Schweden investieren in Blohm + Voss

| Lesedauer: 5 Minuten
Rolf Zamponi

SKF-Konzern will langfristig am Maschinenbaubereich der Hamburger festhalten. Neue Produkte sollen auf den Markt kommen und Jobs sichern

Hamburg. Für das Topmanagement des Maschinenbaukonzerns SKF war der Montag trotz des heftigen Schneefalls ein "glücklicher Tag. Bisher konnten wir für Schifffahrt und Schiffbau nur einzelne Teile liefern. Jetzt aber haben wir das Herzstück für unsere maritime Sparte gefunden", sagte der globale Vertriebschef der Schweden, Vartan Vartanian, bei seinem Antrittsbesuch in Hamburg. Dieses Herzstück ist Blohm + Voss Industries (BVI), der Maschinenbau des 1877 in Hamburg gegründeten Traditionsunternehmens. Die Hamburger mit 340 Mitarbeitern in der Hansestadt sowie 70 in drei Niederlassungen in Asien gehören seit dem 13. Februar endgültig zu SKF. Der Kaufpreis beträgt 80 Millionen Euro. Darüber hinaus haben die Schweden 18 Millionen Euro an Verbindlichkeiten der neuen Tochter übernommen

Auch BVI-Chef Martin Johannsmann äußerte sich zufrieden. "Zusammen mit den Produkten von SKF können wir nun Reedern und Werften einen ganzen Baukasten von Produkten anbieten. Damit verbessern sich unsere Chancen am Markt", so Johannsmann.

Schon heute zählt BVI zu den Weltmarktführern bei Wellendichtungen, die das Austreten von Öl oder das Eindringen von Wasser im Bereich des Propellers verhindern sollen. Auch für Stabilisatoren, die das Rollen von Schiffen dämpfen und so Passagiere vor der Seekrankheit schützen sowie Filtersystemen, die Wasser an Bord von Öl und Fett reinigen, gehört BVI zu den größten Produzenten weltweit. Mehr als 50.000 dieser Komponenten sind derzeit in eingesetzten Schiffen eingebaut. Damit hat jedes dritte zumindest eine dieser drei Anlagen an Bord.

Aufgrund der starken Verbreitung entfällt allein 56 Prozent des Umsatzes der Hamburger von zuletzt 102 Millionen Euro auf Wartung und Service. Die von den internationalen Klassifikationsgesellschaften vorgeschriebenen Sicherheitschecks trugen so dazu bei, das Unternehmen auch während der Schifffahrtskrise in den vergangenen Jahren vor Verlusten zu bewahren.

Mit den Produkten der Schweden gibt es bei BVI keine Überschneidungen. SKF bietet für den maritimem Bereich vor allem Kugellager, Kupplungen, Schmiersysteme und Serviceleistungen an. "Wir sind überall dort vertreten, wo bei den Anlagen auf den Schiffen etwas rotiert", sagte Thomas Fröst, einer der beiden für den Industriebereich zuständigen Topmanager von SKF. Mit dem Zusammenschluss mit BVI wird das Schifffahrtsgeschäft nun deutlich ausgeweitet. Die Zahl der direkt Beschäftigten steigt von 200 auf 600. Der Umsatz erhöht sich mit den rund 100 Millionen Euro von BVI von 170 auf 270 Millionen Euro. "Wir wollen im maritimen Bereich aber auch weiter expandieren", versicherte SKF-Vertriebschef Vartanian.

Davon profitiert auch der neue Standort Hamburg. So wird BVI künftig nicht nur Abteilungen der Schweden in Nordamerika und im Mittleren Osten, sondern auch ein gerade bei Rotterdam neu eingerichtetes Servicecenter mit rund 50 Beschäftigten führen. Dazu werden Investitionen in Hamburg vorbereitet. "Wir erwarten noch in diesem Jahr eine Genehmigung von SKF", sagte Johannsmann ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Die Jobs bei BVI seien sicher, auch wenn der Umsatz in diesem Jahr leicht zurückgehen werde. "Wenn wir mit den Schweden neue Produkte mit Potenzial sehen, werden wir die Belegschaft auch noch ausweiten", so der BVI-Geschäftsführer. Klar ist: BVI soll schon bald in SKF Blohm+Voss Industries GmbH unbenannt werden.

Der neue Name macht dabei deutlich, dass die Schweden BVI fest in den Konzern integrieren wollen. "Das Engagement ist in jedem Fall langfristig. Es gibt keinen Weg zurück", sagte Vertriebschef Vartanian. Das war beim vorherigen Eigner noch anders. Der Finanzinvestor Star Capital Partners hatte zwar die Werft, die Reparatur und den Maschinenbau von Blohm + Voss Ende Januar 2012 komplett von ThyssenKrupp übernommen. Doch die Briten hatten rasch erklärt, dass sie sich als Erstes wieder von BVI trennen wollten. So haben nun die Beschäftigten nach nur gut einem Jahr wieder einen neuen Arbeitgeber, der jedoch an Johannsmann als Chef festhalten wird.

Die Schweden mit Zentrale in Göteborg gehören zu den weltgrößten Maschinenbaukonzernen. SKF liefert - abgesehen von der Schiffbausparte - mit knapp 47.000 Mitarbeitern Komponenten für Bereiche wie Energie, Autozulieferungen, Ernährung oder auch für die Metallindustrie, entwickelt neue Produkte und übernimmt den Service. Produktionsstandorte gibt es in 28 Ländern. Vertreten ist der Konzern in mehr als 130 Staaten. 2012 betrug der Umsatz rund acht Milliarden Euro. Zwar sei die Auftragslage Ende 2012 schwächer geworden, so Vartanian. Die Rendite liege aber immer noch über zehn Prozent.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft