Kommentar

Zu kurz gedachte Hafenpolitik

Mit der Royal Caribbean International setzt eine weitere Reederei auf den Kreuzfahrthafen Hamburg. Die Wirtschaftsbehörde freut sich, das Ansinnen der US-Reederei untermauert ihre Argumentation, will die Behörde doch im Mittleren Freihafen gern ein drittes Kreuzfahrtterminal bauen. Das klingt logisch. Der Containerumschlag im Hafen stagniert, das Kreuzfahrtgeschäft boomt.

Ähnlich logisch klingt auch der Vorschlag der Grünen, die Erweiterung des Containerterminals Eurogate auf Eis zu legen. Das Terminal ist derzeit nicht einmal zur Hälfte ausgelastet. Mit den Kosten von 250 Millionen Euro könnte die Stadt vieles andere anpacken. Was die Grünen aussprechen, denken insgeheim viele auch in der SPD und der Hafenverwaltung. Angesichts der schweren Schifffahrtskrise und des vor sich hin dümpelnden Warenumschlags ist es opportun, den Hafen bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Zugleich ist es gefährlich. Wer den Hafenausbau auf Sicht betreibt, gerät in Gefahr, kurzfristigen Trends zu folgen und langfristige Entwicklungen zu verpassen. Praktisch jeder Schifffahrtsexperte erwartet mittelfristig wieder ein deutliches Wachstum der Branche. Rotterdam, Antwerpen und englische Häfen bauen ihre Umschlagskapazitäten derzeit aus, um sich mehr Marktanteile am Containerwachstum der Zukunft zu sichern.

Hamburg diskutiert hingegen, ob man sich einen Hafenausbau leisten kann, und plant im Zentrum der Erweiterungsflächen ein neues Kreuzfahrtterminal. Es ist ein schmaler Grat zwischen Welthafen und Provinz.