Berater aus der Werkshalle

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Volker Mester

Bei der neuen Hamburger Gemeinschaftsfirma von Lufthansa Technik und McKinsey arbeiten auch Industriemeister

Hamburg. Berater werden in den unteren Etagen und den Werkshallen von Unternehmen meist mit Skepsis betrachtet. Das weiß auch Christian Langer. Doch er hat ein überzeugendes Argument, wenn er für höhere Effizienz in den Wartungshallen von Lufthansa Technik sorgen will: „Ich trage auch den gelben Lufthansa-Auswes, ich bin ein Kollege.“ Langer ist allerdings nicht nur Lufthanseat. Er ist auch Geschäftsführer von Lumics, einem Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa Technik und McKinsey, das im September seine Arbeit aufgenommen hat.

Elf Beschäftigte hat Lumics derzeit, aber es gebe „sehr ambitionierte Wachstumspläne“, sagt Nicole Röttmer, die das Gemeinschaftsunternehmen zusammen mit Christian Langer leitet. Für Ende 2014 sind bereits mehr als 30 Mitarbeiter vorgesehen. Röttmer, die etliche Jahre für McKinsey tätig war, bevor sie sich im Jahr 2011 mit einer auf Klimaschutzthemen spezialisierten Beratungsfirma in Hamburg selbstständig machte, versteht Lumics nicht als Konkurrenz zu ihrem früheren Arbeitgeber.

Dafür sei der Ansatz zu unterschiedlich: „McKinsey hat ein ganz anderes Personalkonzept, da finden Sie keine Meister oder Mechaniker in der Beratung.“ Bei Lumics gehören auch Mitarbeiter mit einem solchen Hintergrund zum Team. „Wir haben Kollegen an Bord, die bis vor einem Jahr am Flugzeug gearbeitet haben“, sagt Langer. „Das hat viel höhere Überzeugungskraft, als wenn wir uns einfach nur Jeans und Poloshirts anziehen, bevor wir in die Werkstätten gehen.“

Immer wieder stoßen Berater auf Skepsis und Vorbehalte

Vor allem hilft es dabei, Vorbehalte auszuräumen, auf die jeder klassische Berater immer wieder stößt. Nicole Röttmer hat das nicht selten erlebt: „Irgendwann kommt die Frage, wann denn die Entlassungen anfangen.“ Auch Langer kennt solche Reaktionen, obwohl er nicht „von außen“ kommt. Die Berufslaufbahn des Informatikers begann im Jahr 2004 bei Lufthansa Technik in Frankfurt. Aus der Fragestellung, wie man den Arbeitsstundeneinsatz bei den personalintensiven Flugzeugüberholungen verringern kann, entwickelte sich eine interne Beratung mit der Zielrichtung Prozessverschlankung.

Bald darauf entschied man sich, ein Zentralbüro in Hamburg dafür einzurichten. Langer übernahm die Leitung und arbeitete in dieser Funktion auch mit Beratungsunternehmen wie McKinsey zusammen. Gemeinsam gelang es, die Triebwerkswartung effizienter aufzustellen und die Durchlaufzeit in der Komponentenwerkstatt von 15 auf fünf Tage zu verkürzen.

Um Stellenstreichungen sei es dabei nicht gegangen, sagt Langer, das Ziel sei ein anderes: „Wir brauchen Effizienzsteigerungen, um wachsen zu können.“ Zwar werden derzeit bei Lufthansa Technik in Hamburg rund 400 Arbeitsplätze abgebaut. Betroffen davon ist aber die Verwaltung, nicht der produktive Bereich.

Schon bald erwachte auch außerhalb der Luftwerft das Interesse an der Arbeit von Langers Team. So erhielt man von einem deutschen Ferienflieger den Auftrag, die Wartungsprozesse zu vereinfachen. Daraus und aus den engen Kontakten zu McKinsey entstand die Idee, solche Dienstleistungen extern zu vermarkten. Vor diesem Hintergrund lag es auch nahe, Lumics auf dem Gelände von Lufthansa Technik anzusiedeln: „Direkt nebenan können wir vorführen, was unsere Arbeit bewirkt hat“, so Langer. „Wir sind nicht darauf angewiesen, nur Folien von früheren Projekten zu zeigen.“ Vor allem könne man hier den Unterschied zu den klassischen Managementberatungen demonstrieren. Denn bei Lumics legt man sehr viel Wert darauf, vor Ort sicherzustellen, dass die aus der Analyse der Abläufe gewonnenen Erkenntnisse auch umgesetzt werden und die Pläne nicht in Schubladen verschwinden.

Auch eine Porsche-Beratungstochter hat ein Büro in Hamburg eröffnet

„Menschen sind nicht extrem veränderungsfreudig“, sagt Röttmer. Will man die Beschäftigten des Kunden von den neuen Prozessen wirklich überzeugen, erfordert das intensive Betreuung über bis zu zwei Jahre – ein Aufwand, den sich wegen der hohen Stundensätze vieler großer Beratungsfirmen kaum ein Unternehmen leisten würde.

Schon deshalb sieht Nicole Röttmer Lumics nicht als Wettbewerber von McKinsey, sondern als sinnvolle Ergänzung. Auf eine enge Verbindung mit der Praxis achte man aber auch in den frühen Phasen der Projekte: „Wir verbringen den Großteil unserer Zeit in den Werkstätten und arbeiten zeitweise selber mit, um zu sehen, was körperlich zu schaffen ist“, sagt Röttmer.

Die Nachfrage nach dieser Form der Beratung ist nach Einschätzung von Langer immens. Potenzielle Kunden gebe es in der Industrie, der Öl- und Gasförderung, aber auch im Pharmasektor. Allerdings ist Lumics auf diesen Feldern keineswegs konkurrenzlos. Gerade hat Porsche Consulting ein Büro in Hamburg mit 40 Beschäftigten eröffnet. Genau wie Lumics kommt die Porsche-Tochter aus der Praxis, auch sie entstand als interne Beratung. Lumics könne sich angesichts der eigenen Geschichte aber mit einer besonderen Kompetenz von Wettbewerbern abheben, sagt Langer: „Wir können glaubhaft machen, dass wir Wege finden, die Effizienz zu steigern, ohne die Sicherheit infrage zu stellen.“

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