Kommentar

Die Strategie von Eurogate

Die Ankündigung kommt nicht von ungefähr. Logistiktests des Kaffee- und Handelskonzerns Tchibo am JadeWeserPort in Wilhelmshaven sind vor allem ein Erfolg für den dortigen Terminalbetreiber Eurogate. Nicht nur Tchibo zeigt Hamburg und Bremerhaven damit „Wir können auch anders“, sondern vor allem der Logistikkonzern. Der wichtigste Konkurrent der Hamburger HHLA macht deutlich, dass er seinen Kunden an allen drei für den Containerverkehr wichtigen deutschen Nordseehäfen Alternativen anbieten kann. Die HHLA ist mit ihren drei Hamburger Containerterminals zwar mit großem Abstand Marktführer in der Hansestadt. Sie hat aber an der Nordsee keine Ausweichmöglichkeiten, um Ladung in Abstimmung mit den Kunden umzulenken.

Eurogate mit Wurzeln in Hamburg und Bremen fordert die Erweiterung der Elbfahrrinne ebenso nachdrücklich wie die HHLA. Aber die Präsenz in mehreren Nordseehäfen ist derzeit aus mehreren Gründen ein Vorteil. Die Erweiterungen der Fahrrinne von Elbe und Weser sind einstweilen juristisch blockiert. Wie lange noch, ist ungewiss. Das betrifft Hamburg und Bremerhaven, aber nicht Wilhelmshaven. Bei den Straßenanbindungen spürt derzeit vor allem Hamburg den jahrzehntelangen Investitionsstau. In den kommenden Jahren wird das dem Lastwagenverkehr weiterhin oft quälende Schleichfahrten und Wartezeiten bescheren. Auch die Ausbauarbeiten am Nord-Ostsee-Kanal wirken in den Hamburger Hafen hinein. Terminals in verschiedenen deutschen Nordseehäfen zu betreiben, kann sich deshalb in den kommenden Jahren noch deutlicher als eine besondere logistische Stärke erweisen.