Grubes erster Gewinnrückgang

Ergebnis der Deutschen Bahn bricht um 55 Prozent ein. Alle ICE-Züge bekommen bis Ende 2014 drahtloses Internet

Frankfurt . Rüdiger Grube ist offenbar in Feierstimmung. „Die Bilanz, die wir Ihnen heute vorstellen, steht im Zeichen eines besonderen Jubiläums: 20 Jahre Deutsche Bahn.“ Die Geschichte der DB AG habe 1994 in Frankfurt am Main begonnen, deshalb sei man aus der Zentrale in Berlin nach Frankfurt gekommen, um die jüngsten Geschäftszahlen vorzustellen. Die Bahnreform von einst sei eine Erfolgsgeschichte, sagte Grube.

Das Einzige, was an diesem sonnigen Tag stört, sind die Zahlen selbst: Der Gewinn der Deutschen Bahn brach im vergangenen Jahr um 55 Prozent auf 649 Millionen Euro ein. Statt der vereinbarten 525 Millionen Euro Dividende erhält der Bund als Eigentümer 200 Millionen Euro. Immerhin blieb der Umsatz mit 39 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. „Vor allem das Wetter hat uns 2013 im wahrsten Sinne des Wortes nasskalt erwischt“, sagte Grube zum ersten Gewinnrückgang seiner fünfjährigen Amtszeit. Die Belastungen durch das Hochwasser im Frühsommer und weitere Stürme bezifferte er mit 200 Millionen Euro, gestiegene Personal- und Energiekosten mit 290 Millionen Euro. Zudem habe die schwierige Wirtschaftslage in Europa den Güterverkehr mit 110 Millionen Euro belastet.

Die Planungen seien fraglos ehrgeiziger gewesen. „Was mir allerdings wichtig ist: Wir haben vielleicht nicht alles erreicht, aber doch vieles!“ Was das ist, berichtete Grube dann ausführlich: Vor wenigen Tagen seien zwei fabrikneue ICE 3 von Siemens geliefert worden, die Modernisierung der kompletten ICE-2-Flotte sei abgeschlossen und im Regionalverkehr seien – wenn auch mit starker Verzögerung – weitere 134 Züge in den Betrieb gegangen.

Am Tag der Geschäftszahlen erwähnte er in seiner Rede wie selbstverständlich die mehr als 100 Bahnhöfe, an denen Reisende 30 Minuten kostenlos im Internet surfen können, bis Ende dieses Jahres würden zudem alle ICEs mit drahtlosen Internetstationen ausgerüstet. Und auch ökologisch habe die Bahn – „lassen Sie mich das ein wenig pathetisch ausdrücken“ – eine neue Sphäre erklommen: Drei Viertel aller Fernverkehrsfahrten würden inzwischen mit 100 Prozent Ökostrom betrieben. Da mag es fast verwundern, dass Grube sich für 2014 nur „ein wenig optimistischer“ gab. Der Gewinn soll wieder über die Milliarden-Marke steigen, der Umsatz auf 41 Milliarden Euro.

An dem Umsatzziel von 70 Milliarden Euro bis 2020 wollte Grube nicht rütteln. Hoffnung machen Grube die Fahrgastzahlen – die wohl einzig positiven Zahlen an diesem Tag. Trotz der Wetterkapriolen gab es einen neuen Rekord. Zwei Milliarden Kunden und damit 42 Millionen mehr als im Jahr zuvor waren 2013 mit der Bahn unterwegs.

Wo Grubes Kommunikationswillen seine Grenzen hat, wurde bei der Personalie Ronald Pofalla deutlich. Grube nahm auch auf Nachfrage den Namen des Ex-Kanzleramtsministers nicht in den Mund. Lieber berichtete er allgemein, dass er dem Aufsichtsrat eine zwölfmonatige Karenzzeit bei Wechseln von Politikern zur Bahn vorgeschlagen habe. Zudem solle der Vorstand nicht vergrößert werden. Dass die Berufung Pofallas zum Cheflobbyisten auf den Weg gebracht ist, wenn wohl auch nicht direkt im Vorstandsrang, sagte Grube nicht. Solche Themen passten an diesem Tag offensichtlich nicht zum Jubiläum 20 Jahre Deutsche Bahn.