Bayer will Marktführer für rezeptfreie Medikamente werden

Leverkusener übernehmen für 10,4 Milliarden Euro die Sparte vom US-Pharmakonzern Merck & Co. Es ist der zweitgrößte Zukauf der Firmengeschichte

Leverkusen. Mit dem zweitgrößten Zukauf der Firmengeschichte drängt Bayer im Geschäft mit rezeptfreien Arzneien an die Weltspitze. Für 10,4 Milliarden Euro in bar übernimmt der Leverkusener Aspirin-Hersteller die entsprechende Sparte des US-Pharmakonzerns Merck & Co. „Das ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zur globalen Marktführerschaft in dem Bereich“, sagte Bayer-Chef Marijn Dekkers am Dienstag. Der Konzern wird durch die Übernahme in dem stabilen Geschäft mit rezeptfreien Produkten weltweit die Nummer zwei. Marktführer ist Johnson & Johnson aus den USA.

Die komplett mit neuen Schulden finanzierte Übernahme ist für Deutschlands führenden Pharmakonzern der größte Zukauf seit 2006: Damals schluckte das 1863 gegründete Unternehmen für rund 17 Milliarden Euro den Berliner Rivalen Schering.

Zu der Merck-Sparte gehören Dr. Scholl’s-Fußpflegeprodukte, Coppertone-Sonnencreme und das Allergiemittel Claritin. Mit Marken wie Aspirin, Alka-Seltzer und dem Magenmittel Rennie zählt Bayer bereits zu den führenden Unternehmen im Geschäft mit frei verkäuflichen Präparaten. Gemeinsam mit der Merck-Sparte wäre der Konzern hier 2013 auf einen Jahresumsatz von 7,4 Milliarden Dollar gekommen, davon kommen 2,2 Milliarden Dollar von Merck & Co. Vor zwei Jahren zog Bayer mit Übernahmeplänen in dem Bereich noch den Kürzeren. Dekkers hatte die US-Firma Schiff Nutrition ins Visier genommen, doch der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser bekam den Zuschlag.

Rezeptfreie Arzneien wie Hustenpastillen und Schnupfenmittel werfen zwar meist geringere Rendite ab als verschreibungspflichtige Medikamente. Dafür ist das Geschäft weniger risikoreich und liefert stabile Einnahmen. Weltweit werden mit solchen Präparaten etwa 200 Milliarden Dollar im Jahr umgesetzt.

Bayer will den Zukauf im zweiten Halbjahr in trockene Tücher bringen. Bei Marketing, Produktion und im Vertrieb rechnet der Konzern durch den Zusammenschluss mit jährlichen Einsparungen von 200 Millionen Dollar ab 2017. Hinzu kämen rund 400 Millionen Dollar an zusätzlichen Umsätzen durch den Marktstart von Merck-Präparaten in Schlüsselländern außerhalb der USA. Die Einmalkosten für die Übernahme und die Integration des Merck-Geschäfts veranschlagte Bayer-Chef Dekkers mit einer halben Milliarde Dollar für die Jahre 2014 und 2015. Der mit der Übernahme einhergehende Jobabbau in Deutschland sei vernachlässigbar, so der Niederländer.

Die Leverkusener wollen den Zukauf zunächst mit einem Brückenkredit der Bank of America Merrill Lynch sowie der Banken BNP Paribas und Mizuho stemmen. Später sind dann Anleihen geplant. Dekkers geht davon aus, dass sich die Übernahme schon nächstes Jahr auszahlt. Etwa zwei Prozent soll sie dann zum bereinigten Konzerngewinn je Aktie beitragen. An der Börse verlor die Bayer-Aktie bis zum späten Nachmittag knapp ein Prozent.

Bayer geht zudem eine strategische Pharmapartnerschaft mit Merck & Co. im Forschungsgebiet der sGC-Modulatoren ein, die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen. Die Kooperation umfasse auch das Lungenhochdruckmittel Adempas sowie dessen Entwicklung für weitere Krankheitsgebiete.