Sex-Shop

Erotik für Frauen bringt Beate Uhse zurück in die Gewinnzone

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Martina Scheffler

Neuer Slogan, neues Geschäftsmodell: Beate Uhse und Orion schreiben wieder schwarze Zahlen. Doch das Geschäft mit der Erotik leidet weiter unter dem Internet.

Flensburg. Wenn es so etwas wie eine Erotikhauptstadt in Deutschland gibt, dann muss es Flensburg sein. Das ist vor allem das Verdienst von Beate Uhse, die in der Stadt an der dänischen Grenze 1962 den ersten Sexshop der Welt eröffnete. Aus dem Geschäft entwickelte sich ein weltweit operierendes Unternehmen mit aktuell 700 Beschäftigten. Auch der zweite Erotikkonzern aus Flensburg, Orion, entstand aus Beate Uhses Firma. Inzwischen hat er den einstigen Branchenführer in Sachen Filialnetz überrundet und ist nach eigenen Angaben die größte Erotik-Fachgeschäftskette im Lande.

Doch die Branche hat durch Angebote im Internet gelitten. Wenn die Beate Uhse AG am Montag zur Hauptversammlung lädt, werden die Aktionäre wohl nur mit vorsichtigen Hoffnungen kommen. Jahrelang hatte die Aktie an Wert verloren, nun stieg sie wieder und liegt bei etwa 77 Cent. Es gab Zeiten, da waren es mehr als sieben Euro.

Gerade wurde auch der Firmenstammsitz an ein Möbelunternehmen aus der Region verkauft. Künftig wollen der Erotikkonzern und der Experte für schönes Wohnen sich das Gebäude teilen. Bei der Tochterfirma beate uhse new media gab es 2013 einen Stellenabbau. Allerdings haben laut der AG inzwischen alle Betroffenen in ein neues Beschäftigungsverhältnis gewechselt oder werden dies tun.

Einen Grund zur Hoffnung gibt es aber für die Aktionäre: Der Geschäftsbericht 2012 vermeldete wieder schwarze Zahlen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) beträgt 1,4 Millionen Euro nach einem Verlust von minus 5,2 Millionen Euro im Vorjahr, teilte die AG mit. Der Umsatz war 2012 mit 144 Millionen Euro etwas schwächer (2011: 149 Mio). In den vergangenen Jahren hatte Beate Uhse vor allem auf Frauen als Kundengruppe gesetzt und das Sortiment auf Wäsche und Sex-Spielzeug umgestellt. Nun soll die Fokussierung auf die Frauen weitergehen: Unter anderem mit einem neuen Logo im Farbton Rubinrot, heller und verspielter als das bisherige.

Auch der Slogan „Sex up your life“ weicht. „Wir haben monatelang mit ganz vielen Frauen gesprochen“, sagt Unternehmenssprecherin Doreen Schink. Diese wollten eine „liebevolle, augenzwinkernde Ansprache“. Das alte Logo mit einer stilisierten 69 spreche mehr die Männer an. Inzwischen seien aber 80 Prozent der Produkte für Frauen. Neuerungen gibt es auch im Vorstand: Künftig wird Erwin Cok, Sohn des Aufsichtsratsvorsitzenden Gerard P. Cok, für das operative Geschäft verantwortlich sein. Ob die Aktionäre die neuen Farben und Gesichter zuversichtlicher stimmen als noch 2011, als Worte wie „Desaster“ und „bittere Geschichte“ fielen, bleibt abzuwarten.

Das Geschäft mit der Lust hat inzwischen – indirekt – sogar der Tourismus in Flensburg entdeckt. „LUST auf Flensburg – Auf den Spuren der Erotik“ – dieses Reisepaket bietet die örtliche Tourismusorganisation in Zusammenarbeit mit Orion an. Inbegriffen ist neben dem Punkt „Verführerisches von Orion“ auch ein Besuch einer Altstadtgasse, dem Oluf-Samson-Gang, der über Jahrzehnte als schönstes Bordell der Welt galt, inzwischen aber begehrtes Wohngebiet für ganz Bürgerliche geworden ist.

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