung: „Das Embargo trifft auf eine unterlegte Wirtschaftskrise. Die Sanktionen nutzen keinem.“

Insbesondere die Bankensanktionen treffen die russischen Kunden der deutschen Maschinenbauer, ergab die Umfrage. „Viele unserer Kunden sind im Moment nicht in der Lage, Importe aus Deutschland zu finanzieren“, sagte Festge. Wegen der Rubelschwäche und der Wirtschaftskrise fehle zudem das Geld, die hochwertigen deutschen Maschinen zu bezahlen. „Wir sind zu teuer geworden“, räumte Festge ein.

Auch insgesamt läuft es für die Maschinenbauer 2015 noch nicht rund. Im April gingen real zwei Prozent weniger Bestellungen ein als im Vorjahr, teilte der VDMA mit. Die Inlandsorder waren mit drei Prozent im Minus, die Aufträge aus dem Ausland verfehlten ihr Vorjahresniveau um zwei Prozent.