Otto greift im Möbelhandel an

Hamburger Konzern will Onlinegeschäft ausbauen. Umsatz der Kerngesellschaft wächst um fast zehn Prozent

Hamburg. Nach der Ausweitung des Modegeschäfts im Frühjahr dieses Jahres will der Hamburger Handelskonzern Otto die Konkurrenz nun im Onlinehandel mit Möbeln attackieren. „Wir werden in diesem Bereich richtig Gas geben und einen zweistelligen Millionenbetrag in den Ausbau unserer Aktivitäten investieren“, kündigte der Konzernvorstand des Bereichs Multichannel-Distanzhandel, Alexander Birken, am Donnerstag an.

Neue, hochwertige Marken, ein breiteres Sortiment und spezielle Webseiten etwa für Betten und Matratzen sollen der deutschen Kerngesellschaft Otto in diesem Bereich bis zum Jahr 2015 einen Umsatzzuwachs im dreistelligen Millionenbereich bescheren.

Schon heute wird nach Birkens Worten jedes dritte Möbelstück, das in Deutschland über das Internet verkauft wird, bei Otto bestellt. Umgerechnet rund 70 Lastwagen voll mit Betten, Sofas oder Schrankwänden verlassen täglich die Lager des Handelskonzern, der sich damit als Branchenprimus im Internetgeschäft mit Möbeln, noch vor Größen wie Ikea, sieht.

Dass die Hamburger nun noch einmal kräftig in dieses Segment investieren, kommt für Branchenbeobachter nicht unerwartet. Schon lange wird der Onlinehandel mit Möbeln als der nächste große Wachstumsbereich im Netz gehandelt. Zahlreiche Wettbewerber bringen sich derzeit in Stellung oder stärken sich mit neuen Investoren für den Kampf um Marktanteile.

Zwar ist der Onlineanteil am gesamten deutschen Möbelgeschäft mit gerade einmal 3,9 Prozent noch vergleichsweise gering, beim gesamten deutschen Einzelhandel liegt er mittlerweile bei 7,7 Prozent. Doch das Kölner Handelsinstitut IFH rechnet damit, dass der Umsatz in diesem Jahr um rund 40 Prozent auf knapp 900 Millionen Euro steigen wird.

„Der noch unterdurchschnittliche Online-Anteil in der Branche weist darauf hin, dass das Ende des Wachstums noch lange nicht erreicht ist“, sagt Hansjürgen Heinick vom IFH. Der Bereich weise „enormes Potenzial“ auf. Derzeit seien Tische, Stühle und Bänke nach Schlafzimmermöbeln die größten Erlösbringer.

Besonders auffallend gebärdet sich in dem Geschäft derzeit der Berliner Anbieter Home24. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben im Spätsommer die Marke von 500.000 Kunden geknackt und will nun ein „Zalando für Möbel“ werden, wie die Geschäftsführer ankündigten. Der Vergleich mit dem stark wachsenden Anbieter von Textilien und Schuhen kommt nicht von ungefähr, denn Home24 gehört wie Zalando zum E-Commerce-Investor Rocket Internet, hinter dem die als besonders aggressiv geltenden Samwer-Brüder stehen. Gerade ist auch die Supermarktkette Rewe bei Home24 eingestiegen, um „neue Erfahrungen im Onlinehandel“ zu sammeln.

Der größte deutsche Möbelhändler Ikea hält sich im Internet hingegen noch auffallend zurück. Die Schweden haben zwar ebenfalls einen eigenen Onlineshop aufgebaut, der in der Branche allerdings als wenig innovativ gilt.

Otto sieht sich gegen die Konkurrenz nicht nur durch ein besonders großes Sortiment gerüstet, sondern auch durch den eigenen Kundenstamm. „Eines der größten Probleme im Möbelgeschäft besteht darin, genügend Frequenz auf der eigenen Seite zu erzeugen, weil Kunden nur alle paar Jahre ein neues Sofa oder einen Tisch kaufen“, sagt Konzernvorstand Birken. Bei Otto schauten die Verbraucher aber ohnehin regelmäßig vorbei, um Mode oder Unterhaltungselektronik zu ordern.

Insgesamt ist Otto im Kerngeschäft im ersten Halbjahr wieder auf einen kräftigen Wachstumskurs zurückgekehrt. Die deutsche Einzelgesellschaft des weltumspannenden Konzerns werde den Umsatz im laufenden Geschäftsjahr „annähernd zweistellig“ steigern und die eigenen Erwartungen damit deutlich übertreffen, so Birken. Ursprünglich hatte sich das Management ein Wachstum im einstelligen Prozentbereich vorgenommen. Zugleich klettere die Rendite und werde in diesem Jahr wahrscheinlich am oberen Rand des Zielkorridors von drei bis fünf Prozent liegen, prognostizierte Birken.

Bei einem guten Verlauf des Weihnachtsgeschäfts sei sogar ein noch höheres Umsatzwachstum möglich, fügte der Manager hinzu. Im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/2013 hatte die Otto-Kerngesellschaft den Umsatz wegen des laufenden Umbaus lediglich um zwei Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gesteigert.

Das Hamburger Familienunternehmen mit einem Gesamtumsatz von zuletzt knapp zwölf Milliarden Euro investierte einen dreistelligen Millionenbetrag in neuen Technologien und Werbung, um gegen die immer stärkere Internetkonkurrenz zu bestehen. Dabei wurde im Rahmen des Programms Fokus auch Personal abgebaut. Dies sei aber vollständig ohne betriebsbedingte Kündigungen gelungen, so Birken.

Im wichtigen Modegeschäft hat Otto wie andere Wettbewerber auch mit hohen Retourenquoten von rund 50 Prozent zu kämpfen. Die Kosten dafür trägt Otto und will dies auch nicht ändern, falls die EU den Handelsunternehmen nächstes Jahr erlaubt, die Kunden dafür stärker zur Kasse zu bitten.