Chilenen steigen bei Hapag-Lloyd ein: Was dies für Hamburg bedeutet

Sitz der Zentrale am Ballindamm und der Name bleiben erhalten. Hansestadt muss 40 Millionen Euro zuschießen

Hamburg. Die Reederei Hapag-Lloyd hat am Mittwoch den Zusammenschluss mit der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV besiegelt. Hapag-Lloyd steigt gemeinsam mit CSAV von Rang sechs auf Rang vier der weltweit größten Containerlinien auf. Mit der Eingliederung der CSAV-Containerdienste wird Hamburgs Traditionsreederei auf eine stärkere wirtschaftliche Basis gestellt. „Dieser Tag ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte von Hapag-Lloyd“, sagte dessen Chef Michael Behrendt. „Die Transaktion steigert den Wert des Unternehmens und damit auch den Wert der Anteile unserer Gesellschafter.“ CSAV-Chef Oscar Hasbún ergänzte: „Durch die Bündelung unserer Kräfte schaffen wir ein größeres, stärkeres und globaleres Unternehmen mit einer erheblich verbesserten Wettbewerbsposition.“

Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt, dass bis zum kommenden Sonntag nicht mehr als fünf Prozent des Aktienkapitals bei CSAV eine Fusion der Containersparte mit Hapag-Lloyd ablehnen. Bei der Hauptversammlung Ende März hatten sich weniger als ein Prozent des CSAV-Kapitals gegen das Geschäft ausgesprochen. Auch die Wettbewerbsbehörden müssen dem Zusammenschluss noch zustimmen.

Der Name Hapag-Lloyd bleibt ebenso wie der Hauptsitz der Reederei am Ballindamm bestehen. Die Hansestadt verliert aber aus verschiedenen Gründen an Bedeutung im Unternehmen. Das wichtige Südamerika-Geschäft der fusionierten Reederei solle „eine starke Regionalzentrale in Chile bekommen“, teilte Hapag-Lloyd mit. Die chilenische Industriellenfamilie Luksic – Haupteigner von CSAV – soll durch zwei Kapitalerhöhungen mit zunächst 30 und später 34 Prozent Anteil zum größten Aktionär von Hapag-Lloyd aufsteigen. Die Stadt Hamburg und der Unternehmer Klaus-Michael Kühne, bislang mit 37 und 28 Prozent Anteil die wichtigsten Hapag-Lloyd-Eigner, nehmen künftig Rang zwei und drei ein.

Zu der ersten Kapitalerhöhung, die nach Zustimmung der Kartellbehörden ansteht, müsste die Stadt Hamburg nach Abendblatt-Informationen rund 40 Millionen Euro beisteuern. Den Zeitpunkt für einen Börsengang – die Geldquelle für die zweite angestrebte Kapitalerhöhung – ließ Hapag-Lloyd am Mittwoch offen. Wichtig ist dieser Schritt besonders für den Touristikkonzern TUI in Hannover, der 22 Prozent an Hapag-Lloyd hält und der diesen Anteil verkaufen will.

Hapag-Lloyd baut mit der Eingliederung der CSAV-Containersparte seine Präsenz weltweit aus. Das Hamburger Unternehmen ist bislang besonders stark in den Containerlinien zwischen Fernost und Europa sowie zwischen Europa und Nordamerika. CSAV ist die führende Linienreederei in Südamerika und besonders stark bei den interkontinentalen Nord-Süd-Verkehren.

Das Nachsehen hat vor allem die Hamburger Reederei Hamburg Süd, die bislang führende europäische Containerlinie auf den Nord-Süd-Verkehren, die der Bielefelder Industriellenfamilie Oetker gehört. Ein Zusammenschluss mit Hapag-Lloyd war 2013 an Differenzen innerhalb der Familie gescheitert.