Volksbank-Chef kritisiert überzogene Boni

Nach Auffassung von Reiner Brüggestrat haben „Managementfürsten“ in manchen Großbanken die Macht übernommen und einen Starkult etabliert

Hamburg. Die Hamburger Volksbank bleibt auf Wachstumskurs: Im vergangenen Jahr hat sie unter dem Strich gut 3000 neue Kunden gewonnen. „Von unseren 111.000 Kunden sind mehr als ein Viertel in den letzten drei Jahren neu hinzugekommen“, sagt Reiner Brüggestrat, der Vorstandssprecher des Instituts.

Zwar werde die Aussagekraft dieser Zahlen dadurch eingeschränkt, dass mittlerweile auch Privatkunden eine dritte oder vierte Bankverbindung haben. Aber die Zunahme der Kundeneinlagen um gut elf Prozent auf 1,75 Milliarden Euro trotz der niedrigen Zinsen führt Brüggestrat auch darauf zurück, dass die „genossenschaftliche Unternehmensethik“ zunehmend honoriert werde: „Die Menschen erkennen, dass bei uns ein Einfluss auf die Geschäftspolitik gegeben ist – und das schafft Vertrauen.“ Der Volksbank-Chef sieht darin einerseits die konkrete Auswirkung eines gesellschaftlichen Phänomens: Angesichts der immer komplexeren globalen Situation habe man zunehmend den Wunsch, im näheren Umfeld mitbestimmen zu können. Auf der anderen Seite sei die Anziehungskraft der nicht kapitalmarktorientierten, regionalen Banken aber auch eine Reaktion auf Fehlentwicklungen in der Branche. „In manchen Großbanken hat sich eine Starkultur herausgebildet, Managementfürsten haben dort die Gestaltungsmacht vollständig übernommen.“

Das beziehe sich gerade auch auf die Gehälter. Hätten die Vorstände in den 1980er-Jahren noch das 30-Fache eines einfachen Angestellten verdient, sei es heute das 110-Fache. „In einer Genossenschaftsbank wäre so etwas völlig undenkbar, denn im Aufsichtsrat sitzen unsere Kunden“, so Brüggestrat. Schon im Jahr 2006, also noch vor der Finanzkrise, habe das Aufsichtsgremium der Hamburger Volksbank entschieden, dass die Boni der Vorstände höchstens 50 Prozent des Fixgehalts betragen dürfen. Dagegen hat die Finanzaufsicht BaFin erst in dieser Woche kritisiert, dass bei etlichen Banken die Boni oberhalb der von der EU festgelegten Grenze von 100 Prozent und ausnahmsweise 200 Prozent des Grundgehalts liegen.

Berichten zufolge befand sich unter den gerügten Instituten auch die Deutsche Bank, deren Vorstand bereits im Jahr 2012 einen „Kulturwandel“ in Aussicht gestellt hatte. „So richtig konsequent ist man auf diesem Weg offenbar noch nicht vorangeschritten“, sagt Brüggestrat.

Zwar erreichte die Hamburger Volksbank im Jahr 2013 ein Plus bei der Kreditvergabe von gut fünf Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, zuvor hatte diese Kennzahl aber fünf Jahre in Folge im zweistelligen Prozentbereich zugenommen. Unternehmen könnten ihre Investitionen heute in vielen Fällen durch Eigenmittel finanzieren, hieß es dazu.

Doch auch die Wachstumsrate der Immobilienfinanzierungen habe sich im Laufe der vergangenen zwölf Monate spürbar abgeflacht – „schon weil gar nicht mehr so viele geeignete Objekte zu vertretbaren Preisen am Markt verfügbar waren“, erklärt der Bankchef. Trotz der deutlichen Preissteigerungen bei Häusern und Wohnungen in Hamburg sieht Brüggestrat kein Risiko für eine Immobilienpreisblase. Allenfalls in zwei oder drei eng begrenzten Gegenden der Stadt könne man von einem womöglich überzogenen Preisniveau sprechen, in 90 Prozent des Hamburger Marktes bestehe nicht die Gefahr einer Blase.

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase ist der Zinsüberschuss der Bank gesunken, dies konnte aber durch einen höheren Provisionsüberschuss durch die Vermittlung von Finanzprodukten anderer Anbieter des genossenschaftlichen Finanzverbunds wie der Bausparkasse Schwäbisch Hall oder des Fondsanbieters Union Investment ausgeglichen werden. Das Jahresergebnis lag mit insgesamt 14,7 Millionen Euro um 2,4 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert, der allerdings durch Sondererträge aufgebläht war.

Insgesamt habe der Ertrag 2013 die eigenen Erwartungen übertroffen, so Brüggestrat: „Es läuft gut.“ Er erwartet, dass sich dies im Jahr 2014 fortsetzt. Auf deutliche Gewinnsteigerungen sei man nicht angewiesen: „Mit dem jetzt erreichten Ertragsniveau ist unsere Zukunft mehr als abgesichert.“

Zwar werde die Niedrigzinsphase voraussichtlich auch 2015 und 2016 nicht enden. „Ich bin jetzt aber optimistischer als vor zwölf Monaten, dass wir gut damit zurechtkommen“, sagt der Volksbank-Chef.

So hätten die damals angekündigten Kostenanpassungen besser gegriffen als vom Vorstand erwartet. Im zurückliegenden Jahr seien 22 Stellen durch natürliche Fluktuation abgebaut worden, aktuell hat das Institut 465 Beschäftigte. „Mit dem Personalanpassungsprozess sind wir jetzt durch“, so Brüggestrat. Es gebe auch keinen Einstellungsstopp. Im vergangenen Jahr hätten mehr als 30 Personen die Bank verlassen, man suche also ständig neue Mitarbeiter.