Jungheinrich baut Werk in China

Der Hamburger Gabelstaplerhersteller setzt weiter auf das Reich der Mitte. Rekordzahlen bei Gewinn und Umsatz

Hamburg. Nach Höchstwerten beim Umsatz und operativen Ergebnis im Jahr 2012 rechnet der Hamburger Jungheinrich-Konzern für 2013 nur noch mit einem stabilen Geschäft. Trotz des leichten Rückgangs beim Auftragseingang und beim Umsatz zum Jahresbeginn überwiegen für Vorstandschef Hans-Georg Frey die Chancen auf dem Weltmarkt die Risiken. Wachstumsmärkte sieht er vor allem in Asien, Brasilien, Lateinamerika und Osteuropa. Zudem setzt er auf eine anziehende Konjunktur in Deutschland. Risiken seien dagegen die Schuldenkrise im Euro-Raum oder in den USA. "Wir sind für 2013 verhalten optimistisch", fasste Frey bei der Bilanzvorlage in Hamburg die Lage zusammen.

Für den Ausbau des Konzerns, der mit 73.169 produzierten Gabelstaplern und Lagertechnik-Geräten weltweit an dritter Stelle liegt, werden allein in diesem Jahr drei Projekte abgeschlossen. Dazu gehört auch das neue Ersatzteilzentrum am Standort Kaltenkirchen, in das rund 35 Millionen Euro geflossen sind. Dorthin werden vom Herbst an 300 der gut 1300 Mitarbeiter aus Norderstedt umziehen. Zudem werden im bayerischen Degernpoint ein 40 Millionen Euro teures Werk für Lagertechnik und in der Nähe von Shanghai eine Fabrik fertig, die für den lokalen Markt produzieren soll. In China investiert Jungheinrich 18 Millionen Euro.

Zwar ist der Absatz im Reich der Mitte 2012 um neun Prozent gesunken. Trotz dieses Rückgangs gilt das Land aber weiter als vielversprechender Markt. Immerhin wurden dort 2012 rund 23 Prozent der weltweit 944.400 Geräte verkauft. Zum Vergleich: Europa hat einen Anteil von 33 Prozent, Nordamerika kommt auf 19 Prozent. "In China stellen wir zudem einen langfristigen Trend zu Elektrostaplern fest, die derzeit 95 Prozent unserer Produktion ausmachen", so Frey. "Das kommt uns natürlich entgegen." Künftig will sich der Konzern aber auch stärker bei den Fahrzeugen mit Dieselmotoren engagieren, die rund 46 Prozent des Weltmarktes ausmachen. Dazu kündigte der Vorstandschef für 2014 eine neue Generation von Gabelstaplern an, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Nur so viel: Der Verkauf dieser Fahrzeuge soll mittelfristig von fünf auf zehn Prozent der Produktion wachsen.

Klar ist für Frey: Die Jobs im Unternehmen sind sicher. Zum Jahresende waren es weltweit 11.261 und damit 550 mehr als im Vorjahr. Neueinstellungen gab es vor allem im Vertrieb und im Kundendienst im Ausland. Aber auch in Hamburg, Norderstedt und Lüneburg wurden 2012 insgesamt 108 Arbeitsplätze neu besetzt. Eine größere Ausweitung der Belegschaft ist für dieses Jahr nicht geplant. Insgesamt beschäftigt Jungheinrich in der Metropolregion 2411 Mitarbeiter.

Im August wird der Konzern, der den beiden Hamburger Familien Wolf und Lange gehört, sein 60-jähriges Jubiläum in Hamburg feiern. Dazu soll es für alle Mitarbeiter einen Bonus in dreistelliger Höhe geben. Ebenfalls im Jubiläumsjahr soll auch eine Entscheidung über die seit Jahren geplante neue Hauptverwaltung am Friedrich-Ebert-Damm fallen. "Es gibt jetzt einen rechtskräftigen Bebauungsplan, und wir sind mitten in den Planungen", sagte Frey. Derzeit sitzt die Verwaltung noch in gemieteten Räumen in der Nähe des Firmengeländes. Insgesamt hat Jungheinrich 2012 den Umsatz um fünf Prozent auf 2,229 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis (Ebit) erhöhte sich um drei Prozent auf 150 Millionen Euro. Nach Steuern verdiente das Unternehmen mit 110 Millionen Euro vier Prozent mehr. Die Dividende soll - wie bereits angekündigt - auf 86 Cent (Vorjahr: 76 Cent) pro Vorzugsaktie und auf 80 Cent (76 Cent) je Stammaktie steigen. Hierbei handelt es sich um Höchstwerte, über die die Hauptversammlung am 11. Juni noch entscheiden muss.

Für 2013 erwartet Frey nun einen weitgehend stabilen Weltmarkt. "Das ist nach dem guten Jahr 2012 keine schlechte Ausgangslage", sagte der Vorstandschef. Jungheinrich soll dabei auf einen Umsatz zwischen 2,1 und 2,3 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 140 bis 150 Millionen Euro kommen. Das käme den guten Zahlen aus 2012 sehr nahe.