Deutsche Industrie zählt zu den Gewinnern der Globalisierung

Studie: Wertschöpfung seit 1995 um gut 37 Prozent gestiegen

Düsseldorf. Wegen ihrer engen internationalen Verflechtung zählt die deutsche Industrie zu den Gewinnern der Globalisierung: Ihre Wertschöpfung stieg zwischen 1995 und 2012 um 37 Prozent, wie aus einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hervorgeht. Durch Produktionsverlagerungen ins Ausland oder den Einkauf günstiger ausländischer Vorprodukte seien deutsche Unternehmen wettbewerbsfähig.

Die Globalisierung hat in den vergangenen 20 Jahren die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse verschoben: Während die Industrieländer 1995 noch über 80 Prozent an der weltweiten industriellen Wertschöpfung hielten, waren es 2011 nur noch gut 60 Prozent. Der Anteil Deutschlands schrumpfte von 9,2 auf 6,3 Prozent. Dagegen habe vor allem China zugelegt, auf einen Anteil von 24,4 Prozent. Die Volksrepublik lasse damit die USA mit einem Anteil von knapp 20 Prozent hinter sich.

Trotz des geschrumpften Anteils an der weltweiten Wertschöpfung hat sich die deutsche Industrie der IW-Untersuchung zufolge bei der globalen Kräfteverschiebung behauptet. Frankreich konnte zwischen 1995 und 2012 dagegen seine Wertschöpfung nur um rund drei Prozent, Großbritannien um neun Prozent steigern. Japan verzeichne sogar ein Minus von sieben Prozent.

Trotz neuer wirtschaftlicher Kraftzentren sei Deutschland ein „Globalisierungsgewinner“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. „Um auch in Zukunft vorne mitspielen zu können, müssen wir die Zeichen der Zeit erkennen“, schrieb er mit dem Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung Stefan Mair im Vorwort der Studie. „Es gilt daher, die Standortqualität in Deutschland zu verbessern und die Internationalisierung der deutschen Industrie zu stärken.“

Die deutsche Industrie profitiert besonders von ihrer Verzahnung im europäischen Produktionsnetzwerk: Hier stehe Deutschland im „Zentrum“, heißt es in der Studie. Weil immer mehr Zulieferungen aus dem Ausland kommen, sei der Anteil der in den Exporten enthaltenen ausländischen Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes zwar auf rund 30 Prozent gestiegen. Deutschland sei aber keine „Basar-Ökonomie“, da auch über Exporte Wertschöpfung erfolge. Die Ausfuhren trugen im Jahr 2000 knapp 18 Prozent zur Wertschöpfung bei, 2011 waren es 21,8 Prozent.

Zahlreiche Unternehmen verlagerten ihre Produktion ins Ausland. Ein Grund dafür seien die Kosten. Bei den Kosten stehe Deutschland bei der Untersuchung von 50 Ländern auf Platz 44. Da Europa von der Globalisierung profitiert habe, müsse eine weitere Öffnung der Märkte wie mit dem Freihandelsabkommen zwischen EU und USA (TTIP) vorangetrieben werden, empfehlen die Autoren der Studie .