„Erst ein Cabrio, dann ein SUV“

Foto: Bertold Fabricius

Unternehmer Andreas Maske will die Autovermietung revolutionieren – nicht nur in Deutschland.

Hamburg/Bockel. Mit dem VW Bulli hat alles begonnen. Der Klassiker aus den 50er-Jahren, Symbol der Freiheit, des Wirtschaftswunders, später der automobil gewordene Aussteigertraum aller Surfer, er steht auf dem Gelände der Firma Maske etwas verloren zwischen Fahrzeugen, die weitaus weniger Geschichten zu erzählen haben. Zwischen Familienkutschen von Ford oder Opel und Transportern. „Das ist mein Gründungsbulli“, sagt Andreas Maske und streicht dem Oldtimer liebevoll über den Lack. Der Bulli war das erste Auto, das die Familie Maske vor 50 Jahren vermietete. Inzwischen ist der Betrieb mit Sitz in Breddorf (Landkreis Rotenburg (Wümme)) und Hamburg zu einer der größten Fahrzeugvermietungen des Landes mit 7000 eigenen Pkw und Transportern gewachsen.

Andreas Maske, Sohn des Gründers Eckhard Maske, ist heute nicht nur Inhaber der Firma mit mehr als 100 Mitarbeitern, sondern auch ein Unternehmeroriginal. Er stiftete den XXL-Fuß von Uwe Seeler am HSV-Stadion, arrangierte zur Auszeichnung verdienter Sportler und Förderer einen Walk of Fame des Clubs und ist Honorargeneralkonsul von Paraguay. In seinem Konsulbüro hängen Bilder, die ihn gemeinsam mit Marineoffizieren des südamerikanischen Binnenlandes zeigen. Er spinnt hier nicht nur geschäftliche Netzwerke, sondern unterstützt das Land auch karitativ, etwa mit Medizintechnik.

So rührig der 55-Jährige in seinen außerberuflichen Aktivitäten ist, so kreativ mischt er immer wieder sein eigenes Gewerbe auf. Sein Vater legte den Grundstein für eine der ältesten Autovermietungen. Andreas Maske führte nach einem Aufenthalt in den USA als einer der Pioniere in den 80ern in Deutschland das Leasing ein. Und jetzt will er das Mieten für Privatkunden – auch für mehrere Monate oder Jahre – so einfach machen wie eine Onlinebestellung bei Amazon. „Ich habe eine Woche Auszeit genommen und die Idee entwickelt“, sagt Maske über den neuen Kurs, den sein Unternehmen in Zeiten der Sharing Economy einschlagen soll. „Ein Auto zu mieten muss so unkompliziert sein, wie ein Buch im Internet zu kaufen“, ist der Manager überzeugt.

Für den neuen Weg der Firma investiert Maske kräftig. Zum einen in den Internetauftritt unter www.maske. de, der dieses Prozedere in der virtuellen Welt sicherstellen soll. Hier reichen bald wenige Klicks, um sich ein Auto auszusuchen, die Verfügbarkeit zu prüfen und den persönlichen Preis zu bestimmen. Zum anderen investiert Maske in der Realität: Direkt an der Autobahn A1 in Bockel hat der Vater von zwei Kindern ein 22.000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft. An dem logistisch günstig gelegenen Standort errichtet er neben dem Parkraum für die Wagen ein dreigeschossiges Bürogebäude, Waschanlagen und Tankstellen. Kostenpunkt: sieben Millionen Euro.

Als besonderen Anreiz für die Kunden und um gegen die Mobilitätsangebote der Hersteller wie VW oder Ford konkurrieren zu können, bot Maske von Anfang an Modelle zahlreicher Fabrikate an. „Unser erster großer Kunde war die HHLA“, erinnert sich Maske. Gleich 200 Fahrzeuge habe die Hamburger Hafengesellschaft geleast. „Die Autos mussten auf dem Gelände zwischen Eisenbahnwaggons hindurchfahren, und in die Lücke passte damals nur ein Toyota“, sagt Maske lachend, „dann haben wir eben auch Asiaten angeboten“.

Heute hat Maske nach eigenen Angaben alle gängigen Modelle im Angebot und will damit die Mobilität für die automüde Gesellschaft wieder attraktiver gestalten. „Im Sommer miete ich mir ein Cabrio, im Winter ein SUV“, sagt der Nienstedtener. In dieser Flexibilität sieht er den Vorteil gegenüber dem Leasing. Derzeit sei der Audi A4 das gefragteste Modell. Das Auto kostet als Diesel mit 150 PS bei einer Fahrleistung von 2000 Kilometern im Monat 827 Euro netto, inklusive aller Nebenkosten wie Versicherung. „Ich muss dann nur noch tanken“, wirbt Maske für seine Dienstleistung. Auf Wunsch werde das Fahrzeug vor die Haustür geliefert. Eigene Mietshops wie Sixt oder Europcar leistet sich Maske nicht, stattdessen unterhält er eine Flotte von Autotransportern für die Auslieferung. Zu den Kunden gehören nach wie vor Firmen wie die HHLA oder Haribo, aber auch immer mehr Familien, bei denen das Auto mitwachsen soll, oder Berufstätige in der Probezeit, die noch auf den eigenen Dienstwagen warten.

Nicht nur in Deutschland will Maske sein Konzept unter dem Motto „Einfach fahren“ ausbauen. Er expandiert in Österreich, Polen und der Schweiz. Im nächsten Jahr soll der Umsatz des Betriebs auch im Zuge dieser Internationalisierung von derzeit 65 Millionen Euro noch einmal um gut zehn Prozent steigen, obwohl der Automarkt derzeit schwächelt, durch die Ukraine-Krise Russland als verlässlicher Abnehmer für Gebrauchtwagen fehlt und Vermietmodelle wie Car2go eine Herausforderung für sein kapitalintensives Geschäft sind. „Ab einer Flotte von 300 Fahrzeugen lohnt sich das Geschäft“, rechnet Maske vor. Er kauft alle Autos selber ein und gibt sie nach drei Jahren ab – mit Ausnahme des Bullis, der noch für manche Urlaubsfahrt herhalten muss.