Brüssel

Roaming-Gebühren sollen bleiben

EU-Staaten wollen Aufschläge für Handynutzung im Ausland beibehalten. Verbraucherschützer empört

Brüssel.  Es ist eine schlechte Nachricht für Verbraucher: Handynutzer hätten sich eigentlich schon zum kommenden Jahresende auf eine Abschaffung der Extragebühren für Telefonate, Surfen und SMS im EU-Ausland freuen können. Doch daraus wird wohl nichts: Erstens wird die Zeit knapp. Zweitens gibt es unter den EU-Staaten nun einen Kompromissplan, die Gebühren auf niedrigem Niveau beizubehalten. Das geht aus einem öffentlich gewordenen Dokument des Rates hervor, über das am Freitag „Bild“ berichtete. Die EU-Länder müssen sich aber noch mit dem Europaparlament einig werden – und dort will man die Gebühren eigentlich streichen.

Dem Kompromisspapier der EU-Staaten zufolge sollen Bürger etwa bei Anrufen aus dem Ausland nur 50 Minuten lang zu Inlandskonditionen telefonieren können. Zudem sollen sie 50 SMS pro Jahr aus dem Ausland zu Inlandsbedingungen verschicken können, die mobile Internetnutzung ohne Aufschläge wäre nur bis zu 100 Megabyte im Jahr möglich. Ein EU-Diplomat bestätigte, dass die Zahlen dem derzeitigen Kompromiss unter den Staaten entsprechen.

Die Staaten hatten sich bereits Anfang März darauf verständigt, dass sie die Extragebühren für mobiles Telefonieren und Surfen im Ausland mit Einschränkungen vorerst weiter erlauben wollen. Verbraucherschützer fordern hingegen die Abschaffung der Gebühren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) reagierte empört: „Kommunikation ist nicht nur ein Urlaubsspaß, sondern innerhalb Europas für viele Menschen notwendiger Alltag“, sagte Vorstand Klaus Müller.

Seit einigen Jahren gibt es eine europäische Begrenzung der Roamingaufschläge. So dürfen Mobilfunkanbieter derzeit von Kunden im europäischen Ausland nicht mehr als 19 Cent pro Minute für abgehende Anrufe, fünf Cent für ankommende Anrufe, sechs Cent pro versendeter SMS und 20 Cent pro Megabyte Daten verlangen. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer.