Mit Sportlerkost auf Wachstumskurs

Body Attack expandiert mit seinen Spezialangeboten für Fitnessfans. 28 Premiumgeschäfte sind bundesweit geplant

Hamburg. Junge Männer mit einem Bizeps groß wie ein Kürbis, schlanke Blondinen beim Joggen: Werbefotos von Sportlern sind in diesen Tagen immer häufiger zu sehen. Körperbewusstsein ist in, Sportstudios sind es ebenso. Auch in deutschen Einkaufszentren sind auffällig viele Bilder von Fitnessfans zu sehen. Immer öfter stehen sie in Geschäften von Body Attack. Der Anbieter für Sport- und Spezialnahrung mit Sitz in Hamburg expandiert stark und baut eine eigene Ladenkette auf. Im AEZ, im Phoenix-Center oder an der Erikastraße ist Body Attack bereits vertreten. In München unterhält die Firma ein Geschäft in der Leopoldstraße. Das reicht der Marke aber nicht. „Bis zum Ende des Jahres wollen wir auf 28 Premiumstores kommen“, sagt Gründer Jan Budde. Die Marke will bald bundesweit vertreten sein, mit eigenen Shops und Franchiseläden.

Der blonde Unternehmer zeigt mit einem Schwenk seines auch nicht ganz untrainierten Armes auf das Sortiment im Flagshipstore in Eidelstedt. Neben bekannten Eiweißpulvern, die Fitnessstudiobesucher zum schnelleren Muskelaufbau nutzen, stehen Brote, Müslis oder Getränke in den Regalen und Kühlschränken. Alles soll hier einen Zusatznutzen haben, nicht nur satt machen. Das Brot ist besonders reich an Proteinen, das Müsli kommt fast ohne Zucker aus. Die Getränke sollen extra viele Mineralien enthalten, sodass der Verlust beim Schwitzen an der Hantelbank schnell wieder ausgeglichen wird. Body Attack bietet alles, was Sportler zur Regeneration brauchen und stattet damit etwa die HSV-Handballer, den Hamburger Tennisverband oder die Hockeyherren vom HTHC aus.

Der 39-jährige Budde hat als Jugendlicher selber intensiv seine Muskeln trainiert und Proteine genommen, dann hat er sein Interesse für die Funktionsweise des Körpers sogar an der Uni verfolgt. Er studierte Biologie und Chemie und begann, eigene Formeln für Nahrungsergänzungsmittel zu entwickeln. Das war 1994, und bis heute ist sein Unternehmen auf 130 Mitarbeiter gewachsen. 2013 erreicht Body Attack ein Umsatzplus von gut 30 Prozent, 2014 rechnet Budde mit einem Wachstum von 20 Prozent. Ein neuer Onlineshop, die stationären Geschäfte und neue Sortimente tragen zum Erfolg bei,

Noch immer entwickelt Budde die Produkte selber, überlässt die Fertigung aber Herstellern, die aus verschiedenen Branchen kommen, etwa Bäckereien, Müslispezialisten oder Getränkeanbietern. Nach Angaben von Budde werden alle 2400 verschiedenen Body-Attack-Produkte in Deutschland produziert. Außerdem verkauft er Marken anderer Anbieter, etwa aus den USA.

Das weitere Wachstum will Budde nicht nur mit neuen Präparaten, sondern auch mit einer größeren Zielgruppe erreichen. Er setzt auf die breite Masse, nicht nur auf Bodybuilder. „Früher haben sich nur Sportler mit Eiweißprodukten beschäftigt, heute bauen viele Menschen darauf ihren Diätplan auf“, sagt Budde. Auch die Sensibilität in der Gesellschaft für bestimmte Inhaltsstoffe will Budde nutzen: „Wir bieten vegane oder vegetarische Produkte an, die sonst auch im Reformhaus zu finden sind.“ Neben Proteinshakes finden sich Backmischungen ohne Kohlehydrate oder zuckerfreie Gummibärchen in den Geschäften. „Wir wollen ein Fachmarkt für gesunde Ernährung sein, nicht nur für Sportler – und warum sollten nicht auch ältere Kunden oder Menschen, die sich nicht mit Fitness beschäftigen, bei Body Attack einkaufen?“

Tatsächlich hat sich der Markt im vergangenen Jahrzehnt geöffnet: Während früher Nahrungsergänzungsmittel für die Zufuhr von Aminosäuren, Kreatinen oder Kohlehydraten hauptsächlich in Fitnessstudios, Sportgeschäften oder Internetshops vertrieben wurden, erobern diese Produkte jetzt auch andere Vertriebssparten. Sie sind inzwischen auch in Drogerien und Lebensmittelmärkten zu finden. Jeder dritte Deutsche hat schon Nahrungsergänzungsmittel konsumiert. Der Absatz steigt Jahr für Jahr um acht Prozent.

Verbraucherschützer sehen diese Entwicklung kritisch: Spezielle Produkte wie Kreatin, Eiweißshakes, Mineralstoff- und Kohlenhydratkonzentrate könnten im Leistungssport wichtig sein, seien aber für Freizeitsportler unnötig. „L-Carnitin, CLA-Fettsäuren, Glucosaminpräparate, Energydrinks, -riegel und anderes sind nicht nur wirkungslos und überflüssig, sondern oft auch überteuert“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Von hoch dosierten Präparaten sei wegen möglicher Nebenwirkungen abzuraten. Zwar helfe Protein beim Muskelaufbau, ein zu viel an Proteinen – mehr als zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht – könne aber die Nieren belasten, sagt der Lebensmittelchemiker. „Zu viele Vitamine und Mineralstoffe bergen zudem die Gefahr, das Mineralstoffgleichgewicht durcheinanderzubringen.“