Feuerwerk zum Heiratsantrag

Das Hamburger Unternehmen Sternengalerie liefert und zündet Raketen für private Feiern

Hamburg. Was für ein Aufwand für ein einziges kleines Wort. Ein Paar spaziert über Wiesen und Deiche in Allermöhe. Die Sonne ist schon untergegangen, in der Ferne ist das Schnattern der Enten zu hören. Die beiden kommen an einen See, der Mann kniet nieder und spricht den Satz, auf den sie so lange gewartet hat: „Willst du mich heiraten?“. Dann – sie hat gerade „Ja“ gesagt und spitzt die Lippen zum Kuss – erstrahlt plötzlich der Himmel in gleißendem Licht. Raketen schießen in die Höhe – ein Feuerwerk, nur für das verliebte Paar.

Szenenwechsel. Ein paar Kilometer entfernt sitzen drei junge Männer in ihrem Büro mit Blick über die Dächer der Hamburger Altstadt. Ihre Geschäftsidee: Feuerwerk für Privatleute so unkompliziert anzubieten wie eine Bestellung beim Pizzaservice. Online, mit einem Klick auf der Homepage ihrer Firma Sternengalerie. Für Preise ab etwa 1000 Euro.

„Es geht darum, Momente unvergesslich zu machen“, sagt Robert Wittke, 29. Das Feuerwerk für das verliebte Paar war einer der bislang mehr als 130 Aufträge, die Wittke gemeinsam mit seinen Partnern und alten Schulfreunden Simon Hahnkamm, 27, und Clemens Kemper, 28, in den vergangenen Monaten schon abgewickelt hat. Neben dem kleinen Himmelsspektakel hat die vor einem Jahr gegründete Firma aber auch schon große Events veranstaltet: Mit leuchtenden Herzen und Smileys inszenierte die Sternengalerie im Sommer ein Hochzeitsfeuerwerk im Hamburger Hafen, das sich das Paar 8500 Euro hat kosten lassen. Ein Abiball auf der Trabrennbahn Bahrenfeld wurde überstrahlt von einem Lichterbild „Abi 2014“, welches gemeinsam mit dem Song „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Bourani startete: Eine Installation im Wert von 12.500 Euro. Zudem hat die Sternengalerie Firmenpartnerschaften mit dem Süllberg und dem Steigenberger Hotel geschlossen.

Im kommenden Frühjahr soll nun die nächste Stufe der Firma gezündet werden. Mit einem Onlineshop will die Sternengalerie die Branche in das digitale Zeitalter führen. „Wir planen ein Rundum-sorglos-Paket“, sagt Simon Hahnkamm, ein Angebot, das zunächst in etlichen Großstädten und später auch in weiteren europäischen Ländern verfügbar sein soll. Das Feuerwerk kann dabei an die jeweilige Adresse geliefert werden. Bei Bedarf kommen Pyrotechniker vorbei, die für die Sternengalerie arbeiten. „Wenn ein Feuerwerk auf diese Weise einfacher buchbar ist, ergeben sich auch mehr Anlässe“, davon ist Robert Wittke überzeugt. Genehmigungen holt die Firma mindestens zwei Wochen zuvor beim Ordnungsamt, eventuell bei der Luftsicherheit, bei Nachbarn und bei Naturschützern ein.

Der Markt ist bisher relativ überschaubar. Die Anbieter von Silvesterfeuerwerk erzielen in Deutschland einen stabilen Umsatz von 115 Millionen Euro im Jahr. Rund 20 bis 25 Millionen Euro kommen für Profifeuerwerk zu besonderen Anlässen hinzu. Doch die Hamburger wollen die Zahl der Events ausweiten: Vom Valentins- über den Muttertag bis zu Geburtstagen seien private Gelegenheiten für die Show am Himmel denkbar. „In den USA wird sogar Feuerwerk zu Ehescheidungen gezündet, das entspricht aber nicht unseren Werten“, sagt Clemens Kemper lachend. Bei Firmen könnten Promotions, Roadshows oder Messen mit einem Feuerwerk geadelt werden.

Im laufenden Jahr erzielt die Sternengalerie einen Umsatz von 160.000 Euro, der weiter steigen soll: Für 2015 erwartet die Firma mit Vertriebs-Standorten in Berlin, Bremen und Hannover Erlöse von 500.000 Euro. Die Gründer sehen sich als Pioniere in einem Markt, der nach ihren Angaben bisher von wenigen Pyrotechnikern oder Herstellern wie weco oder nico dominiert wird, wobei die Fabriken Privatkunden nur als kleines Nebengeschäft betrachten. „Wir wollen erstmals eine richtige Marke in der Branche aufbauen“, so Simon Hahnkamm.

Die Gründer verfolgen ihr Ziel mit einem harten Arbeitseinsatz. Anfangs – und diese ersten Gehversuche lagen schon in der Schulzeit – experimentierten sie mit Feuerwerk und bauten eigene Böllerbatterien aus allen Produkten, die sie bekommen konnten. Heute besuchen die Unternehmer Hochzeitsmessen, verbringen die Wochenenden auf Events – und sie wohnen sogar zusammen. In ihrer WG in Winterhude geht es schon am Frühstückstisch um Feuerwerke – allerdings kommt das Feiern auch nicht zu kurz. „Wir haben uns gemeinsam selbstständig gemacht, um mehr Zeit miteinander verbringen zu können“, verrät Robert Wittke einen der Gründe für ihre Gründung.

Nach dem Abitur am Sachsenwaldgymnasium hatten sich die Wege der Freunde getrennt. Wittke studierte Wirtschaftsingenieur in Aachen, Kemper zog es nach Berlin in die Filmbranche, und Hahnkamm spezialisierte sich auf Wirtschaft. Heute führen die jungen Männer nicht nur ein gemeinsames Unternehmen, ihre Freundschaft ist enger als jemals zuvor, sagt Robert Wittke: „Wir teilen beruflich und privat praktisch alles, sogar unser Geld.“