Frank Thielert verlässt Gefängnis

Prozess wegen Kapitalanlage- und Kreditbetrug geht gegen den Hersteller von Flugzeugmotoren aber weiter

Hamburg. Es war der wohl bisher schwärzeste Tag in der Vita des ehrgeizigen Firmengründers. „Sie sind verhaftet“, lautete der Satz, der wie ein Paukenschlag das Leben des Hamburger Unternehmers Frank Thielert durcheinanderwirbelte. Doch jetzt, nach knapp drei Monaten in Untersuchungshaft, konnte der ehemals erfolgsgewohnte Mann wieder das Gefängnis verlassen. Das Landgericht, vor dem sich der 48-Jährige seit April wegen Betruges und Urkundenfälschung verantworten muss, setzte ihn auf freien Fuß. „Jetzt kann er sich wieder um seine Familie und seine Firma kümmern“, sagte sein Verteidiger Jürgen Wessing. Allerdings musste Thielert eine Kaution hinterlegen. Es sei ein „messbarer Betrag“, verriet der Anwalt. Nach Informationen des Abendblatts handelt es sich um eine Million Euro.

Der Aufstieg in rasante Höhen und der tiefe Fall: Frank Thielerts Leben ist von dramatischen Veränderungen geprägt. Er ist der Mann, der mit seiner Idee, Sportflugzeuge mit Dieselmotoren auszustatten, eine Weltneuheit schuf und den Flugzeugbau revolutionierte. Der seine schnell wachsende Firma an die Börse führte, dessen Unternehmen zeitweise mit einer halben Milliarde Euro notierte.

Prozess gegen Frank Thielert dauert bereits fünf Monate

Der allerdings dann offenbar mit seiner Firma ins Schleudern geriet und dem nun seit fünf Monaten der Prozess wegen Betruges gemacht wird. Laut Anklage soll Thielert die Buchung von Scheinumsätzen im Umfang von 6,5 Millionen Euro veranlasst haben, um der Firma einen Bankkredit zu sichern und einen Gewinn im Jahresabschluss 2004 ausweisen zu können – dieser war auch Grundlage für den damaligen geplanten Börsengang.

Die Verhaftung war für Thielert vollkommen überraschend gekommen. Mit versteinertem Gesicht, sprach- und fassungslos hatte er der Begründung des Gerichts gelauscht und sich dann, scheinbar wie in Trance, direkt vom Verhandlungssaal ins Untersuchungsgefängnis führen lassen. Dort musste der 48-Jährige, der ein Leben auf der Überholspur gewöhnt war, sich unter anderem mit streng reglementierten Besuchszeiten und dem Verzicht auf alles Persönliche wie Armbanduhr oder Gürtel zurechtfinden. Seine Verteidiger hatten die Verhaftung seinerzeit als „vollkommen überzogen“ bezeichnet. Doch eine Beschwerde seiner Anwälte hatte das Hanseatische Oberlandesgericht abgelehnt.

Am Ende könnten den Angeklagten hohe Haftstrafen drohen

„Aber Herr Thielert ist ein Kämpfer“, meinte Wessing jetzt. „Ich habe so gut wie nie jemanden erlebt, der die Untersuchungshaft so gut verkraftet hat wie er.“ Die Verhaftung aus der Hauptverhandlung heraus hatte das Gericht mit Fluchtgefahr begründet, weil Thielert, der sich zusammen mit zwei Mitangeklagten verantworten muss, eine mehrjährige Haftstrafe drohe. Zudem sei er in der Lage, größere Summen Geld ins Ausland zu schaffen.

Nach vorläufiger Bewertung der Beweisaufnahme gehe die Kammer davon aus, dass die Angeklagten als Mitglieder einer Bande sowie gewerbsmäßig gehandelt haben könnten. Das könnte eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren bedeuten. Es sehe danach aus, dass sich die Angeklagten dazu entschlossen haben, die wirtschaftliche Lage ihrer Firma gegenüber Geldgebern sehr viel positiver darzustellen, als sie tatsächlich war. Damit hätten sie erreichen wollen, dass ihnen weitere Geldmittel zur Verfügung gestellt werden. „Andernfalls drohte die Insolvenz. Sämtliche Kapitalgeber wurden systematisch getäuscht“, hieß es in der Begründung der Kammer. Der Vermögensschaden betrage nach vorläufiger Einschätzung rund 4,3 Millionen Euro.

Doch Thielerts Anwälte bezweifeln die Schadenshöhe und beantragen jetzt ein Gutachten. Das bedeutet, dass der Prozess, der bislang bis in den November hinein terminiert ist, möglicherweise noch weitere Zeit dauern könnte.