Inflation so niedrig wie zuletzt 2010 – Konsumstimmung steigt

Wiesbaden/Nürnberg. Der sinkende Ölpreis lässt die Inflation in Deutschland purzeln. Die Verbraucherpreise stiegen im November durchschnittlich nur noch um 0,6 Prozent zum Vorjahr, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Das ist der niedrigste Wert seit Februar 2010. Im Oktober lag die Teuerungsrate noch bei 0,8 Prozent. Beim Tanken und Heizen müssen die Verbraucher nun nicht mehr so stark in die Tasche greifen wie im Vorjahr: Die Energiekosten sanken um 2,5 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich um 1,4 Prozent, die Preise für Nahrungsmittel stagnierten.

Die niedrigen Preise beflügeln die Kauflaune der Deutschen. Das Konsumklima habe sich im November leicht verbessert, teilte das Marktforschungsunternehmen GfK mit. Der Konsumklimaindex wird berechnet aus der Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie der Anschaffungsneigung. Er lag im November bei 8,5 Punkten. Für Dezember prognostizierten die Konsumforscher 8,7 Punkte. Im Oktober hatte sich der Index erstmals wieder stabilisiert, nachdem er in den Monaten zuvor eingebrochen war. Gründe sind der nach wie vor stabile Arbeitsmarkt und mehr und mehr auch die günstigen Preise für Benzin und Heizöl. Das Konsumklima erweise sich weiter „als Fels in der Brandung eines schwächelnden konjunkturellen Umfelds“, so die GfK. Zwar bewerteten die Verbraucher aufgrund der internationalen Krisenherde in der Ukraine, in Syrien und dem Irak die Konjunkturaussichten schlechter als im Vormonat, doch ihre Einkommensaussichten sähen sie positiv. Grund sei die „überaus gute Beschäftigungslage“ auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem wirke sich der fallende Rohölpreis positiv auf die Geldbeutel der Verbraucher aus.

Während die Verbraucher die niedrigen Preise freuen, bereiten sie der Europäischen Zentralbank (EZB) Probleme. Sie strebt eine Inflationsrate im Euro-Raum von knapp zwei Prozent an. Die Daten aus Deutschland sind daher ein Grund zur Sorge, zumal sie die Inflationsrate in der Euro-Zone weiter nach unten ziehen dürften. Experten erwarten, dass die Preise im Euro-Raum im November nur noch um 0,3 Prozent gestiegen sind. Die am heutigen Freitag anstehenden Daten dürften daher ein Alarmsignal für die Hüter der Preisstabilität bedeuten, die sich nächste Woche zu ihrer Zinssitzung in Frankfurt treffen.