Kommentar Vattenfall

Schwedisches Chaos

Erst kauften sie die Hamburger HEW und nannten sie in Vattenfall um. Jetzt sieht es so aus, als wollten sie die deutsche Beteiligung abspalten

Was ist bloß los mit den Schweden? Vor knapp 13 Jahren übernahm der Staatskonzern Vattenfall die Mehrheit an dem ehemaligen Hamburger Stromversorger HEW, der später in Vattenfall umbenannt wurde. Anschließend kauften sie den Berliner Stromversorger Bewag. Es herrschte Goldgräberstimmung auf dem gerade liberalisierten Energiemarkt. Die Schweden hatten sich vorgenommen, zu einem der großen Konzerne in der europäischen Branche zu werden. Sie wiesen ihre neue deutsche Tochter an, im Strombereich alles zu kaufen, was zu haben war. Vattenfall engagierte sich in Polen, Dänemark, Großbritannien, kaufte Stadt- und Kraftwerke. Die damals hohen Strompreise machten es dem Unternehmen leicht.

Doch nach der Kauflust kam die Ernüchterung. Der Plan, zum internationalen Spieler zu werden, platzte, auch weil die Preise an der Strombörse fielen und die Kernkraftwerke der ehemaligen HEW nicht mehr billigen Atomstrom liefern konnten. Ehemalige Beteiligungen wurden wieder verkauft. Am Dienstag nun die nächste Variante: Wegen dramatisch sinkender Gewinne sollen nun plötzlich alle Beteiligungen, die nicht schwedisch sind, von dem Konzern abgetrennt werden. Betroffen ist vor allem die deutsche Tochter.

Was wollen die Schweden damit erreichen? Glauben sie tatsächlich, dass mit mehr Eigenständigkeit gleichzeitig mehr Erfolg verbucht werden kann? Oder ist die Abspaltung der erste Schritt, das nicht schwedische Geschäft zu verkaufen, etwa wenn die deutsche Politik bei der Energiewende querschießt? Das wäre ein Fehler. Schließlich erwirtschaftet Vattenfall Deutschland mit seinen Braunkohlekraftwerken mehr als die Hälfte des Konzerngewinns. Was immer die Zukunft bringt, die Schweden haben mit der Verkündung ihrer Pläne vor dem Volksentscheid über die Zukunft der Hamburger Netze der deutschen Tochter keinen Gefallen getan.