Lachs erstmals beliebter als Hering

Die Deutschen kaufen immer mehr Edelfische ein. Discounter steigern ihren Anteil beim Absatz von Frischware

Hamburg. Die Deutschen entwickeln sich in Sachen Fisch zu Feinschmeckern. Lachs wird immer beliebter und rangiert nun erstmals auf Platz zwei der beliebtesten Speisefische – vor dem Hering. Unangefochten auf Platz eins, mit einem Anteil von 22,3 Prozent, liegt der Alaska-Seelachs, der auch zu Fischstäbchen verarbeitet wird. Der Alaska-Seelachs ist nicht – wie man vom Namen her vermuten könnte – mit dem Lachs, sondern mit dem Kabeljau oder Dorsch verwandt.

Bei einer unveränderten Menge von knapp 410.000 Tonnen hatten die Einkäufe im vergangenen Jahr insgesamt einen Wert von 3,4 Milliarden Euro, das sind 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Fisch-Informationszentrum (FIZ) in Hamburg mitteilte. Auch im laufenden Jahr rechnet das FIZ mit einem Wachstum: Die Experten gehen von einem Plus von einem Prozent in der Menge und drei Prozent beim Wert aus. Neben dem Lachs gewann 2013 auch die Forelle Marktanteile, während nicht nur der Hering, sondern auch der Pangasius zurückfielen. Auf Platz vier hinter Seelachs, Lachs und Hering folgt unverändert der Thunfisch.

„Der Markt hat durch eine Vielzahl von Maßnahmen neue Impulse erhalten“, sagte der FIZ-Vorsitzende Thomas Lauenroth. Dazu zählten nicht nur Verbesserungen bei Kühltruhen und Verpackungen, sondern auch zunehmende Transparenz und Informationen zur Herkunft. Zudem profitiere die Fischwirtschaft davon, dass Discounter wie Aldi und Lidl in ihren Filialen vermehrt Fischtheken einrichteten. „Damit erreicht Frischfisch mehr Verbraucher, und das fördert den Absatz“, sagte FIZ-Geschäftsführer Matthias Keller. Insgesamt steigerten Filialen von Lidl oder Aldi ihren Anteil bei frischem Fisch von zehn auf 14 Prozent.

Die Discounter verkaufen insgesamt mehr als 40 Prozent aller Fische und Fischprodukte, die Super- und Verbrauchermärkte nochmals 37 Prozent. Auf die Fischfachgeschäfte entfiel ein Anteil von unverändert 6,4 Prozent.

Auch wenn es Zuwächse bei frischer Ware gibt, der deutsche Markt wird nach wie vor dominiert von Tiefkühlerzeugnissen wie Fischstäbchen oder Fertigfilets mit einem Anteil von 30 Prozent. Das zweite wesentliche Marktsegment sind Marinaden und Konserven mit 27 Prozent Marktanteil. Der Rest entfällt auf Krebs- und Weichtiere (14 Prozent), Räucherfisch (zwölf Prozent) und Frischfisch (zehn Prozent). Deutsche Fischer landeten im Jahr 2013 im In- und Ausland 224.000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte an. Hinzu kommen 20.000 Tonnen aus der deutschen Binnenfischerei und Aquakultur. Damit liegt der Anteil der deutschen Fischer und Aquakulturen am Gesamtaufkommen bei zwölf Prozent.

Für Unruhe bei den Fischern sorgt derweil ein Vorschlag der EU-Kommission. Im Westen der Ostsee soll die erlaubte Fangmenge für Dorsch fast um die Hälfte auf 8793 Tonnen sinken. Ähnlich sieht es beim Lachs aus. Um die Bestände zu erhalten, schlägt die EU-Kommission im Golf von Finnland eine um 23 Prozent niedrigere und in der restlichen Ostsee eine um acht Prozent geringere Fangmenge vor. Bei der für deutsche Fischer wichtigen Sprotte soll die Menge überall um 17 Prozent auf 199.622 Tonnen sinken.

Der Verband der Kutter- und Küstenfischer hat sich am gestrigen Donnerstag bereits gegen die von der EU-Kommission vorgeschlagene Reduzierung der Dorsch-Fangquote in der westlichen Ostsee gewandt. Die Absenkung um 48 Prozent im kommenden Jahr beruhe nicht auf einer krisenhaften Situation des Bestands, vielmehr sollten ehrgeizige Ziele für diesen Bestand innerhalb eines Jahres durchgesetzt werden, hieß es vom Verband. „Es besteht keine Notsituation, die solch eine drastische Quotenabsenkung rechtfertigen würde“, hieß es. Es wäre sinnvoller und nachhaltiger, die Reduzierung der Fangquote schrittweise anzugehen. Nachhaltigkeit beziehe neben den ökologischen Aspekten auch die ökonomischen und sozialen Gesichtspunkte mit ein. „Dies berücksichtigt die Kommission in ihrem Vorschlag nicht“, kritisierte der Verband. Die Absenkung der Quote bedeute für viele kleine Familienbetriebe an der deutschen Ostseeküste eine Halbierung des Einkommens, Ausweichmöglichkeiten gebe es nicht.

Bessere Bedingungen herrschen nach Vorstellung der EU dagegen für den Hering. Für Hering in der westlichen Ostsee nahe Deutschland schlägt die EU-Kommission demnach einen Anstieg der erlaubten Fangmenge um zwölf Prozent vor. Für deutsche Fischer würde die Obergrenze in diesen Gewässern demnach bei 12.259 Tonnen liegen – 2014 sind es noch 10.900. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern haben sich die Heringsbestände erholt. Daher könnte auch im nördlichsten Teil (plus 35 Prozent) und im Zentrum der Ostsee (plus 51 Prozent) 2015 deutlich mehr Hering gefischt werden.

Der Vorschlag der Brüsseler Behörde zu den Fangmengen ist unterdessen noch nicht bindend: Auf Grundlage dieser Empfehlungen entscheiden später endgültig die EU-Staaten über die Fangmengen.