Paris will neuen Siemens-Rivalen verhindern

Französische Regierung gegen Fusion des Schnellzugherstellers Alstom mit General Electric. Aktie vom Handel ausgesetzt

Paris. Vor gut zehn Jahren war der französische Technologiekonzern Alstom schwer angeschlagen, und der deutsche Konkurrent Siemens wollte einsteigen. Doch der damalige französische Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy war dagegen. Stattdessen wurde Alstom mit staatlicher Hilfe und Aufträgen wieder aufgepäppelt. Jetzt steht Alstom offensichtlich wieder vor einem Verkauf. Ausgerechnet an den großen amerikanischen Siemens-Rivalen General Electric (GE). Doch es gibt in der französischen Regierung Vorbehalte.

Nachdem erste Berichte über einen Einstieg von GE für 13 Milliarden Dollar von Alstom nur schwach dementiert wurden, zeichnet sich jetzt zumindest die Bestätigung des Vorhabens ab. Die Börsennotierung der Alstom-Aktie wurde am Freitag ausgesetzt. Branche und Finanzwelt warten jetzt auf die offiziellen Ankündigungen. Eigentlich wollte Alstom erst am 7. Mai seine künftige Strategie vorstellen – am gleichen Tag wie Siemens.

Der US-Technologiekonzern General Electric würde mit dem Kauf von Alstom mit rund 20 Milliarden Euro Umsatz den Frontalangriff auf den deutschen Rivalen Siemens starten. Dabei ist noch nicht klar, ob die Amerikaner den gesamten Alstom-Konzern mit den Feldern Stromerzeugung, Energieübertragung und Eisenbahn übernehmen wollen. Es wird auch spekuliert, dass GE auf das Eisenbahngeschäft mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV verzichten könnte. Großes Interesse haben die Amerikaner offensichtlich am Geschäft mit der Technik für Wind- und Solarenergie sowie Gasturbinen. Zudem ist Alstom im Turbinengeschäft für Atomkraftwerke tätig.

Der General-Electric-Chef Jeffrey Immelt könnte bei seinem Vorstoß in Paris darauf verweisen, dass Frankreich keine Angst vor dem US-Konzern haben muss. Seit 40 Jahren gibt es ein gut funktionierendes amerikanisch-französisches Gemeinschaftsunternehmen, das an der Weltspitze liegt: GE und Snecma/Safran liefern über die Gemeinschaftsfirma CFM Flugzeugtriebwerke an Airbus und Boeing.

Doch in der französischen Regierung gibt es Bedenken gegen die Pläne. Frankreich fürchte um den Verlust eines „großen Entscheidungszentrums“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg der Zeitung „Le Monde“. Das Unternehmen sei extrem abhängig von staatlichen Aufträgen. Mit rund 18.000 Beschäftigten arbeiten rund 20 Prozent der Belegschaft in Frankreich.