Glänzend im Geschäft

Eine Firma, die auf Dauer wachsen will

Die Classen GmbH aus Rellingen ist einer der größten Blechbearbeiter im Norden und stellt weiteres Personal ein

Rellingen. Gunnar und Thorsten Lange ergänzen sich perfekt: Während der eine auf der Nordakademie Betriebswirtschaftslehre studierte und seine Diplom-Arbeit zum Thema Controlling verfasste, machte der andere eine Ausbildung als Konstruktionsmechaniker. Folgerichtig ist Gunnar Lange bei der Rellinger Firma Classen Blechbearbeitung für den kaufmännischen, sein Bruder Thorsten für die technischen Belange zuständig. Gemeinsam bilden sie die Geschäftsführung des Familienbetriebes und verantworten ein Wachstum, das sich sehen lassen kann. Die Firma Classen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt, was Umsatz, Mitarbeiterzahl und Betriebsfläche angeht.

Walter Classen gründete das Unternehmen 1949 als Schlosserei in Hamburg. Bereits 1964 erfolgte der Umzug an die Industriestraße in Rellingen, wo 1987 die erste CNC Stanzmaschine zum Einsatz kam. 1991 übernahm die Familie Lange das Unternehmen von Hilde Classen, der Tochter des Firmengründers, die noch einige Jahre in der Buchhaltung tätig war. „Damals umfasste die Firma 14 Mitarbeiter, es handelte sich um einen reinen Schlossereibetrieb, in dem viel mit der Hand gemacht wurde“, so Gunnar Lange. Die Brüder, die Mitte der 90er-Jahre in die elterliche Firma einstiegen, bauten das Unternehmen um, setzten von Beginn an die Laserschneidtechnik ein. Schnell wurde die alte, 1500 Quadratmeter große Produktionshalle zu klein. Mehrfach wurde das Gebäude vergrößert, ehe 2006 Hallen auf der gegenüberliegenden Straßenseite hinzugekauft werden konnten.

Im vorigen Jahr folgte der nächste Zukauf. Das Bruderpaar erwarb 6500 Quadratmeter von der Firma Poco Domäne, die ihren Möbel- und Teppichmarkt geschlossen hatte. Die erworbenen Flächen grenzen direkt an das bisherige Firmengelände und umfassen zwei große Lagerhallen sowie ein Bürogebäude. 2,5 Millionen Euro flossen in den Kauf und die Sanierung der Gebäude, die nahezu abgeschlossen ist. Es fehlen noch Teile der Fassade, an denen derzeit gearbeitet wird. Und auch ein Umzug von Teilen der Produktion steht noch bevor. „In den vergangenen Jahren ist im Prinzip jeder Produktionsbereich schon einmal umgezogen“, erinnert sich Lange.

Es werden regelmäßig zusätzlich mindestens eine Million Euro pro Jahr in neue moderne CNC Maschinen investiert. Die nächste große Investition steht kurz bevor; der Platz für die Aufstellung einer sechsten, bis zu einer Million Euro teuren Laseranlage ist bereits freigeräumt. „Wir sind inzwischen einer der größten Blechbearbeiter im norddeutschen Raum“, sagt Lange stolz. Und die Auftragslage ist glänzend. 90 neue Kunden konnte die Firma 2013 von sich überzeugen. 75 Prozent des vergangenen Jahres wurde daher im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr gearbeitet.

„Die Durchlaufzeit pro Auftrag beträgt fünf Tage, wir bearbeiten bis zu 1000 Aufträge gleichzeitig“, erläutert der Firmenchef. Die Liefertermine könnten nachweisbar zu 99 Prozent eingehalten werden. Lange: „Die Kunden schätzen unsere Qualität und unsere Liefertermintreue.“ Inzwischen sind 60 feste Mitarbeiter sowie im Durchschnitt zehn Leiharbeiter für die Classen GmbH tätig. „Wir könnten aktuell zehn weitere Stellen besetzen, finden aber kaum geeignete Mitarbeiter dafür“, so Lange weiter. Das Steuern der Maschinen sei eine hochkomplexe Angelegenheit, die Einarbeitungszeit lang. Lange: „Es gibt leider keinen Ausbildungsberuf, der unsere Bedürfnisse genau abdeckt.“ Um künftig geeignetes Personal besser rekrutieren zu können, wird die Firma ab 2015 selbst ausbilden. „Derzeit haben wir viele Quereinsteiger wie Maurer, Tischler, Bäcker oder Dachdecker, die für uns arbeiten“, sagt Lange. Innerhalb des Betriebes gebe es sehr flache hierarchische Strukturen, sodass auch berufsfremde Mitarbeiter Karriere machen können. Jeder Mitarbeiter bekomme einen Arbeitsplan mit an die Hand, der eine klare Bedienungsanleitung bis zum fertigen Produkt vorgebe. Und das Wachstum geht weiter. Lange: „Unsere Infrastruktur würde für bis zu 120 Mitarbeiter ausreichen.“