Kommentar

Apple muss offener werden

Bob Geisler

Es gab Zeiten, da konnte sich der Computerhersteller Apple so ziemlich alles erlauben. Produkte wie iPhone oder iPad übten eine derart große Faszination auf die weltweite Kundschaft aus, dass dem US-Konzern auch seine chronische Verschwiegenheit, schlechte Arbeitsbedingungen bei asiatischen Zulieferern und das oft arrogante Verhalten des Führungspersonals verziehen wurde.

Doch seit dem Tod des charismatischen Firmengründers Steve Jobs scheint das einst wertvollste Unternehmen den Gipfel des Erfolgs überschritten zu haben. Neue Modellvarianten wie ein goldenes iPhone oder ein eingebauter Fingerabdrucksensor lösen nur noch bei eingefleischten Fans Begeisterungsstürme aus, der Aktienkurs des Konzern befindet sich auf Talfahrt.

Vor diesem Hintergrund rücken nun auch die problematischen Seiten des Apple-Kults vermehrt ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Zunehmend muss sich der Konzern Fragen über die Arbeitsverhältnisse im Unternehmen gefallen lassen. Dabei zeigt sich, dass Apple, wie manch anderer US-Konzern auch, ein zumindest zwiespältiges Verhältnis zu den deutschen Arbeitnehmerrechten und dem Mitbestimmungsgesetz hat. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass ganz normale Auskunftswünsche des Hamburger Betriebsrats über das installierte Kamerasystem ignoriert oder einfach nicht beantwortet werden.

Damit leistet das Unternehmen aber nur all jenen Kritikern Vorschub, die in Apple ohnehin einen Big Brother sehen, der Mitarbeiter wie Kunden gleichermaßen kontrollieren möchte. Ein größeres Maß an Transparenz täte dem Konzern gut.

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