Ohne Garantiezins

Was taugen die neuen Lebensversicherungen?

Deutschlands größter Lebensversicherer Allianz stellt neue Police ohne Garantieverzinsung vor. Verbraucherschützer warnen vor Risiken, die allein der Kunde trägt.

Hamburg. Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase bieten die Lebensversicherer den Kunden neue Produkte an. Deutschlands größter Lebensversicherer Allianz stellte am Freitag eine neue Produktlinie ganz ohne Garantiezins vor. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zu den neuen Angeboten.

Worin liegt der Unterschied zu Verträgen der klassischen Lebensversicherung?

Die klassische Variante hat einen Garantiezins, der für die gesamte Laufzeit gilt. Für neu abgeschlossene Verträge liegt er bei 1,75 Prozent. In der Vergangenheit abgeschlossene Policen können einen Garantiezins von bis zu vier Prozent haben. Diese Garantie gibt es in den neuen Produkten nicht mehr. Die Verzinsung richtet sich nach der Entwicklung an den Kapitalmärkten und wird jährlich neu festgelegt. Das ist bei den klassischen Produkten nur zum Teil so. Es gibt eine Überschussbeteiligung, die sich aus Garantiezins und weiteren Überschüssen zusammensetzt. Im Schnitt werden Kapitallebensversicherungen in diesem Jahr mit 3,58 Prozent verzinst. Kunden mit einem Garantiezins, der darüber liegt, bekommen aber den höheren Wert gutgeschrieben. Das zeigt, wie wichtig eine Garantie sein kann.

Welche Gesellschaften bieten die neuen Produkte an?

Bisher haben nur Allianz und Ergo solche neuen Policen vorgestellt. Auch die Gothaer prüft neue Modelle. Andere Gesellschaften warten zunächst noch ab, wie die Kunden auf die neuen Angebote reagieren. Aber auch bei Allianz und Ergo gibt es nach wie vor noch die Lebensversicherung mit Garantiezins.

Was bedeuten die neuen Policen für die Kunden?

Schon in der alten Variante ist die Lebensversicherung kein einfach zu verstehendes Produkt. Mit einer garantierten Rente und Ablaufleistung gibt es Angaben, die verlässlich sind und die durch Überschüsse noch übertroffen werden. Den neuen Produkten liegen nur noch Annahmen zugrunde. Nur das eingezahlte Geld ist sicher, aber nicht die Verzinsung. „Das Risiko trägt allein der Kunde“, sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Anbieter versprechen den Kunden eine höhere Rendite, weil die Kosten für die Garantieabsicherung wegfallen. Beispiel Allianz: Die Überschussbeteiligung beträgt in diesem Jahr beim neuen Produkt 3,7 Prozent und in der klassischen Variante 3,6 Prozent.

Warum wollen sich Versicherer vom Garantiezins verabschieden?

Wegen der sinkenden Zinsen ist die Erfüllung des Garantiezinses für manche Gesellschaften eine Herausforderung. Denn im Schnitt aller Verträge liegt er bei 3,30 Prozent. Eine zehnjährige Bundesanleihe bringt aber nur noch 1,60 Prozent Rendite. Außerdem werden fast nur noch Rentenversicherungen abgeschlossen. Die Garantie muss damit über viele Jahrzehnte bis zum Tod des Versicherungsnehmers erbracht werden. Außerdem drohen strengere regulatorische Anforderungen, was die Garantien für die Unternehmen noch verteuert und die Rücklagen der Versicherer schrumpfen immer mehr.

Was halten die Verbraucherschützer von den neuen Versicherungen?

Verbraucherschützer sind schon auf die bisherigen Produkte nicht gut zu sprechen, weil sie in der Regel zu intransparent sind und Sparvorgang und Risikoabsicherung kombinieren. Dennoch gibt es 93 Millionen solcher Policen in Deutschland. „Egal ob mit oder ohne Garantie, wir raten vom Abschluss einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung für die Altersvorsorge grundsätzlich ab“, sagt Tobias Weissflog, Chef des Bundes der Versicherten.

Soll ich eine bisherige Versicherung gegen einen neuen Vertrag tauschen?

Vertreter könnten versuchen, Kunden dazu zu überreden. Doch das wäre in jedem Fall ein schlechtes Geschäft, weil erneut Kosten entstehen und eine gekündigte Lebensversicherung meist auch zu Verlusten führt.