Kommentar

Niemand darf vergessen werden

Der Bundesrechnungshof hat mit seinem Thema voll ins Schwarze getroffen. Denn seine Kritik an den Arbeitsagenturen, die sich bei ihrer Vermittlung vor allem auf gut qualifizierte Arbeitslose konzentriert haben und die anderen weniger beachteten, ist berechtigt. Vorwerfen kann man den Mitarbeitern ihr Verhalten kaum. Schließlich hatten sie die Zielvorgabe des Amtes, Betroffene rasch wieder in Arbeit zu bringen.

Allerdings kann es sich Deutschland heute nicht mehr leisten, Arbeitnehmer links liegen zu lassen. Auch die weniger Qualifizierten nicht. Denn es wird durch den demografischen Wandel künftig weniger Deutsche geben. Die Zielvorgaben sind damit nicht mehr zeitgemäß. Die Bundesanstalt für Arbeit will deshalb nun nachbessern. Künftig werden Erfolge bei schwieriger zu vermittelnden Bewerbern höher bewertet.

Die Hamburger Arbeitsagentur hat da schon einen guten Weg eingeschlagen. Das gerade gestartete Projekt, bei dem sich Vermittler gezielt um weniger Arbeitslose kümmern, die schwieriger zu vermitteln sind, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Zusammen mit den Arbeitslosen werden Unternehmen angesprochen, ob nicht Jobs gezielt auf die Bewerber zugeschnitten werden könnten.

Wenn die Firmen mitmachen, wäre dies gleichzeitig ein Beweis dafür, dass ein effizientes Vorgehen am Arbeitsmarkt sozial ausgewogen wirken kann. Denn es würden nicht nur neue Jobs geschaffen. Die Arbeit würde zudem an die Menschen angepasst und nicht – wie häufig – die Menschen an die Arbeit.