Michael Ottos Sohn greift Zalando an

38-Jähriger startet Onlineshops für Mode. Konzern investiert dreistelligen Millionenbetrag

Hamburg. Der Hamburger Otto-Konzern schickt Benjamin Otto, Sohn des Eigentümers und Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Otto, in den Kampf gegen aggressive Onlinekonkurrenten wie Zalando und Amazon. Am Montag stellten Otto und Co-Geschäftsführer Tarek Müller die Details des lange erwarteten E-Commerce-Projekts Collins vor, in das der Handelskonzern einen dreistelligen Millionenbetrag investiert.

Die Gründer setzen dabei auf ein offenes Geschäftsmodell: Auf der neu entwickelten Plattform aboutyou.de sollen auch externe Entwickler das eigene Mode-Angebot um verschiedene Apps erweitern können. Zudem können Kunden ähnlich wie in sozialen Netzwerken eigene Profile anlegen und anhand ihres Kaufverhaltens beraten werden. Anspruch sei, „Shopping für die junge Generation so individuell und inspirierend zu gestalten, wie es ihre digitale Welt längst ist“, sagte Collins-Chef Benjamin Otto. „Der E-Commerce steht erst am Anfang einer neuen digitalen Epoche.“ Was man schaffe, sei ein „Shop mit tausend Gesichtern“.

Auf aboutyou.de können sich Kunden unter anderem über eine integrierte App über den richtigen Dresscode in angesagten Großstadt-Clubs informieren – Bilder der verschiedenen Styles anbei. Eine andere App zeigt die neuesten Fotos von Hollywood-Stars und liefert Vorschläge fürs Nachstylen. Eingebunden über Apps sind auch Spezialanbieter, bei denen Kunden ihre Schuhe selbst designen können. aboutyou.de bietet zudem 50 000 Artikel, Kleidung ebenso wie Schuhe und Accessoires. Die Zielgruppe sind Frauen, aber auch Männer zwischen 20 und 40.

Zudem will Collins Kreative oder Entwickler ansprechen, die mit geringem Aufwand Apps entwickeln und anbieten können. Sind die Anwendungen erfolgreich und bringen Umsatz, wird der Entwickler mit acht Prozent oder mehr an den Erlösen beteiligt. Das sei völlig neu im E-Commerce. „Die besten Ideen entstehen nicht in einem Unternehmen allein, sondern durch einzelne kreative Köpfe“, sagte Co-Chef Tarek Müller. Bislang sind 29 Apps online.

Eine Umsatzerwartung nannte Otto für das Projekt nicht. Man gebe sich fünf Jahre, um wie im Markt üblich die Gewinnschwelle zu erreichen. Der internationale Handels- und Dienstleistungskonzern betreibt insgesamt rund 100 Online-Shops und erwirtschaftet im E-Commerce einen Jahresumsatz von rund sechs Milliarden Euro.

Für Benjamin Otto stellt Collins auch eine ganz persönliche Bewährungsprobe da. Es ist das erste Projekt, das der 38-Jährige verantwortet, seit er im Herbst 2012 in den Familienkonzern gewechselt ist. Sein Großvater Werner Otto habe das Unternehmen einst gegründet, indem er noch selbst Schwarz-Weiß-Fotos in die ersten Kataloge einklebte. „Mein Vater wollte die Zukunft des Unternehmens dann vor allem nachhaltig absichern“, so Benjamin Otto . „Ich gehe mit Collins jetzt meinen ganz eigenen Weg.“

Ob er später einmal an die Spitze des Hamburger Unternehmens mit rund 54.000 Mitarbeitern rücken wird, lässt der 38-Jährige aber offen.„Das lasse ich auf mich zukommen“, sagte er im Gespräch mit dem Abendblatt. Derzeit wird die Otto Group von dem familienfremden Manager Hans-Otto Schrader geführt.