Insolvenzverfahren

Neue Perspektive für Prokon: Verkauf oder Genossenschaft

Werbe-Schilder an einer Filiale des Windanlagenfinanzierers Prokon in Hannover

Werbe-Schilder an einer Filiale des Windanlagenfinanzierers Prokon in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Gläubiger entscheiden, ob sie Prokon-Windparks als Genossenschaft fortführen oder das Vermögen an Energieversorger verkaufen wollen.

Hamburg.  Im Insolvenzverfahren der Windenergie-Firma Prokon müssen die Gläubiger bald Farbe bekennen: Wollen sie als Eigentümer die Prokon-Windparks im Rahmen einer Genossenschaft fortführen oder das Vermögen an den Energieversorger EnBW verkaufen? In beiden Fällen werde die Insolvenzquote zwischen 50 und 60 Prozent liegen, sagte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin in Hamburg. Anders gesagt: Fast die Hälfte des Geldes von mehr als 40.000 Anlegern ist verloren. Allein deren Kapital betrug 1,44 Milliarden Euro. Dazu kommen zahlreiche weitere Gläubiger wie Lieferanten, Beschäftigte und Sozialversicherungen.

Insgesamt fast 100.000 Gläubiger werden Anfang Juni von Penzlin Post bekommen: Zwei Insolvenz- und Sanierungspläne nebst Anlagen, dicke Pakete. „Wir wollen so das größtmögliche Maß an Transparenz herstellen und so den Anlegern eine fundierte Entscheidung ermöglichen“, sagte Penzlin. Er freue sich sehr, dass die Aktionäre eine Option hätten, was innerhalb eines Insolvenzverfahrens eher selten sei. Bis Ende Juni muss sich eine bestimmte Anzahl derjenigen Gläubiger, die Prokon mit Genussscheinen finanziert haben, zur Gründung einer Genossenschaft bereitfinden. Die endgültige Entscheidung, welchen Weg Prokon nehmen wird, trifft Anfang Juli die Gläubigerversammlung in Hamburg.

EnBW will mit der Übernahme der Prokon-Windparks seine Ziele bei der Energiewende schneller erreichen oder sogar übertreffen. Der Ausbau erneuerbarer Energien würde dadurch erheblich beschleunigt, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux. „Wir ziehen damit den Hochlauf unserer geplanten Investitionen deutlich nach vorne“, ergänzte Finanzvorstand Thomas Kusterer. Der Karlsruher Konzern und Prokon mit Sitz in Itzehoe hätten zusätzlich zu ihren schon gebauten Anlagen Windprojekte mit einer Leistung von zusammen rund 5000 Megawatt in der Pipeline, betonte Mastiaux. Möglichst viele davon sollten realisiert werden.

In erneuerbare Energien will EnBW bis 2020 rund 3,5 Milliarden Euro stecken und damit pro Jahr ein operatives Ergebnis von rund 700 Millionen Euro erwirtschaften – etwa dreimal soviel wie derzeit. Mastiaux warb intensiv für die rund 500 Millionen Euro teure Offerte an die Prokon-Gläubiger und Inhaber von Genussscheinen. Mit einem Kauf werde die Windenergie-Firma auf eine gesunde Kapitalbasis gestellt: „Wir haben den strategischen Willen und die Kapitalkraft“, sagte der EnBW-Chef. „Die Stärken der beiden Unternehmen ergänzen sich perfekt.“ EnBW betreibt an Land derzeit Windkraftanlagen mit einer Leistung von 200 Megawatt; Prokon besitzt Anlagen mit mehr als 500 Megawatt Leistung.