Hamburg

Datenspezialist Dakosy ist das Gehirn des Hamburger Hafens

| Lesedauer: 8 Minuten
Olaf Preuß

Datenspezialist Dakosy vernetzt rund 2000 Unternehmen miteinander und sorgt für einen schnellen Warentransport. 21 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete Dakosy im vergangenen Jahr.

Hamburg. Dakosy sitzt zentral und nah am Wasser. Der Ort für das Unternehmen könnte auch in Indien sein oder in Französisch-Guayana. Schließlich ist es heutzutage fast egal, wo ein Betreiber von Rechenzentren seine Dienstleistungen organisiert. Dakosy allerdings ist nicht nur mit Computersystemen und IT-Plattformen eng in der Hansestadt vernetzt, sondern, ganz altmodisch: auch durch Menschen.

Rund 160 der insgesamt 220 Angestellten arbeiten in der Mattentwiete zwischen Nikolaifleet und Binnenhafen. Auch der Unternehmensverband Hafen Hamburg (UVHH) hat seine Zentrale im Hafenhaus in einem der ältesten Teile der Stadt.

Die Beschäftigten von Dakosy mögen das Bild vom „Gehirn des Hafens“, aber sie halten sich hanseatisch damit zurück, es zu benutzen. Im komplexen Gefüge der stolzen Hamburger Hafenwirtschaft weckt man mit solchen Vergleichen schnell Neid. „Dakosy ist eine privatwirtschaftliche Selbstorganisation des Hafens“, formuliert es Kovorstand Dieter Spark, 56, deshalb in einem der Konferenzräume etwas technokratischer.

„Das ist an sich schon ungewöhnlich – in den meisten anderen Häfen wird ein so umfassendes Netzwerk aus Informationssystemen zumindest teilstaatlich organisiert, wenn nicht ganz in öffentlicher Hand.“

Dakosy kennt den Inhalt jeder einzelnen Transportbox

Im Jahr 1983 nahm die Datenkommunikationssystem AG, so die Langfassung des Namens, ihre Arbeit auf. Der Containerverkehr verdrängte zu jener Zeit endgültig das Stückgutschiff. Zugleich wanderte die Datenverarbeitung vom Papier in den Computer. Dakosy ist seither die Schnittstelle der wichtigsten Akteure im Hafen. Teilhaber des Unternehmens sind zu je einem Drittel Interessengemeinschaften von Reedereien und Linienagenten, von Spediteuren wie Kühne + Nagel, DB Schenker oder Dachser und von Terminalbetreibern wie HHLA und Eurogate. „Die Daten des gesamten Im- und Exportverkehrs im Hafen laufen über unsere Rechnersysteme und Datenplattformen“, sagt Kovorstand Ulrich Wrage, 47.

Dakosy vernetzt rund 2000 Teilnehmer des Hamburger Hafenverkehrs: Spediteure, Reedereien, Linienagenten, Behörden und öffentliche Institutionen wie Zoll, Wasserschutzpolizei, Feuerwehr, aber auch Handelskonzerne, Markenartikler oder Industrieunternehmen. Entscheidend beim Im- und Export der Waren ist dabei der lückenlose Datenfluss: Wo und mit welchem Status steht ein Gut, welcher Schritt bei Im- und Export folgt als Nächster, wie können die Güter möglichst effizient weiter nach Deutschland oder ins Ausland gebracht werden?

Die Plattformen IMP für den Import und EMP für den Export verbinden alle nötigen Daten, vom Inhalt eines Containers über den Zollstatus bis zum gesamten Transportweg. Die Lademanifeste, früher dicke Papierkonvolute, sind heutzutage Computerdateien. Alle Beteiligten stellen ihre jeweiligen Daten in das Gesamtsystem ein oder beobachten die für sie relevanten Entwicklungen. „Wir vernetzen über unsere Plattformen auch Teilnehmer miteinander, die untereinander gar nicht in einer direkten Geschäftsbeziehung stehen“, sagt Wrage.

Gefahrgüter werden nach außen hin sichtbar deklariert

Als Dakosy seine Arbeit aufnahm, wurden jährlich eine Million Containereinheiten (TEU) durch den Hamburger Hafen transportiert, mittlerweile sind es fast zehn Millionen TEU. Die meisten Akteure der globalen Transportkette wissen nicht, was in den Containern transportiert wird. Nur Gefahrgüter wie Chemikalien werden auch nach außen hin sichtbar deklariert.

