Verbraucher geben für Fisch so viel Geld aus wie noch nie

Hamburger bezahlen im Schnitt zwölf Euro pro Kilo – im Bundesschnitt sind es nur acht Euro. Die Branche setzt auf steigende Mengen

Hamburg. Verbraucher in Hamburg lassen sich Fisch und Meeresfrüchte deutlich mehr Geld kosten als die Menschen in anderen Bundesländern. So liegt nicht nur der Pro-Kopf-Verzehr mit 7,2 Kilogramm deutlich über dem Durchschnitt von 5,2 Kilogramm Produktgewicht. Die Hansestädter mögen es zudem offenbar etwas exklusiver: Während die Deutschen im Schnitt acht Euro pro Kilo Fisch oder Fischprodukt ausgeben, „sind die Hamburger bereit, dafür zwölf Euro hinzulegen“, sagte Thomas Lauenroth, Vorsitzender des Fisch-Informationszentrums (FIZ).

Auf Basis der Daten der ersten sieben Monate erwartet er einen Zuwachs der Einkaufsmenge in diesem Jahr: Bis Ende Juli hat die Menge um ein Prozent zugelegt und die Ausgaben haben sich um fünf Prozent erhöht. Angesichts der „positiven Grundeinstellung“ der Deutschen dem Fisch gegenüber rechnet Lauenroth mittelfristig mit einem Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs, hier gemessen am Fanggewicht und nicht am Produktgewicht, von zuletzt 15,2 auf 16 Kilogramm. Langfristig erhofft er sich sogar einen Verbrauch von 19 Kilogramm, was dem weltweiten Durchschnitt entspricht – in Norwegen, Japan, Portugal und Island werden jährlich pro Person mehr als 50 Kilo Fisch verzehrt.

Dabei setzt Lauenroth auch auf Veränderungen im Handel in Deutschland. „Immer mehr Discounter bieten auch abgepackten Frischfisch an“, sagt er. Lidl habe damit begonnen, andere Ketten seien dabei, nachzuziehen. Mit einem Marktanteil von 50 Prozent haben die Discounter beim Fischverkauf in der Bundesrepublik noch immer die Nase vorn, gefolgt von den übrigen Supermärkten mit 36 Prozent. Fachgeschäfte kommen insgesamt nur auf einen Anteil von sechs Prozent, lediglich beim Verkauf von Frischfisch liegt der Marktanteil der Fachgeschäfte (29 Prozent) weit über dem der Discounter.

Zwar ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland im Jahr 2012 leicht von 15,5 auf 15,2 Kilogramm gesunken, die Gesamtausgaben der Haushalte für Fisch und Meeresfrüchte erreichten aber laut FIZ mit 3,3 Milliarden Euro eine neue Höchstmarke. Denn die Preise erhöhten sich um 4,9 Prozent, legten damit stärker zu als die Nahrungsmittelpreise insgesamt (plus 3,4 Prozent). Einzelne Produktgruppen verteuerten sich noch viel stärker. So wurde für Fischkonserven aufgrund höherer Rohwarenpreise für Heringe ein Preisanstieg von 11,8 Prozent verzeichnet.

Hinter dem Alaska-Seelachs mit einem Verbrauchsanteil von 26 Prozent ist der Hering (18 Prozent) weiter der zweitbeliebteste Fisch bei den Deutschen. Auf den weiteren Plätzen rangieren Lachs (15 Prozent), Thunfisch (elf Prozent) und Pangasius (3,5 Prozent). Allerdings rechnet Lauenroth damit, dass die Forelle den Pangasius demnächst in der Gunst der Verbraucher überholt.

Der FIZ-Vorsitzende geht davon aus, dass die Fischereiwirtschaft angesichts der positiven Entwicklung vieler Fischbestände eine steigende Nachfrage befriedigen kann. „Hier können wir feststellen, dass alle in der EU ihre Hausaufgaben im Sinne einer nachhaltigen Fischereipolitik gemacht haben“, so Lauenroth. Unzufrieden ist er allerdings mit einer anderen Idee aus Brüssel: Den Plänen zufolge soll auch Frischfisch ein Mindesthaltbarkeitsdatum bekommen. „Das ist für den Handel ein enormer Aufwand und es macht überhaupt keinen Sinn“, sagt Lauenroth. „Wir hoffen, das noch verhindern zu können.“