Südeuropas Bauern ernten deutlich weniger Oliven

Preis für Öl steigt. Wetter und Insekten sorgen für Einbußen

Beja. Wenn demnächst das Olivenöl ein wenig teurer wird, liegt das auch am wechselhaften Wetter in Südeuropa und an riesigen Mengen kleiner Insekten. Der Frühling war zu heiß, der Sommer zu kühl und verregnet. Jetzt steht es schlecht um die Olivenernte in Portugal, Spanien, Frankreich und Italien. Das miese Wetter hat die Verbreitung der Olivenfruchtfliege und der Olivenmotte begünstigt. Beides sind Insekten, die den Bäumen erheblichen Schaden zufügen und so die Ernte deutlich schmälern.

Ausgerechnet jetzt, da die besonders gebeutelten Südländer langsam den Weg raus aus der Finanzkrise suchen, müssen sie voraussichtlich mehr Geld für ihr Grundnahrungsmittel ausgeben. Joaquim Freire de Andrade vom portugiesischen Erzeugerverband Olivum sagt: „Das ist ein hartes Jahr“. Rund 70 Prozent des Weltangebots von Olivenöl wird in den südeuropäischen Ländern produziert. Das Exportvolumen belief sich 2013 auf rund 1,8 Milliarden Euro, aber dieses Jahr wird wohl kaum so viel zusammenkommen.

In Spanien hatte es vor zwei Jahren schon einmal eine Missernte gegeben, aber dieses Jahr bezeichnet der Verband der jungen Ölbauern Asaja als „die nächste Katastrophe“. Nicht einmal die Hälfte des Vorjahresertrags werde erreicht, im südspanischen Andalusien seien es sogar nur 40 Prozent. Dort seien die Bäume nach der guten Ernte im vergangenen Jahr erschöpft und hätten während der Frühjahrsblüte unter der großen Hitze gelitten. Dann seien die Fliegen und die Motten gekommen. Schon jetzt sei der Preis für einen Liter gutes Olivenöl um rund einen Euro gestiegen, sagt Asaja-Chef Luis Carlos Valero.

Für die italienischen Ölbauern ist es „das schlimmste Jahr, an das ich mich erinnern kann“, sagt Pietro Sandali vom Erzeugerverband Unaprol. Mit etwa 35 Prozent weniger Ertrag rechnen die Italiener. Viele Bauern machen sich nicht mal die Mühe, ihre magere Ernte einzubringen. Diejenigen, die es dennoch tun, werden häufig mit schlechter Qualität ihres Produkts bestraft. „Diese Ernte kann man in jeder Hinsicht vergessen“, fasst der Bio-Ölbauer Augusto Spagnoli aus der Gegend um Rom die Situation knapp zusammen. In seinen Hainen stehen 10.000 Bäume, einige davon sind 1600 Jahre alt. Der Preis für die kaltgepresste Spitzensorte „Extra Vergine“ hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, aber nicht, weil das Olivenöl so gut ist, sondern weil es so knapp ist.

In Frankreich vergleichen die Ölproduzenten die Situation mit dem Kälteeinbruch von 1956, als viele Bäume eingingen. Statt der üblichen 5000 Tonnen erwartet der Erzeugerverband ein Erntevolumen von nur 1500 Tonnen in diesem Jahr. Die Olivenfruchtfliege ist kaum größer als eine Ameise und legt ihre Larven in den Früchten der Bäume ab. Das Problem tritt dieses Jahr besonders massiv auf. „Ich habe das noch nie gesehen und auch die Älteren erinnern sich nicht an so eine heftige Verbreitung von Olivenfliegen“, sagt Laurent Belorgey, der in dritter Generation südlich von Avignon Ölfrüchte anbaut.

In Beja im Südosten Portugals werden Oliven auf Hightech-Farmen mit GPS-Unterstützung angebaut. Aber den seit jeher bekannten Befall von Olivenfruchtfliegen bekommen sie auch hier nicht in den Griff. Außerdem bedroht ein Pilz die geschwächten Oliven und lässt sie schrumpeln und braun werden.

Hiervon könnten die griechischen Ölbauern profitieren, denn dort hält sich der Befall der Bäume mit den Schädlingen in Grenzen. Die Hellenen sind der weltweit drittgrößte Olivenölproduzent. Sie könnten ihr Exportvolumen in diesem Jahr auf rund 300.000 Tonnen verdoppeln – ein warmer Regen für die krisengebeutelten Landwirte.