Lokführer beschließen Urabstimmung über Streiks

Bis zum 2. Oktober gibt es zunächst keine Arbeitskämpfe

Frankfurt am Main. Bei der Deutschen Bahn droht ab Anfang Oktober ein unbefristeter Streik. Die Lokführergewerkschaft GDL beschloss am Donnerstag, ihre Mitglieder in einer Urabstimmung darüber abstimmen zu lassen. Bis zur Auszählung der Stimmen am 2. Oktober soll es aber zunächst keine weiteren Arbeitsniederlegungen geben, wie die GDL in Frankfurt am Main mitteilte. Die Deutsche Bahn warf der GDL fehlenden Einigungswillen vor.

Der GDL-Hauptvorstand beschloss nach Gewerkschaftsangaben einstimmig die Urabstimmung. Die Auszählung der Stimmen ist demnach für den 2. Oktober vorgesehen. „Arbeitskämpfe sind bis zum Abschluss der Urabstimmung ausgeschlossen“, erklärte die Gewerkschaft. Angesichts der hohen Beteiligung an den zwei bisherigen Warnstreiks sei die „Vorbereitung weiterer Arbeitskämpfe unabdingbar“.

Die Gewerkschaft wies das jüngste Angebot der Deutschen Bahn als unzureichend zurück und kritisierte zudem deren Vorschlag, mit Moderatoren den festgefahrenen Tarifkonflikt wieder in Gang zu bringen. Die Offerte der Bahn beinhalte keine substanziellen Verbesserungen. „Auf Zeit spielen und dabei weiter vom Zugpersonal Überstunden verlangen, wird es mit der GDL nicht geben“, erklärte der Gewerkschaftsvorsitzende Claus Weselsky. Laut GDL sollen Beamtenbund-Chef Klaus Dauderstädt und der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, die Verhandlungen moderieren.

Die Deutsche Bahn hatte am Vortag moderierte Verhandlungen vorgeschlagen. Auf die Ankündigung einer Urabstimmung reagierte das Unternehmen nun mit scharfer Kritik an der GDL: „Es fehlt jegliche Bereitschaft, überhaupt zu einer Einigung zu kommen.“ Selbst zu nichts verpflichtende Angebote wie die Einladung zu moderierten Gesprächen würden rundweg abgelehnt. Die Deutsche Bahn sei weiter bereit, jederzeit zu verhandeln.

Die Fronten im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn sind verhärtet. In der vergangenen Woche hatten die Lokführer bereits zweimal für mehrere Stunden die Arbeit niedergelegt. Die GDL fordert von der Bahn fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei Stunden. In dem Tarifkonflikt geht es aber vor allem um einen Machtkampf zwischen GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Gewerkschaften streiten darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf. Die EVG fordert unter anderem sechs Prozent mehr Lohn.