Brunsbüttel-Aus drückt Vattenfall in Verlustzone

Stockholm. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat weiter Gewinn eingebüßt. Im zweiten Quartal sei das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis um etwa ein Viertel auf 4,1 Milliarden Schwedische Kronen (rund 444 Millionen Euro) gefallen, teilte der staatlich kontrollierte Versorger mit. Grund hierfür seien eine schwache Nachfrage, die gefallenen Stromgroßhandelspreise und die Überkapazitäten an Kraftwerken, sagte der scheidende Vorstandschef Øystein Løseth. „Mit diesen Marktbedingungen haben wir seit einiger Zeit zu leben.“

Die Stromgroßhandelspreise sind durch den Ausbau des Ökostroms unter Druck geraten. Dies macht auch den deutschen Energiekonzernen E.on und RWE zu schaffen. Bei Vattenfall drückten im zweiten Quartal auch höhere Rückstellungen vor allem für die Stilllegung von Atomkraftwerken in Deutschland mit gut 400 Millionen Euro auf die Bilanz. Die Schweden hatten im Zuge des beschleunigten Atomausstiegs ihre Meiler in Brunsbüttel und Krümmel abschalten müssen. Unter dem Strich fuhr Vattenfall von April bis Ende Juni einen Verlust von rund 250 Millionen Euro ein.

Im ersten Quartal hatte Vattenfall noch vom Verkauf seines Mehrheitsanteils an dem Hamburger Stromnetz profitiert. Der Konzern tritt nach einem groß angelegten Expansionskurs auf die Kostenbremse. „Wir rechnen damit, dass wir zum Ende dieses Jahres im Vergleich zum Jahr 2010 rund 25 Prozent Kosten eingespart haben werden“, sagte Løseth. Er legt seinen Posten Anfang Oktober nieder. Der Norweger ist seit 2010 Chef des Konzerns. Sein Nachfolger ist der frühere Chef des schwedischen Holz- und Papierkonzerns Holmen, Magnus Hall. Im vergangenen Jahr hatte der größte skandinavische Versorger einen Betriebsverlust von 6,5 Milliarden Kronen (735 Millionen Euro) eingefahren.