Bremen/Hamburg

Ministerin gegen Missbrauch von Werkverträgen

Andrea Nahles sagt der IG Metall Unterstützung zu. Arbeitgeber befürchten eine zu starke Regulierung in der Branche

Bremen/Hamburg.  Das Beispiel ist drastisch: Mit dem Bau seines Großraumflugzeugs A380 beschloss Airbus, das Lager und die Teileversorgung für den Flieger an einen externen Dienstleister zu vergeben. Den Zuschlag bekam das Hamburger Logistikunternehmen Stute, eine Firmentochter von Kühne & Nagel. Obgleich das Gelände der heutigen Materialverwaltung in Hausbruch immer noch Airbus als einzigem Auftragnehmer gehört und obwohl die Beschäftigten vor Ort von Airbus-Mitarbeitern angelernt wurden, sind sie deutlich schlechter gestellt als zuvor. Als sie noch direkt für Airbus als Leiharbeiter beschäftigt waren, sollen sie rund 1000 Euro brutto mehr verdient, nur 35 statt 40 Wochenstunden gearbeitet und fünf Tage mehr Urlaub bekommen haben. Das zumindest behauptet die IG Metall.

Und nach Angaben der Gewerkschaft ist das kein Sonderfall, sondern Teil eines tiefgreifenden Wandels in der Metall- und Elektrobranche, vor allem auf Werften sowie in der Luftfahrtindustrie: Die Zahl der Stammbeschäftigten nimmt ab, die der Leiharbeiter und Werkverträge steigt. In Bremen hat nun Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) mit Betriebsräten auf einer Tagung der IG Metall über den Umgang mit Werkverträgen diskutiert.

Dabei kündigte Nahles an, die Regierung werde dem Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit „einen Riegel vorschieben“. Hintergrund der Debatte ist ein Brand in einer Unterkunft in Papenburg im Juli 2013, bei dem zwei rumänische Arbeiter eines Werkvertragsunternehmens der Meyer Werft ums Leben kamen. „Leiharbeit und Werkverträge sind legitime Instrumente der arbeitsteiligen Produktion in unserem Land“, sagte die Bundesministerin. „Missbrauch haben wir dann, wenn es nicht mehr um die Abfederung von Auftragsspitzen geht oder um effizientere Prozesse, sondern um den Abbau von Stammarbeitsplätzen und Druck auf Löhne und Arbeitsbedingungen.“ Der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, rief deshalb die Arbeitgeber zu einem „fairen Umgang“ mit Werkverträgen auf. Werkverträge würden in den Kernbereich der industriellen Wertschöpfung eindringen und die Zukunftsfähigkeit der Betriebe gefährden. „Die Beschäftigtenstruktur in den Betrieben verändert sich dramatisch“, sagte er.

Von einer dramatischen Veränderung könne keine Rede sein, meint dagegen der Arbeitgeberverband Nordmetall. Einer Umfrage unter den Metallbetrieben zufolge kommen 54 Prozent der befragten Firmen ganz ohne Werkverträge aus. Insgesamt werde geschätzt, dass auf 100 Stammbeschäftigte nur sieben weitere Arbeitnehmer entfielen, die im Rahmen von Werkverträgen tätig sind. „Dies zeigt, dass sich Werkverträge nicht zur Dramatisierung eignen“, sagte Nordmetall-Geschäftsführer Nico Fickinger. Wer Werkverträge zu stark reguliere, würge wirtschaftliche Erfolge ab.