Airbus will Raketenabwehr für Europa entwickeln

EADS-Konzern möchte sich an Nato-Ausschreibung beteiligen

Hamburg. Im nächsten Jahr wird der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS umgekrempelt, und das Unternehmen will sich in neuer Aufstellung einen Großauftrag sichern. Das Unternehmen wird dann in Airbus umbenannt. Zudem legt der Konzern die Rüstungs- und Raumfahrtaktivitäten, die aktuell noch als Cassidian und Astrium firmieren, zusammen. Die neu strukturierte Sparte heißt dann Airbus Space & Defence.

Und damit haben die Manager einiges vor: Nach Informationen dieser Zeitung nimmt die neue Sparte an einer Ausschreibung der Nato teil, das künftige europäische Raketenschutzschild zu entwickeln. Ein Astrium-Sprecher bestätigte die Bewerbung eines transatlantischen Teams um den Auftrag. Dessen Volumen liegt bei 67,6 Millionen Euro für zunächst vier Jahre. Dem Bewerberteam, das sich Perseus nennt, gehören neben den EADS-Sparten Astrium und Cassidian auch die Simulations- und Testunternehmen IABG aus Deutschland und TNO aus den Niederlanden, der große französische Rüstungs- und Technologiekonzern Thales sowie der führende US-Lenkwaffen- und Patriothersteller Raytheon an.

Die Nato sondiert seit gut einem Jahrzehnt, wie sie das Gebiet ihrer Mitgliedsstaaten gegen feindliche Raketen schützen kann. Auf dem Nato-Gipfel 2010 in Lissabon wurde der Aufbau eines eigenen Schutzschildes für Europa beschlossen. Das stößt auf Kritik in Russland. Politiker, Militärs und die Rüstungsindustrie verhandeln in diversen Szenarien, mit welchen Waffen eine potenzielle Bedrohung bekämpft werden soll. Seit Jahren ist EADS in Konzeptstudien eingebunden.

Die Nato-Ausschreibung betrifft jetzt den Schutz vor hochfliegenden Langstreckenraketen. Sie könnten aus mehreren Tausend Kilometer Entfernung in über 100 Kilometer Höhe anfliegen. Entwickelt werden soll beispielsweise die technische Auslegung und die Sensoren für das Schutzsystem. Das Team um Airbus Space & Defence wird bei der Ausschreibung voraussichtlich mit Boeing und Lockheed Martin konkurrieren. Die beiden US-Konzerne spielen beim US-Raketenabwehrsystem die führende Rolle. Der Gewinner der Ausschreibung für Europa soll im ersten Quartal 2014 feststehen.