Arbeitsagentur bietet 14.033 offene Stellen

Zahl der Arbeitslosen sinkt auf 70.526 in Hamburg. 4205 Lehrstellen noch unbesetzt

Hamburg. Mit einem neuen Projekt will die Hamburger Arbeitsagentur jetzt die Vermittlung von problematischen Arbeitslosen verbessern, die stärker als andere unterstützt werden müssen. „Wir haben zwei Teams mit insgesamt 32 Mitgliedern gebildet, in denen ein Mitarbeiter etwa 65 Arbeitslose betreut, sonst liegt die Zahl etwa doppelt so hoch“, sagte der Chef der Hamburger Arbeitsagentur, Sönke Fock. Für diese 2080 ausgesuchten Kunden der Agentur wird nun ein passender Job in Hamburger Betrieben gesucht, statt auf Angebote zu reagieren. „So können sich Firmen genau auf diese Bewerber einstellen“, sagte Fock. Erst kürzlich hatte der Bundesrechnungshof die Arbeitsagenturen kritisiert, weil sie sich zu wenig um Arbeitslose mit Hemmnissen gekümmert haben. „Wir haben unser Projekt aber bereits Anfang April gestartet“, sagte Fock.

Für Hamburg verteidigte der Arbeitsagenturchef die rasche Vermittlung von nur kurzzeitig arbeitslosen Menschen. „Der Bedarf in Hamburg ist seit 2010 hoch“, sagte er. So stieg auch im April – neuere Daten liegen hier nicht vor – die Zahl der Beschäftigten in Hamburg mit 1,9 Prozent stärker als im Bund. Dort gab es im März ein Plus von 1,3 Prozent. Mit 870.100 Beschäftigten wurde in Hamburg eine Rekordzahl für das Jahr 2013 erreicht.

Auch bei den Jugendberufsagenturen, von denen am 1. Juli die vierte in Eimsbüttel eröffnet wird, würden alle Schulabgänger berücksichtigt, sagte Fock. „Damit sind auch Jugendliche eingeschlossen, die für eine Berufsausbildung qualifiziert oder noch während der Lehre unterstützt werden müssen.“

Gerade für Jugendliche stehen die Chancen für die Aufnahme einer Lehre derzeit gut. So sind noch 4205 Ausbildungsplätze frei, die zum 1. August oder zum 1. September besetzt werden sollen. Deshalb appelliert Fock an alle Bewerber, die Sommerferien für Bewerbungen zu nutzen und sich bei Fragen an die Arbeitsagentur zu wenden.

Hintergrund für die hohe Zahl der offenen Stellen ist, dass Jugendliche heute oft länger zur Schule gehen wollen oder sich mehrfach bewerben und sich dann später entscheiden. Als Folge der demografischen Entwicklung beginnen zudem weniger Jugendliche aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein eine Lehre in Hamburg. Waren es vor drei bis vier Jahren noch 60 Prozent aller Neueinsteiger, so ist diese Anteil jetzt auf 40 Prozent gesunken.

Der Hamburger Arbeitsmarkt insgesamt blieb auch im Juni stabil. So ging die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Mai um 604 auf 70.526 zurück. Verglichen mit dem Juni 2012 ergibt sich aber ein Plus von 257. Die Arbeitslosenquote betrug im Juni 7,3 Prozent und liegt damit auf demselben Niveau wie im Mai 2013. Bundesweit sank die Zahl der Arbeitslosen um 72.000 auf 2,865 Millionen. Die Quote rutschte um 0,2 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent, teilte die Bundesanstalt für Arbeit (BA) in Nürnberg mit. „Der deutsche Arbeitsmarkt zeigte sich alles in allem in einer guten Verfassung und entwickelt sich robust“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Nach dem schwächeren ersten Halbjahr geht er nun im Jahresschnitt von 2,9 statt bisher 2,86 Millionen Arbeitslosen aus. „Das zweite Halbjahr wird aber besser, weil sich die Firmen mehr Investitionen zutrauen dürften.“

In der Hansestadt ist die Nachfrage nach Fachleuten hoch. Gesucht sind Berater für Dienstleistungen für Unternehmen, Personal im Gesundheits- und Sozialwesen und in der Gastronomie sowie IT-Fachleute. Doch im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 wirkt sich die schwächelnde Konjunktur aus. So ging die Zahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen in den ersten sechs Monaten 2013 auf 22.300 zurück. Das sind 4500 weniger als im Vorjahr. Aktuell offen sind 14.033. „Ausgelöst wurde dies vor allem durch die sinkende Nachfrage von Zeitarbeitsfirmen.“

Als Hintergrund für das nachlassende Interesse der Branche gelten die mit den Gewerkschaften vereinbarten Zuschläge auf die Löhne. Dies wirkt sich bei ungelernten Arbeitern und Helfern aus. „Wir halten eine Zusammenarbeit mit Zeitarbeitsfirmen aber weiter für wichtig“, so Fock. Zwar liegt die durchschnittliche Dauer bei den Zeitarbeitsverhältnissen an der Elbe nur bei gut drei Monaten. Doch das sei eine Folge davon, dass viele Firmen wie etwa Airbus Zeitarbeiter rasch einstellen.

Für die Zukunft geht Fock für Hamburg erst für September von einer weiter sinkenden Zahl bei den Arbeitslosen aus. Denn während der Sommerpause gibt es eher leichte Zuwächse oder eine stagnierende Entwicklung. Im September soll die Zahl der Betroffenen unter die Marke von 70.000 sinken.