Hamburger suchen in Afrika nach Wasser

Ingenieure von Consulaqua aus der Hansestadt gehen als Berater in ferne Länder. Das internationale Geschäft soll bis 2019 verdoppelt werden

Hamburg/Muhazi. Ein Wasserwerk in Ruanda, 60 Kilometer östlich der Hauptstadt Kigali. Bei sengender Hitze beugen sich drei Ingenieure über Messprotokolle zur Wasserqualität. Sie kommen aus Deutschland, genauer gesagt aus Hamburg. „Das ist es“, sagt einer abschließend und lächelt. „So ist das Wasser gut genießbar.“ Seit zwei Wochen hält sich Christoph Czekalla mit seinen Kollegen in Ostafrika auf. Czekalla ist Leiter der städtischen Wasserwerke bei Hamburg Wasser. Normalerweise besteht seine Aufgabe darin, dafür zu sorgen, dass das gute Dutzend Wasserwerke, die Pumpstationen und das mehr als 5000 Kilometer umfassenden Rohrleitungsnetz der Hansestadt störungsfrei funktionieren. Sein Wissen und seine Erfahrung wird aber auch anderswo geschätzt, nicht zuletzt im afrikanischen Ruanda.

Das Land leidet noch immer unter den Folgen des Bürgerkriegs in den 1990er-Jahren sowie dem Völkermord. Gut ausgebildete Wasseringenieure sind Mangelware. Zudem ist die Wasserversorgung in dem bevölkerungsreichen Staat kompliziert: „Ruanda wird als Land der tausend Hügel bezeichnet. Um das Trinkwasser hier von den Quellen und Wasserwerken zu den Kunden zu bringen, sind deshalb viele Pumpstationen erforderlich“, sagt Czekalla. Dabei würden die installierten Pumpen sehr viel Energie verschlingen, was die Kosten für den Wasserversorger des Staates, die Energy Water an Sanitation Authority Rwanda (EWSA) in die Höhe treibe. „Aufgrund erheblicher Wasserverluste und niedriger Tarife hat die EWSA ohnehin Probleme, ihre Betriebskosten zu senken“, so Czekalla.

Also hat Ruanda nach Partnern gesucht, die dem eigenen Versorger unter die Arme greifen. Gefunden hat er sie in einer Forschungsstelle der TU Harburg sowie der Consulaqua. Das ist eine Tochterfirma von Hamburg Wasser, in der der Versorger der Hansestadt sein Auslandsgeschäft bündelt. Bezahlt wird das dreijährige Projekt von der EU. Nicht nur in Ruanda, auch in Tansania, Uganda sowie in Bulgarien und einigen Staaten des Mittleren und Nahen Ostens sind Ingenieure der Hamburger Wasserwerke aktiv, bis zum Beginn des Bürgerkriegs waren sie auch in Syrien.

Der Grund für die hohe Reisetätigkeit Hamburger Wasseringenieure ist relativ einfach: „Wir verdienen damit Geld“, sagt Nathalie Leroy, kaufmännische Geschäftsführerin von Hamburg Wasser und für das Auslandsgeschäft zuständig. Zudem sei es völlig ohne Risiko. Denn beginnen würde die Arbeit vor Ort immer erst, wenn die Finanzierung steht. Sei es durch Gelder der Vereinten Nationen, der EU oder bestimmter Förderbanken. Fünfstellig, manchmal sechsstellig sind die Beträge, die an die Hamburger gehen. „Es sind keine großen Summen, aber das Geschäft hat dennoch eine hohe Bedeutung für uns“, erläutert Leroy in der Zentrale von Hamburg Wasser in Rothenburgsort. „Erstens können wir mit dem Gewinn die Wasserpreise in der Heimat stabil halten. Also profitieren die Hamburger Bürger davon“, zählt sie auf. „Zweitens können die unternehmenseigenen Ingenieure ihre Erfahrungen erweitern. „Und drittens ist unser Auslandsgeschäft ein Angebot, mit dem wir gute Nachwuchsfachkräfte locken können. Denn beim Verdienst haben wir als öffentlicher Arbeitgeber gegenüber den Privaten häufig das Nachsehen“, sagt Leroy. Zudem würde Hamburgs guter Ruf im Ausland durch die Arbeit von Consulaqua gefestigt.

