Harburg – Hochburg der Gründer

Millioneninvestition im hit-Technologiepark. Rund 100 Unternehmen sind bereits auf dem Areal

Hamburg. Die Lage ist geschichtsträchtig. Bis 1965 produzierte in Harburg die Firma Vidal & Sohn Tempo-Lieferwagen. Das waren dreirädrige Gefährte, die vor allem von Handwerkern genutzt wurden. Damals war Tempo ein Hightech-Unternehmen, die Stadt nannte sogar die Straße, in der die Fabrikgebäude des Lkw-Herstellers lag, Temporing. In den 60er-Jahren wurde das Unternehmen von Hanomag-Henschel übernommen.

Heute residiert der hit-Technopark in den alten Hallen. Besucher, die sich im Foyer anmelden, könnten den Eindruck gewinnen, sie seien in einer Galerie. Zahlreiche Gemälde hängen an den Wänden der ehemaligen Autofabrik. „Mein Vater ist Kunstsammler“, sagt Christoph Birkel, dessen Vater Wolfram den hit-Technopark vor 15 Jahren von Professoren der TU Harburg übernommen hat. Schon seit zwölf Jahren gibt es wechselnde Kunstausstellungen in dem Gebäude. Das sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Für seine kulturellen Bemühungen wurde das Unternehmen 2012 mit dem KulturMerkur der Handelskammer und der Hamburgischen Kulturstiftung ausgezeichnet.

Auch heute finden in den ehemaligen Werkshallen Unternehmen mit Sinn für Technik einen Platz. „Wir haben bislang mindestens 300 Unternehmen zeitweilig in unseren Gebäuden untergebracht“, sagt Birkel. Viele Existenzgründer, denen Birkel auch mal eine Anschubfinanzierung als Investor gibt, sitzen als Mieter in den Büroräumen und können an Ideen tüfteln, ihre Marktchancen testen oder auch produzieren.

Sogar ein Weltmarktführer ist mit der Firma Spiegelberg unter den aktuell rund 100 Unternehmen mit zusammen 500 Mitarbeitern dabei. Das im hit-Park gegründete Unternehmen hat Monitore und andere Produkte für eine antimikrobielle Liquordrainage erfunden. Unter diesem Begriff bezeichnet man ein Verfahren zur Bestimmung des innerhalb des menschlichen Schädels herrschenden Drucks. Unter anderem ist die Messung bei bewusstlosen Patienten hilfreich.

Der Branchenmix ist breit, vom Maschinen- und Anlagenbau, Automationssysteme, Software bis hin zur Elektrotechnik sowie Lüftungs-, Klima- und Haustechnik und andere Dienstleistungen. Die Miete ist mit 6,75 bis 10 Euro pro Quadratmeter moderat. „Wir fungieren als Partner und Realisierungsplattform für Unternehmer, die innovative Produkte und Dienstleistungen im Technologiebereich entwickeln und umsetzen. Darauf haben wir unsere drei Geschäftsbereiche Beratung, Service und Vermietung gezielt ausgerichtet“, sagt Birkel. Das kleinste vermietete Büro ist derzeit 20, das größte 2500 Quadratmeter groß.

Das hit-Technologiezentrum ist über die Jahre gewachsen. Neben dem Empfang mit Poststelle und der Gastronomie kamen ein Hotel mit 26 Zimmern und Tagungsräume hinzu. „Wir haben oft Gäste von der TU Harburg hier“, sagt Birkel. Auch der Flugzeugbauer Airbus nutzt die Räumlichkeiten samt Catering-Service für Schulungen der Mitarbeiter. Der Technopark mit bislang 16 Gebäuden ist das einzige privat finanzierte Gründerzentrum in der Hansestadt. „Und das größte private bundesweit“, sagt Birkel.

Nachdem die bisherigen Gebäude bereits zu 98 Prozent vermietet sind, soll jetzt für 4,5 Millionen Euro ein weiteres Bürogebäude auf dem weitläufigen Gelände in Harburg gebaut werden. Es wird über rund 2200 Quadratmeter Bürofläche verfügen, die sich auf drei Etagen verteilen. „Im Hinblick auf die steigenden Energiekosten wollen wir uns mit einem Blockheizkraftwerk komplett mit Wärme versorgen“, sagt Birkel. Die bisherigen Häuser, die noch aus der Tempo-Ära stammen, will er energetisch aufrüsten. Dafür investiert Birkel in diesem Jahr und im nächsten jeweils 500.000 Euro. Unter anderem sollen die Thermostate ausgetauscht werden durch solche, mit denen automatisch die Heizung ausgeht, wenn es warm genug ist. Für die Beleuchtung setzt er unter anderem LED-Lampen ein. „Hit goes green“, sagt Birkel. „In den nächsten drei bis fünf Jahren wollen wir CO2-neutral werden.“

In Hamburg gibt es zahlreiche leer stehende Büroräume. Birkel ist dennoch zuversichtlich, dass er für den Neubau Interessenten findet. „Wir tun viel für unsere Mieter. Neben unseren Vernissagen, die alle zwei Monate stattfinden, haben wir am Empfang eine Poststelle und im Erdgeschoss ein Restaurant.“ Zudem sei die Nähe zur Autobahn ein Argument. Auch gibt es Seminare, regelmäßige Veranstaltungen mit Gastrednern wie etwa mit dem Astronauten Ulrich Walter auf dem Gelände.

Man kennt sich auf dem Campus in Harburg. In dem Technologiepark könnten sich die Unternehmen gegenseitig befruchten. „Wir wollen, dass sich unsere Mieter wohlfühlen“, begründet Birkel die zahlreichen Veranstaltungen. Schließlich sollen seine Räumlichkeiten ausgelastet sein. Sorgen, dass der Neubau nicht vermietet sein wird, hat er nicht. „Es gibt sogar schon Wartelisten. Mit einigen Interessenten führen wir auch schon Gespräche.“