Tarifkonflikt

Beschäftigte wollen Nord-Ostsee-Kanal lahmlegen

Der Tarifkonflikt zwischen Ver.di und dem Bundesverkehrsministerium erhält neue Nahrung. Reeder, Spediteure und Kreuzfahrtunternehmer beklagen nach Arbeitsniederlegungen an Binnenwasserstraßen bereits Millionenverluste.

Hamburg/Berlin. Die maritimen Verbände haben sich angesichts der andauernden Streiks von Mitarbeitern der Wasserstraßen und Schleusen mit einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. Darin wird die Kanzlerin aufgefordert, sich für einen Notfallplan zum Betrieb der Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal einzusetzen. Hintergrund ist ein Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di an die Beschäftigten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, in der kommenden Woche bundesweit zu streiken. Dabei soll auch der Nord-Ostsee-Kanal vom Montag bis Sonntag komplett lahmgelegt werden.

„Die langfristigen Folgen, die sich aus diesem Streik ergeben, sind dramatisch“, heißt es in dem Schreiben, dass vom Zentralverband der Seehafenbetriebe, vom Verband Deutscher Schiffsmakler, der Bundeslotsenkammer und der Initiative Kiel Canal unterzeichnet ist. „Bei Schließung des Nord-Ostsee-Kanals fahren die Schiffe um Skagen – möglicherweise auch direkt von Antwerpen oder Rotterdam und nicht mehr von Bremerhaven oder Hamburg. Diese Verschiebung von Verkehrsströmen beobachten wir seit Streikbeginn mit täglich steigender Tendenz“, warnen die Unterzeichner Merkel. Es wäre fahrlässig zu glauben, dass einmal abgewanderter Verkehr einfach zurückkehre, wenn sich die Streiksituation kurzfristig wieder normalisiere.

Es müsse daher alles unternommen werden, um eine Sperrung des Kanals durch weitere Protestaktionen von Ver.di zu vermeiden. Dazu bedürfe es eines Notfallplans, der den Betrieb sicherstellt. „Gemeinsam mit Lotsen, Reedern und maritimen Dienstleistungsbetrieben kann ein solcher Notbetrieb aufrechterhalten werden“, heißt es in dem Schreiben. Merkel wird gebeten, sich für diesen Plan einzusetzen, der auch den Einsatz von Drittunternehmen als Streikbrecher einschließt.

Damit erhält der seit Monaten andauernde Tarifkonflikt zwischen Ver.di und dem Bundesverkehrsministerium neue Nahrung. Reeder, Spediteure und Kreuzfahrtunternehmer beklagen nach Arbeitsniederlegungen an Binnenwasserstraßen bereits Millionenverluste. Laut Ver.di gibt es andererseits noch immer keine verbindliche Zusage des Bundes für die Zukunft der rund 12.000 Beschäftigten in den Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen. Es geht dabei um den geplanten und weitreichenden Umbau der Ämter, von dem jede vierte Stelle betroffen sein soll. Ver.di verlangt Kündigungsschutz.