Textilarbeiter in Kambodscha bei Streik getötet

Phnom Penh. Bei Protesten streikender Textilarbeiter sind am Freitag in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh mindestens drei Menschen erschossen worden. Die Polizei rechtfertigte den Einsatz scharfer Munition bei den Auseinandersetzungen im Fabrikviertel Veng Sreng damit, dass sonst „Anarchie“ drohe. Die Opposition und Menschenrechtler äußerten dagegen scharfe Kritik an dem Einsatz gegen die Arbeiter, die für eine Lohnerhöhung in der Textilindustrie streikten.

„Wenn wir ihnen die Fortsetzung des Streiks erlauben, wird es zu Anarchie führen“, sagte ein Polizeisprecher. Demnach wurden neun Polizisten durch Steine und Steinschleudern verletzt. Die Kambodschanische Liga für die Förderung und Verteidigung der Menschenrechte sprach von vier Toten und 21 Verletzten. Es sei die „schlimmste staatliche Gewalt gegen Zivilisten in Kambodscha seit 15 Jahren“ gewesen, erklärte die Organisation.

Die Textilarbeiter fordern eine Verdopplung des Mindestlohns von derzeit 80 Dollar (etwa 57 Euro). Eine von der Regierung zugesagte Erhöhung auf 95 Dollar ab April lehnen die Gewerkschaften als unzureichend ab. In der Textilindustrie sind rund 650.000 Menschen tätig. 400.000 von ihnen nähen für internationale Modemarken wie Gap, Nike und H&M.

Der Sektor ist eine wichtige Devisenquelle für das südostasiatische Königreich, das zu den ärmsten Ländern Asiens zählt. In jüngster Zeit häuften sich Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und Löhne. Für den seit bald drei Jahrzehnten regierenden Ministerpräsidenten Hun Sen sind die Streiks eine ernste Herausforderung. Hinzu kommen Proteste der Opposition, die ihm Fälschung der Wahlen vorwirft und seinen Rücktritt fordert. Oppositionsführer Sam Rainsy verurteilte den Polizeieinsatz. „Es ist ein inakzeptabler Versuch, nicht nur einen Arbeiterstreik, sondern die ganze Arbeiterbewegung sowie die Demokratiebewegung zu brechen, die sich in Kambodscha seit den Wahlen im Juli entwickelt.“