Luftfahrt

Schlichtung: Lufthansa bleibt bis Ende Juli streikfrei

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Die Piloten der Lufthansa stimmen einem Schlichtungsverfahren zu. Diese sechs Streitpunkte müssen dabei nun gelöst werden.

Frankfurt/Hamburg.  Im härtesten Tarifkonflikt der Lufthansa-Geschichte steigen die Chancen auf eine Einigung. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat sich einen Schritt auf die Fluggesellschaft zubewegt: Nach zwölf Streikrunden nehmen die Piloten das Angebot der Fluggesellschaft für eine Gesamtschlichtung an.

„Nun muss zügig ein Schlichter gefunden werden, mit dem die Details und Inhalte der Schlichtung abgestimmt werden“, so Cockpit-Sprecher Markus Wahl. Bis Ende Juli will die Gewerkschaft mit Lufthansa Möglichkeiten zur Lösung der verschiedenen Konflikte ausloten. Die gute Nachricht für die Passagiere: Vom Beginn der Schlichtung bis Ende Juli verzichten die Piloten auf Streiks. Lufthansa begrüßte die Entscheidung. Man werde zeitnah auf die Gewerkschaft zugehen, um Details wie den genauen Zeitplan zu besprechen, so ein Firmensprecher.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte Cockpit die Gesamtschlichtung auf der Hauptversammlung Ende April angeboten. Seit April 2014 hatte es zwölf Streikrunden gegeben, die Deutschlands größte Fluggesellschaft nach Konzernangaben mehr als 300 Millionen Euro gekostet haben. Mit der Gewerkschaft seien sechs Tarifverträge offen – ein Überblick über die Streitpunkte mit den etwa 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings:
Übergangsversorgung: Umstritten ist weniger die Höhe der Zahlungen bis zur Rente als vielmehr die Frage, wann einzelne Piloten mit dem Fliegen aufhören dürfen. Lufthansa will das Durchschnittsalter, ab dem neue Vorruheständler Frührente beziehen können, von 58 auf 61 Jahre anheben.
Vergütung: Die Vereinigung Cockpit verlangt ein Plus von zehn Prozent.
Manteltarif: Hier geht es etwa um Bestimmungen zu Einsatzzeiten und Urlaubsansprüchen.
Altersversorgung: In diesem Tarifvertrag will Lufthansa eine grundlegende Umstellung der Betriebsrenten auf Festzuschüsse erreichen. Diese sollen anstelle der bislang gültigen Rentenzusagen treten, denn die belasten das Unternehmen angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus zunehmend.
Karriereplanung: Für beruflichen Aufstieg und Wechsel zu Konzerntöchtern gibt es einen eigenen Vertrag.
Arbeitnehmerrechte: Verhandelt werden soll auch über den Vertrag für die Rechte der Arbeitnehmervertretung.

Cockpit hatte seit Langem die Gesamtschlichtung gefordert, die der Konzern zuvor mit dem Argument abgelehnt hatte, man habe zu einzelnen Punkten noch gar nicht verhandelt. Hintergrund ist auch die umstrittene Einführung der neuen Billig-Plattform Eurowings, die von Cockpit kritisiert wird, aber als Firmenentscheidung nicht Gegenstand von Tarifverhandlungen sein kann. Laut Cockpit spielt die Verlagerung von Arbeitsplätzen zu Eurowings eine entscheidende Rolle bei der Gesamtbefriedung im Konzern. „Den von der Lufthansa vorgeschlagenen Weg, diese strittigen Themen mit Arbeitsgruppen außerhalb der Schlichtung anzugehen, sehen wir daher mit gewisser Skepsis“, sagte Sprecher Wahl.

Der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg hält eine Einigung in dem Konflikt für zwingend notwendig. „Es ist schwierig, aber man muss sich einigen, sonst ist die Zukunft der Lufthansa verbaut“, sagte Schellenberg dem Abendblatt. Die Regeln für die Luftfahrt würden nicht in Europa gemacht. „Wenn die Lufthansa-Gruppe mit allen Bereichen erfolgreich sein will, dann muss sie sich an die Veränderungen der Kunden und der anderen Fluggesellschaften anpassen.“

Daher sei es wichtig, in Europa die kurzen Strecken günstig anzubieten, und auf Langstrecken die Passagiere als Zubringer zu den Hubs (Knotenpunkten) zu transportieren. Nur so könnten im Wettbewerb mit den Billigairlines und den aggressiven Golfstaatenlinien die Kunden gebunden werden. „Auch für die Piloten muss das Wachstum der Airline wichtig sein“, sagte Schellenberg. „Es gibt keinen Zuschlag mehr für Luxus aus Deutschland.“