65. Eisbeinessen im CCH

Schifffahrtsbranche fordert bessere Verkehrswege

Rund 5000 Gäste beim 65. Eisbeinessen im CCH. Es ist die größte Branchenveranstaltung weltweit. Die Elbfahrrinne und der Nord-Ostsee-Kanal waren zentrale Themen.

Hamburg. Das Haus war voll, wie immer in den vergangenen Jahren. Rund 5000 Schifffahrtskaufleute aus der ganzen Welt sind am Freitagabend zum 65. Eisbeinessen der Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten (VHSS) im Congress Centrum Hamburg (CCH) zusammengekommen.

Insgesamt besuchten Hamburg nach Angaben der VHSS in der zurückliegenden Woche rund um das weltweit wichtigste Treffen der Schifffahrt etwa 8000 Branchenvertreter. Zahlreiche Hamburger Unternehmen organisieren traditionell vor dem Eisbeinessen oder zeitgleich dazu eigene Veranstaltungen. Partnerland des diesjährigen Jubiläums war Dänemark, vertreten durch seinen Botschafter in Deutschland, Per Poulsen-Hansen, und durch Tonny Dalhøj Paulsen, Vorsitzender der Vereinigung dänischer Schifffahrtskaufleute.

Inhaltlich stand beim Eisbeinessen, wie auch schon beim Senatsempfang am Donnerstagabend, der Zustand der Infrastruktur im Mittelpunkt. Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) sagte, Großprojekte wie die Elbvertiefung, die Modernisierung des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) oder die geplante Tunnelquerung des Fehmarnbelts seien für die deutsche wie für die dänische Wirtschaft gleichermaßen wichtig. Speziell bei der geplanten Vertiefung und Verbreiterung der Elbfahrrinne müsse es Bewegung geben. Das Planfeststellungsverfahren liegt seit Oktober 2012 nach Klagen von Umweltverbänden zur Prüfung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig: „Hamburg und die Planungsbehörde des Bundes werden alles tun, damit dieses Vorhaben zügig und erfolgreich umgesetzt werden kann“, sagte Horch. „Aus unserer Sicht ist es nicht nötig, in diesem Zusammenhang den Europäischen Gerichtshof anzurufen. Wir bleiben optimistisch, dass das Bundesverwaltungsgericht in unserem Sinne entscheiden wird.“

Schifffahrtsmanager Dalhøj Paulsen wies auf die kritische Lage am NOK hin, der international Kiel Canal heißt: „Modernisierung und Ausbau des Kiel Canals stehen seit Jahrzehnten auf der Agenda, bislang mit eher kargen Resultaten. Der Kanal ist äußerst wichtig für den Handel und Verkehr von Norddeutschland in die baltischen Staaten wie auch in die dänischen Häfen“, sagte er. „Angesichts größerer Schiffe und mehr Ladungsvolumen wird es Zeit, Lösungen zu finden. Wir hoffen, dass Deutschland die Finanzierung und die Planungen für eine Modernisierung des Kanals bald abschließen wird.“

Der VHSS-Vorsitzende Christian Koopmann mahnte Investitionen in die Hinterlandanbindungen der deutschen Häfen und Schifffahrtswege an. „Beim Ausbau der Wasserstraßen und der Hinterlandanbindungen waren in den vergangenen Jahren kaum Fortschritte zu sehen“, sagte er. „Weder die Fahrrinnenanpassungen auf der Weser noch auf der Elbe sind umgesetzt, noch findet der Ausbau der Hinterlandanbindungen der norddeutschen Häfen per Straße und Bahn im nötigen Maße statt.“

Sollte es der neuen Bundesregierung nicht gelingen, mehr Mittel für Investitionen in die Hafeninfrastruktur bereitzustellen, werde dies „bereits kurzfristig Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation der deutschen Häfen haben“, sagte Koopmann: „Es ist schon lange nicht mehr die Frage, ob immer mehr, immer größere Schiffe eingesetzt werden, sondern nur, welche Häfen sie anlaufen.“ Der Wettbewerb der Hafenstädte an der Nordsee werde sich weiter verschärfen. Es sei deshalb dringend nötig, mehr Preis- und Kostentransparenz zwischen den Häfen herzustellen, um unfairen Praktiken und Monopolbildungen entgegenzuwirken, sagte Koopmann mit Blick auf entsprechende Vorschläge der EU-Kommission: „In den Häfen darf keine Monopolstellung einzelner Anbieter entstehen. Es muss sichergestellt werden, dass neue Flächen und Dienste verpflichtend öffentlich ausgeschrieben werden. Das gilt auch bei wesentlichen Änderungen bestehender Flächen.“

Die Schließung des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) in der zurückliegenden Woche zeigte einmal mehr, dass die Infrastruktur für die Schifffahrt in Norddeutschland an ihre Grenzen stößt. Die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt war nach der Havarie zweier Schiffe für mehrere Tage vollständig gesperrt worden, da eines von ihnen im Kanal zu sinken drohte. Im Lauf des Jahres gab es bereits erhebliche Behinderungen am NOK wegen der maroden Schleusen in Brunsbüttel und wegen Streiks des Schleusenpersonals. Zubringerschiffe von Hamburg in Richtung Ostsee und retour müssen dann mehrere Hundert Kilometer um die Nordspitze Dänemarks bei Skagen herumfahren, was erhebliche Mehrkosten verursacht.

Das Eisbeinessen begann 1948 am Hamburger Hafen mit 110 Teilnehmern

Das Eisbeinessen hat sich in den vergangenen 65 Jahren zum weltweit wichtigsten Treffen von Schifffahrtskaufleuten entwickelt. Am 5. November 1948 trafen sich 110 Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten auf dem Hotelschiff „St. Louis“ am Hafen zur ersten dieser Veranstaltungen. In den vergangenen zehn Jahren wuchs die Zahl der Teilnehmer auf mehr als 5000 an, rund 5200 zählte die VHSS im Rekordjahr 2008. Seit 1974 wird das Eisbeinessen im CCH veranstaltet. Die Versorgung von gut 5000 Menschen dort mit Menüs und Getränken innerhalb kürzester Zeit gilt als eine Meisterleistung gastronomischer Logistik.

Wirtschaftssenator Horch freute sich darüber, dass Dänemark in diesem Jahr das Partnerland der Veranstaltung war: „Dänemark ist eine der großen Schifffahrtsnationen. Das Land wird, wie Hamburg auch, geprägt von der maritimen Wirtschaft.“