Anders als zahlreiche andere private Anbieter, die im afrikanischen Raum unterwegs sind, gehe es Consulaqua nie darum, den Wasserbetrieb zu übernehmen. „Wir beraten und unterrichten die örtlichen Wasserversorger nur darin, wie sie ihren Betrieb effizienter führen und in die eigene Hand nehmen können“, sagt Leroy. Dabei ist die Bandbreite der Aufgaben der Hamburger Ingenieure sehr groß. Von der Suche nach Wasser bis zur Erstellung von Handbüchern für Pumpen. Bei Czekallas Projekt in Ruanda geht es nicht nur um die Steigerung der Energieeffizienz der Pumpen. Der Muhazi-See übernimmt die Trinkwasserversorgung vieler Orte östlich von Kigali bis an die Hauptstadt heran. Da das Oberflächenwasser aber trübe und verunreinigt ist, bedurfte es bei der Trinkwasseraufbereitung bisher vieler Chemikalien, die für teures Geld aus dem Ausland herangeschafft werden mussten. „Durch eine Verfahrensumstellung und Optimierung des Filtersystems kann der Chemikalienverbrauch um fast 80 Prozent gesenkt werden“, sagt Czekalla, das hätten die Messdaten gezeigt.

Die Lösung von Wasserqualitätsproblemen will deshalb auch Uganda von den Hamburgern lernen. Leroy selbst hat bei einer Reise mit dem damaligen Bundesminister für Entwicklungshilfe, Dirk Niebel, im Sommer vergangenen Jahres in der Hauptstadt Kampala einen Fünfjahresvertrag mit der National Water and Sewerage Corporation (NWWSC) geschlossen. „ Die zentrale Wasserquelle des Landes ist der Victoriasee. Doch dessen Qualität verschlechtert sich zusehends“, sagt Leroy. Wir helfen beim Aufbau einer chemikalienfreien Filtration im großtechnischen Maßstab“, sagt die Wassermanagerin.

Manchmal sind die Hilfen von Consulaqua ganz simpel, wie Gruppenunterricht für Wasserangestellte zum richtigen Vermessen von Rohrleitungsnetzen in Tansanias größter Stadt Daressalam. Häufig wissen die örtlichen Behörden gar nicht genau, wo ihre Wasserrohre liegen. „Und wenn sie wissen, wo sich die Rohre befinden, wissen sie aber nicht, wo die Schieber sind, mit denen schadhafte Leitungen vom Rest des Netzes abgetrennt werden können. Deshalb sind die Wasserverluste auch immer so hoch“, sagt Cekalla, der auch schon in Daressalam tätig war. 2010 hat Hamburg mit der tansanischen Hafenstadt eine Städtepartnerschaft geschlossen.

Das Auslandsgeschäft von Consulaqua läuft so erfolgreich, dass Hamburg Wasser dieses jetzt sogar ausweiten will. „Wir wollen es bis 2019 auf einen Umsatz von etwa 2,5 Millionen Euro verdoppeln“, so Leroy. Dazu würden derzeit Gespräche über Projekte in Burundi, Lesotho und Burkina Faso geführt. Früher hatte Consulaqua auch Geschäftsbeziehungen zu China. Dort braucht man die Hilfe der hanseatischen Wasserexperten nicht mehr: „In China können sie inzwischen Speichersticks mit Daten für ein Wasserwerk an jeder Ecke erwerben“, sagt Czekalla.

Auch im Inland betreibt Consulaqua zahlreiche Projekte. Doch hier ist die Konkurrenz groß, weil es auch viele private Ingenieurbüros gibt. Dass Consulaqua, die Fachkräfte für die zahlreichen Aufträge ausgehen, ist nicht zu befürchten. Das Unternehmen selbst hat nur gut 50 Mitarbeiter. Es kann aber jederzeit auf die rund 400 Ingenieure von Hamburg Wasser zurückgreifen, von denen nicht alle kontinuierlich durch Hamburger Aufträge gebunden sind. „Und es kommen nicht nur Ingenieure zum Auslandseinsatz. Wir schulen auch andere Mitarbeiter für Aufgaben im Ausland“, sagt Leroy.