Tarifkonflikt

Deutsche Bahn hält Verhandlungen mit GDL für gescheitert

Bei den vergangenen Warnstreiks der GDL blieben auch in Hamburg die Bahnsteige meist leer

Bei den vergangenen Warnstreiks der GDL blieben auch in Hamburg die Bahnsteige meist leer

Foto: Bodo Marks / dpa

Laut "Bild am Sonntag" fordert der DB-Konzern im aktuellen Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL eine Schlichtung durch Dritte.

Berlin.  Die Deutsche Bahn hält die Verhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL endgültig für gescheitert und fordert einen Schlichter, um den Tarifkonflikt beizulegen. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber sagte der "Bild am Sonntag": „Die GDL setzt offenbar weiter auf Eskalation statt auf Einvernehmen. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir eine neutrale Instanz hinzuziehen müssen. Wir fordern die GDL zu einer Schlichtung auf, weil wir rasch Ergebnisse wollen.“ Die Bahn will so den von der GDL angekündigten „richtig langen“ Streik noch abwenden.

Zuletzt lehnte die GDL ein Angebot der Deutschen Bahn ab und drohte mit langen Streiks. Die Bahn hatte angeboten, die Löhne sollten vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent steigen. Dazu komme eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni. Die GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Den Knackpunkt in den Tarifverhandlungen sieht die GDL bei der Einstufung der Rangierlokführer im Tarifgefüge der Bahn.

Die Härte des Lokführerstreiks hängt nach Expertenmeinung mit dem geplanten Gesetz zur Tarifeinheit zusammen, das im Sommer in Kraft treten soll. „Die GDL versucht, vorher noch Pflöcke einzuschlagen“, sagte der Arbeitsrechtler Carsten Domke aus der Großkanzlei CMS Hasche Sigle, die üblicherweise Unternehmen in tarifrechtlichen Fragen berät.

Nach Einschätzung des Anwalts könnte die GDL durch das von der großen Koalition geplante Gesetz wirksam in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt werden, wenn in einem Betrieb nur noch die jeweils größte Gewerkschaft Tarifverträge abschließen darf. „Die Deutsche Bahn könnte sich voll auf das Gesetz berufen und einen Hebel erhalten, gegen die größten Auswüchse einer dauerhaften Tarifkonkurrenz vorzugehen.“

Ein permanenter Bieterwettstreit zwischen konkurrierenden Gewerkschaften - wie aktuell bei der Bahn zwischen der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) - würde eingeschränkt. Beide wollen zum Teil für dieselben Berufsgruppen verhandeln. Die Bahn will in getrennten Verhandlungen vergleichbare Ergebnisse erzielen.