Trauer um Georg Wilhelm Claussen

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Uwe Bahnsen

Langjähriger Vorstandschef und Aufsichtsrat bei Beiersdorf starb im Alter von 100 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg

Hamburg. Die Hamburger Wirtschaft trauert um eine ihrer profiliertesten Persönlichkeiten: Der langjährige Vorstands- und spätere Aufsichtsratsvorsitzende von Beiersdorf, Georg Wilhelm Claussen, ist tot. Der Unternehmer und Mäzen starb am 21. März im Alter von 100 Jahren im Kreis seiner Familie in der Hansestadt, seiner Vaterstadt, der er tief verbunden war.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem längeren Auslandsaufenthalt, unter anderem bei einem pharmazeutischen Unternehmen in Großbritannien, trat Claussen 1938 als 26-Jähriger in das Unternehmen Beiersdorf ein. Sein Vater Carl Claussen war dessen Vorstandsvorsitzender. Georg W. Claussen wurde 1952 stellvertretendes Vorstandsmitglied, 1954 ordentliches Mitglied und Sprecher des Vorstands. Seit 1957 führte er das Unternehmen 22 Jahre als Vorstandsvorsitzender. 1979 wechselte er in den Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender er neun Jahre lang war. Seit 1989 war er Ehrenvorsitzender der Beiersdorf AG.

In Claussens Zeit als Vorstandschef wurde Beiersdorf zu einem Konzern von Weltrang, zu einem "global player". Nivea wurde zu einer Weltmarke, aus der eine Markenfamilie erwuchs. Der Umsatz des Unternehmens stieg in dieser Zeit um fast das Dreißigfache.

Einer guten hamburgischen Tradition folgend, betätigte sich Claussen nicht nur als höchst erfolgreicher Unternehmer, sondern auch als weitblickender Förderer der Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur. 1982 gründete er die Claussen-Stiftung, die später nach einer Zustiftung aus der Familie in Claussen-Simon-Stiftung umbenannt wurde. Als Mäzen betätigte sich Claussen auch in der Hamburger Universitätsgesellschaft, im Denkmalrat der Hansestadt, in der Stiftung für die Hamburgischen Kunstsammlungen und zugunsten des Museums für Kunst und Gewerbe. Der Handelskammer gehörte Georg W. Claussen mehr als drei Jahrzehnte hindurch als Mitglied des Präsidiums an. Er war Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und weiterer Auszeichnungen.

Professor Reinhard Pöllath, Aufsichtsratsvorsitzender von Beiersdorf, würdigte den verstorbenen Firmenchef als beispielhafte Unternehmer-Persönlichkeit: "Ein Dreivierteljahrhundert lang stand Georg W. Claussen selbstbewusst, anspornend und mahnend für die Zukunftsorientierung eines Familienunternehmens, das die existenziellen Herausforderungen sich ständig ändernder Rahmenbedingungen annahm. Wir bleiben seinem Anspruch und Vermächtnis dauerhaft verpflichtet."

Claussens Lebensweg erinnert auch an ein bedrückendes Kapitel der hamburgischen Zeitgeschichte. Georg W. Claussen war Halbjude. Seine Mutter Martha, geborene Pulvermacher, war eine Nichte des Apothekers Oscar Troplowitz, der die 1882 von Paul Carl Beiersdorf gegründete "Fabrik dermotherapeutischer Präparate" kaufte und der sie vor allem mit der Erfolgsmarke Nivea zu einem hochprofitablen Unternehmen entwickelte. Die Familie lebte in ständiger Sorge und Angst um die Mutter, die einem Deportationsbefehl in das Konzentrationslager Theresienstadt nur durch den Mut eines befreundeten Arztes entging, sodass sie das Kriegsende überlebte. Claussen selbst wurde zwar zum Wehrdienst einberufen, dann aber als "wehrunwürdig" entlassen. In den letzten Kriegsmonaten 1945 drohte auch ihm die Deportation in ein Konzentrationslager.

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