„Hamburgs Hafen ist zu teuer!“

Reeder schlagen Alarm: Nur in der Hansestadt wird doppeltes Hafengeld erhoben. Konkurrenzfähigkeit in Gefahr

Hamburg. Im harten Wettbewerb mit anderen europäischen Häfen gerät Hamburg offenbar ins Hintertreffen: Namhafte internationale Reedereien sowie Schiffsmakler beklagen, dass die Konkurrenzfähigkeit des Hafens unter den hohen Anlaufkosten leidet. „Hamburg ist einfach zu teuer im Vergleich zu Rotterdam und Antwerpen“, sagt der Geschäftsführer der Reederei Hamburg Süd, Ottmar Gast, im Interview mit dem Abendblatt. Der Hamburger Hafen habe Probleme beim Verkehrszu- und -abfluss, die man hoffentlich bald in den Griff bekomme. Aber die Elbvertiefung lasse sich nun leider nicht so schnell realisieren wie erhofft. Das führe dazu, dass die Reedereien immer häufiger ihre Großschiffe an Hamburg vorbeileiten. „Umso unverständlicher ist es, dass die Preise im Hamburger Hafen für den Umschlag so hoch sind“, kritisiert Gast.

Ähnlich sieht es der Deutschland-Chef der Reederei China Shipping, Niels Harnack: „Die Umschlaggebühren sind in Hamburg höher als in Rotterdam und Antwerpen“, sagt er. Harnack beklagt vor allem, dass in Hamburg neben den Umschlaggebühren und den Anlaufkosten für Lotsen und Schlepper ein doppeltes Hafengeld erhoben wird: einmal von der Hamburg Port Authority (HPA), die für den Erhalt der Kaikanten aufkommen muss, und zum zweiten von den Umschlagbetrieben. „Das gibt es sonst nirgendwo, und die Terminals verdienen beträchtlich daran“, sagt Harnack. „Hamburg könnte attraktiver sein, wenn diese Zweiteilung der Hafenabgaben aufhört.“ Dass neben dem öffentlichen Hafengeld auch noch Kaitarife anfallen, die an die Terminals zu zahlen sind, sei ein ständiger Kritikpunkt der Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten, sagt deren Geschäftsführer Alexander Geisler: „Schon im Zuge des letzten Hafenentwicklungsplans haben wir darauf hingewiesen, dass der Hafen sich nicht nur auf die Bereiche Qualität und Zuverlässigkeit konzentrieren darf, sondern auch den Ehrgeiz haben muss, gegenüber den Wettbewerbern der Kostenführer zu sein. Das ist er derzeit nicht“, so Geisler. „Die deutschen Seehäfen haben im internationalen Vergleich an Wettbewerbsfähigkeit verloren“, sagt zudem der Deutschland-Chef der weltgrößten Reederei Mærsk, Jens-Ole Krenzien. „Das betrifft auch Hamburg.“

Die Hafenwirtschaft sieht das anders: „Die Umschlagentgelte machen nur einen kleinen Teil der gesamten Anlaufkosten aus“, sagt Norman Zurke, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Hafen Hamburg. Die zusätzlichen Kaigebühren würden erhoben, weil Hamburg der einzige europäische Hafen sei, in dem die Kosten für die Kaimauer durch die Terminals refinanziert würden. „Die Terminals zahlen für die Nutzung der Kaimauer eine gesonderte Miete an die HPA“, so Zurke.

Als weiteres Problem für Hamburgs Attraktivität sieht Reedereichef Gast die geringe Höhe der Köhlbrandbrücke: „Reedereien lassen bereits Schiffe bauen, deren Aufbauten zu hoch für die Durchfahrt sind.“