Dakosy hingegen kennt den Inhalt jeder einzelnen Transportbox wie auch alle anderen Details einer Container-Reise über See und Land. Anders wäre die riesige Menge an Gütern mit den immer weiter wachsenden Anforderungen an die Geschwindigkeit, aber auch an die Zolltransparenz und an die Transportsicherheit nicht zu bewältigen. „Hamburg ist ein Innenstadthafen mit allen Vor- und Nachteilen“, sagt Spark. „Zu den Nachteilen zählt, dass der Platz im Hafen sehr begrenzt ist. Deshalb kommt es extrem darauf an, den Transportfluss schnell und effizient zu organisieren.“

Dakosy trägt viel dazu bei, Hamburgs Position als einer der modernsten um am besten vernetzten Häfen der Welt zu sichern. Wie kaum ein anderes Unternehmen zeigt es zudem, dass die Hansestadt nicht nur im Außenhandel, sondern auch bei der Entwicklung von Software und Datenverarbeitung ein Standort von Rang ist. Beim Transport innerhalb des Hafens knüpfen die Informationsangebote von Dakosy nahtlos an die Leitsysteme der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) für den Straßenverkehr und für die Hafenbahn an. Auch zur Seeseite hin baut Hamburg seine Datenbanken aus.

Der Hafen ist auf innovative IT-Technologien angewiesen

Im Frühjahr wurde das neue Port River Information System (PRISE) von Dakosy offiziell in Betrieb genommen, das die HHLA und Eurogate initiiert und finanziert haben. Alle Beteiligten für die Schiffsbewegungen von und nach Hamburg über die Unterelbe schaffen damit gemeinsam ein neues Forum: Reeder und Lotsen wie auch die beteiligten Logistiker, Dienstleister und Behörden. „Der Hamburger Hafen ist auf innovative IT-Technologien wie PRISE angewiesen, wenn er seine Wettbewerbsposition als Welthafen halten und ausbauen will“, sagt Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). „PRISE verbessert den Verkehrsfluss im Hafen und auf der Elbe.“

Der Wirtschaftsingenieur Spark und der gelernte Speditionskaufmann Wrage kamen im Jahr 2002 als Vorstände zu Dakosy. Spark hatte das Unternehmen schon während seines Studiums im Jahr 1983 kennengelernt. Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern bauten die Manager das Geschäft von Dakosy stetig weiter aus, unter anderem mit einer Vielzahl von Softwarelösungen für die Zoll- oder die Gefahrgutabwicklung.

21 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete Dakosy im vergangenen Jahr. Diese Summe allerdings zeigt nicht annähernd die Bedeutung, die sich das Unternehmen vor allem für den Hamburger Hafen mittlerweile erarbeitet hat. Mithilfe der Dakosy-Plattformen koordinieren die Terminalbetreiber HHLA und Eurogate in der gemeinsam betriebenen Feeder Logistik Zentrale und in der neuen Nautischen Terminal Koordination gezielt die Anläufe von kleineren Zubringerschiffen wie auch von besonders großen Container- und Massengutfrachtern.

Auch für den Lkw-Verkehr rund um den Hafen arbeiten die Experten von Dakosy an Informationssystemen. „Es gibt dafür schon eine Plattform und auch eine App für Trucker zum Einsatz auf mobilen Endgeräten“, sagt Wrage, „aber bislang wird sie noch nicht so gut angenommen. Das müssen alle Beteiligten gemeinsam noch verbessern. Gerade an der Schnittstelle zwischen Terminals und Lastwagenverkehr zeigen sich ja in jüngerer Zeit verstärkt Engpässe.“

Dakosy mischt auch am Frankfurter Flughafen mit

Einen spektakulären Erfolg verzeichnet Dakosy dieser Tage am Markt für Frachtflieger. Zum ersten Januar 2015 geht am Frankfurter Flughafen das sogenannte Cargo Community System offiziell in Betrieb, nach insgesamt fast fünf Jahren Planungs- und Vorbereitungszeit. Dakosy hat die Plattform gemeinsam mit einer Reihe von Beteiligten aus der Branche erarbeitet, etwa mit den Luftfracht-Speditionen Dachser, DHL und Kühne + Nagel, dem Flughafenbetreiber Fraport, der Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo.

Das Hamburger Unternehmen brachte dabei seine jahrzehntelange Erfahrung aus dem Ladungsmanagement im größten deutschen Seehafen ein. „Die Lademanifeste für Luftfracht werden auch heutzutage noch überwiegend in Papierform geführt“, sagt Spark. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir dieses Pilotprojekt jetzt in den regulären Betrieb überführen können.“ Auf eigenes Risiko hat Dakosy die Computerplattform für Europas größtes Frachtflugdrehkreuz erarbeitet: „Das ist“, sagt Spark, „quasi ein Maßanzug für die Ladungsabfertigung in Frankfurt.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft