„Baugeld wird noch günstiger“

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Steffen Preißler

Chef der PSD Bank Nord blickt auf erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Filiale in Wandsbek wird erweitert

Hamburg. Seit Jahren konzentriert sich Dieter Jurgeit auf die Baufinanzierung. „Zwei Drittel der Kunden, die zu uns kommen, wollen eine Baufinanzierung, und kaum einer geht wieder ohne einen Abschluss“, sagt der Vorstandsvorsitzende der PSD Bank Nord. Im Jahr 2014 stieg das Geschäft mit Baukrediten um elf Prozent auf 205 Millionen Jahr. „Angesichts der zunehmenden Konkurrenz ist das ein sehr gutes Ergebnis“, sagt Jurgeit. Die Genossenschaftsbank versteht sich als der Baufinanzierer des Nordens. Das soll sich in einer komplett neu gestalteten und deutlich vergrößerten Filiale in Wandsbek zeigen. „Hier wird im Dezember in einem futuristischen Anbau das Baufinanzierungszentrum seine Pforten öffnen“, kündigt Jurgeit an. Im März beginnen die Bauarbeiten. Insgesamt werden vier Millionen Euro in den Umbau investiert. Der Filialbetrieb wird während der Bauarbeiten in einen Container und in den ersten Stock des Bankgebäudes ausgelagert.

Zwar orientieren sich die Immobilienkäufer für die Finanzierung gern im Internet, doch für den Abschluss bevorzugen sie einen persönlichen Ansprechpartner. „Denn eine Baufinanzierung ist beratungsintensiv, insbesondere wenn Fördermittel der KfW-Bank mit eingebunden werden sollen“, sagt Jurgeit. „Einen solchen Abschluss wollen die wenigsten Menschen am Computer machen.“ Zwar wird im neuen von 200 auf 400 Quadratmeter vergrößerten Baufinanzierungszentrum auch mit Tablets und Bildschirmen gearbeitet, um Finanzierungsverläufe darzustellen, aber im Vordergrund steht die Beratung von Mensch zu Mensch. Die Kunden werden in offenen Büros beraten. Die Wartezone wird in Anlehnung an ein Holzhaus gestaltet.

In Bremen wurde das Konzept in einer neu angemieteten Filiale schon umgesetzt. Auch in den Filialen in Lübeck und Schwerin soll das neue Konzept in einer etwas kleineren Variante umgesetzt werden. „Angesichts der niedrigen Zinsen können die Banken nur mit zwei Geschäftsfeldern noch Geld verdienen: Baufinanzierungen und Ratenkredite“, sagt Jurgeit. Trotz der niedrigen Zinsen ist die Marge für Jurgeit noch mehr als auskömmlich. Dazu wurde die Kreditbearbeitung – vom Antrag über den Vertrag bis zur Erstellung von Kreditkonten komplett automatisiert. Nur in wenigen Fällen muss noch ein Mitarbeiter eingreifen. „Es reicht nicht, unter den fünf günstigsten Anbietern zu sein“, sagt Jurgeit. „Ebenso wichtig ist eine schnelle Entscheidung über den Kreditantrag.“ Mit neuen flexibleren Baufinanzierungsprodukten will die PSD Bank Nord in diesem Jahr punkten. Einzelheiten nennt Jurgeit noch nicht. Insgesamt soll das Baufinanzierungsneugeschäft in diesem Jahr um 15 Prozent wachsen. Die Refinanzierung erfolgt fast ausschließlich über Kundengelder und macht die Bank unabhängig von Kapitalmarktentwicklungen.

Der Bankchef erwartet noch für vier bis fünf Jahre ein Niedrigzinsumfeld. Bei einem Darlehen, das innerhalb von zehn Jahren getilgt wird, können die Zinsen unter die Marke von einem Prozent rutschen, erwartet Jurgeit. Solche sogenannten Volltilgerdarlehen sind allerdings nicht die Regel, da sie hohe Tilgungsraten erfordern. Am stärksten nachgefragt werden zehnjährige Zinsbindungsfristen. Die Konditionen dafür liegen bei 1,2 Prozent, wenn 60 Prozent des Immobilienwertes beliehen werden. Auch bei solchen normalen Krediten können die Zinsen noch sinken, aber kaum unter ein Prozent, erwartet Jurgeit.

Ungeachtet der niedrigen Zinsen erhöhten die Kunden 2014 ihre Spareinlagen um fünf Prozent auf 554,2 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg aber auch das Interesse an Investmentfonds. Vertrieben werden die Produkte von Union Investment. Der Absatz stieg um 41 Prozent auf 23 Millionen Euro. Die Bank setzte viele kleine Sparmaßnahmen um, ohne Personal abzubauen. „Der Aufwand für die Regulierung steigt immer mehr, und gleichzeitig lässt sich mit angelegtem Geld kaum noch etwas verdienen“, sagt Jurgeit. Um die Anforderungen des Regulierungswerks Basel III zu erfüllen, muss die Bank bis 2019 jährlich mit fünf Millionen Euro das Eigenkapital aufstocken. Angesichts des guten Ergebnisses kann das Eigenkapital in diesem Jahr mit 7,3 Millionen Euro gestärkt werden. Das Betriebsergebnis stieg 2014 um 32 Prozent auf zwölf Millionen Euro. Die Genossenschaftsmitglieder bekommen unverändert eine Dividende von 3,2 Prozent.

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