Deutschland bewahrt Euro-Zone vor Stagnation

Wiesbaden/Luxemburg. Europas Konjunkturmotor Deutschland läuft nicht mehr auf Hochtouren. Nach einem starken Frühjahr ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt im Vergleich zum Vorquartal nur noch um 0,3 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Doch das reichte, um die Wirtschaft im gesamten Euro-Raum vor der Stagnation zu bewahren. In den Staaten der Währungsunion stieg das BIP im dritten Quartal leicht um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. „Die Wirtschaft der Euro-Zone ist aus der Rezession heraus, die Bäume werden aber keineswegs in den Himmel wachsen“, sagte Allianz-Ökonomin Claudia Broyer.

Dass der deutsche Konjunkturmotor zuletzt nicht mehr so rund lief, überrascht nicht. Denn für das kräftige Plus von 0,7 Prozent im zweiten Quartal hatten auch Nachholeffekte am Bau gesorgt. Von Juli bis September kamen positive Impulse ausschließlich aus dem Inland. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates waren etwas höher als im Vorquartal. Außerdem wurde erneut mehr investiert, sowohl in Ausrüstungen als auch in Bauten. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg das BIP um 1,1 Prozent. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner sagte: „Die Erholung geht weiter, sie bleibt aber moderat – mehr kann man angesichts der weiter fragilen Lage in Europa wohl auch nicht erwarten.“

Besonders Frankreich enttäuschte. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte zum Vorquartal um 0,1 Prozent. Laut Ökonomen würden dringend notwendige Investitionen zurückgestellt, was die Wirtschaft bremst. Italien meldete ein Minus von 0,1 Prozent. Spanien überwand hingegen nach mehr als zwei Jahren erstmals wieder die Rezession, die Niederlande nach einem Jahr. Das BIP wuchs jeweils um 0,1 Prozent.