Kein Geld für die Renovierung

Handwerkskammer muss Arbeiten an der Zentrale am Holstenwall zeitlich strecken. Innungen fordern Schuldenabbau

Hamburg . Äußerlich sieht die Handwerkskammer noch gut aus. Doch im Inneren ist das Gebäude in einem nicht optimalen Zustand. 40 Jahre lang wurde kaum in die Renovierung investiert. Die Folgen sind gravierend. Vor allem die Sanitäranlagen müssten laut Handwerkskammer-Präsident Josef Katzer erneuert, Möbel in Büros ausgetauscht und neue Kabel verlegt werden. 11,4 Millionen Euro muss die Kammer investieren, um das vernachlässigte Haus wieder in Schuss zu bringen. Weitere 12,8 Millionen Euro sollen zwischen 2014 bis 2020 in die Renovierung eines Seniorenwohnparks der Kammer fließen. Katzer würde bereits jetzt am liebsten Hand anlegen, aber es fehlt am Geld. „Unser Ergebnis wird eine gute schwarze Null sein“, sagt Kammer-Hauptgeschäftsführer Frank Glücklich, obwohl das Betriebsergebnis, also der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen, mit 1,67 Millionen Euro zufriedenstellend gewesen sei.

Doch die Kammer muss Lücken stopfen. Wegen der derzeit niedrigen Zinsen fließt zu wenig Geld in den Pensionsfonds für die Mitarbeiter. Allein für dieses Jahr muss die Kammer als Ausgleich von entgangenen Zinseinnahmen 307.000 Euro mehr als im Vorjahr zurückstellen. 2014 erhöht sich der Mehrbetrag nach jetzigen Berechnungen nochmals um 483.000 Euro. Falls die Zinsen weiterhin nicht steigen, wird die Kammer auch danach hohe Rückstellungen für die Betriebsrenten der Mitarbeiter verkraften müssen. Zwar hat sie bereits im Jahr 2004 die Altersversorgung gedeckelt, sodass neue Mitarbeiter nicht mehr davon profitieren. Aber der Aufwand für die Beschäftigten, die bereits vor 2004 in der Kammer arbeiteten, bleibt. Erst im Jahr 2020 werde die Kammer keinen weiteren Zuwachs des Rückstellungsaufwandes für ihren Pensionsfonds leisten müssen, da dann auch viele Beschäftigte, die davon profitieren konnten, im Ruhestand sind. Dies alles werde sich aber lediglich bilanziell und nicht auf die Liquidität auswirken, heißt es.

Katzer, der ein Gebäudereinigungsunternehmen mit knapp 900 Mitarbeitern leitet, hat bereits einige Projekte angeschoben und die Kammerarbeit aus seiner Sicht transparenter gemacht. Unter seiner Ägide sind zum Beispiel erstmals die Geschäftsberichte der Institution ins Internet gestellt worden. Jeder hat Zugang, auch die rund 15.500 Handwerksbetriebe in Hamburg, die die Kammer mit ihren Pflichtbeiträgen finanzieren. Damit ist die Hansestadt im deutschen Handwerk führend.

Auch die Tradition, dass Burschenschaften die Handwerkskammer einmal im Jahr besuchen, hat er abgeschafft. „Das passte nicht mehr in die heutige Zeit“, sagt er. Zudem konnte die Kammer in den vergangenen Jahren die Zahl der Auszubildenden mit Abitur auf 16,5 Prozent erhöhen. „Damit sind wir doppelt so gut wie der Bundesdurchschnitt“, so Katzer.

Doch jetzt braucht der Kammer-Präsident viel Geduld. Eigentlich wollte er nächstes Jahr mit der Sanierung des Hauses am Holstenwall anfangen. Einen Masterplan hat er bereits erstellen lassen, sodass er sofort mit der Arbeit beginnen könnte. Doch es fehlt das Geld. Er könnte die Beiträge über die Inflationsrate hinaus für die Mitgliedsfirmen erhöhen, die letztmals 2010 deutlicher gestiegen sind, weil Geld für eine umstrittene Werbekampagne der Kammer benötigt wurde. Doch das wolle er nicht, hat er seinen Mitgliedern bereits versprochen. Deshalb werden die Arbeiten an dem Traditionsbau am Holstenwall über zehn Jahre gestreckt. Erst danach soll die Kammer wieder glänzen.

Am Donnerstagabend stellte Katzer seine Pläne für das kommende Jahr auf einer Vollversammlung der Kammer vor. Wieder brachen alte Vorbehalte aus. Denn das Verhältnis zwischen dem Präsidenten und seinen größten Innungen kann man nicht gerade als freundschaftlich bezeichnen. Die Innungen Sanitär, Bau und Bäckereien, die zu den vermögendsten Innungen in Hamburg gehören, liegen im Dauerclinch mit Katzer. Wohl auch deshalb haben sie für Donnerstag eine umfangreiche Frageliste eingereicht, bei der es hauptsächlich um die Verschuldung der Kammer in Höhe von gut 20,92 Millionen Euro geht. Und sie werden mit den Investitionsvorhaben für die Kammer und das Seniorenhaus weiter steigen, fürchten sie.

„Am Ende droht die Gefahr, dass wir der nachkommenden Generation Schulden in Höhe von rund 40 Millionen Euro aufbürden“, sagt ein Innungsmitglied, das nicht genannt werden wollte. „Es sind ja viele Sachen gut gemacht worden. Aber es muss auch einmal angestrebt werden, den Schuldenstand zu reduzieren“, meint Ulf Vollstädt von der Hamburger Bäcker-Innung im Vorfeld der Versammlung. Diese Äußerungen deuten eher nicht darauf hin, dass bald Frieden in der ehrwürdigen Hamburger Institution einkehrt.

Im nächsten Frühjahr will sich Katzer wieder zur Wahl stellen

Die Frage, wie hoch die Verschuldung mit der Realisierung der beiden Vorhaben tatsächlich steigen werden, konnte die Kammer am Donnerstagabend zum Verdruss einiger Innungsmitglieder noch nicht exakt beantworten. Nur so viel: Es soll weiteres Fremdkapital aufgenommen werden. „Wie soll das getilgt werden? Zumal die Miete im Seniorenpark nur 4,54 Euro pro Quadratmeter beträgt?“, fragt ein Innungsmitglied den Präsidenten. „Man hätte die beiden Renovierungsvorhaben zeitlich trennen sollen.“

Der Machtkampf der Handwerkskammer dürfte noch lange nicht vorbei sein. Dennoch wird sich Katzer im nächsten Frühjahr wieder zur Wahl als Präsident stellen. Die Mehrheit für ihn dürfte sicher sein. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht.

Der Streit wird aber bleiben.